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Wo alles begann: Stephanie Schneider besucht die Von-Galen-Schule in Lohne

Die Kinderbuchautorin war auf Stippvisite in ihrer ehemaligen Grundschule. Die Schüler begeisterte sie während einer Lesung. Anschließend schwelgte sie in Erinnerungen.

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Besuch einer Geschichtenerzählerin: Autorin Stephanie Schneider beantwortete während ihrer Stippvisite in der Von-Galen-Schule in Lohne viele Fragen der Schüler. Immer dabei: das Zesel-Kuscheltier, das es bisher nirgends zu kaufen gibt. Foto: Timphaus

Besuch einer Geschichtenerzählerin: Autorin Stephanie Schneider beantwortete während ihrer Stippvisite in der Von-Galen-Schule in Lohne viele Fragen der Schüler. Immer dabei: das Zesel-Kuscheltier, das es bisher nirgends zu kaufen gibt. Foto: Timphaus

Astronautin? Nö. Tierärztin? Auch nicht. Zirkusartistin? Im nächsten Leben vielleicht. Nein. Auf die Frage, was sie später einmal werden möchte, hatte Stephanie Schneider früher nur eine Antwort parat: "Astrid Lindgren." Das schüchterne Mädchen von damals ist heute eine selbstbewusste Frau – und hat sich ihren Kindheitstraum erfüllt.

Die gebürtige Lohnerin, die mittlerweile mit ihrer Familie in Hannover lebt, verdient ihr Geld seit 2004 als Kinderbuchautorin – wie ihr großes Vorbild aus Schweden, die Erfinderin von Michel von Lönneberga und Pippi Langstrumpf. Im Oktober 2022 gewann sie mit "Grimm und Möhrchen – Ein Zesel zieht ein" den Deutschen Kinderbuchpreis. Am Mittwoch kehrte Schneider, Jahrgang 1972, nun an eine alte Wirkungsstätte zurück. Sie besuchte die Von-Galen-Schule, in der sie einst die Schulbank drückte.

Zunächst stand eine Lesung in Kooperation mit der katholischen Bücherei St. Gertrud auf dem Programm. Leiterin Mechthild Bornhorn nutzte die Gelegenheit, um bei den Heranwachsenden für einen Besuch ihrer Einrichtung zu werben.

Ihre erste Geschichte handelte von Murry

Welche Bedeutung die Bücherei in Schneiders Kindheit hatte, verdeutlichte die Autorin im Anschluss. "Das war der schönste Ort in ganz Lohne", erklärte sie den Schülern. Inmitten von Momo, Räuber Hotzenplotz und Co. reifte in ihr nach eigenen Angaben der Wunsch, später einmal selbst Bücher zu schreiben.

Dieser Passion folgte sie schon in jungen Jahren. Schneider illustrierte ihre Ausführungen erst mit einer Aufnahme, die sie als junges, blondes Mädchen zeigte, und dann mit einem Foto ihrer ersten eigenen Geschichte. In einem Schreibheft, sauber notiert, ging es um die Abenteuer von Murry. Selbst Illustrationen wie eine Blume hatte die Jungautorin akribisch angefertigt.

Erfolgreiche Autorin: Stephanie Schneider überreicht einem Schüler ein Lesezeichen mit ihrem Autogramm. Foto: TimphausErfolgreiche Autorin: Stephanie Schneider überreicht einem Schüler ein Lesezeichen mit ihrem Autogramm. Foto: Timphaus

Kindgerecht erläuterte Schneider, wie ein Buch entsteht und welche Rollen die Autoren und Illustratoren übernehmen. Sie konstatierte: "Mein Beruf ist Geschichtenerzählerin." Sie zeigte den Kindern anhand eines Fotos, wo sie ihrer Fantasie am liebsten freien Lauf lässt, nämlich in Cafés wie jenem im Alten Rathaus in Hannover.

Dort ersann sie auch die Geschichte von "Grimm und Möhrchen", aus der sie im Fortgang ausdrucksstark und kurzweilig vorlas. Zuvor klärte sie aber noch die Frage, ob es Zesel wirklich gibt. Illustrationen untermalten die Lesung. Immer wieder war Gekicher und fasziniertes Aufseufzen aus den Reihen der jungen Zuschauer zu hören.

Besonders gut kamen bei den Schülern ein Zesel-Kuscheltier und das "Start-Stopp-Spiel" beim Raketen-Abenteuer von Grimm und Möhrchen an. Die Heranwachsenden bedankten sich mit waschechten Von-Galen-Raketen bei der Autorin, die auch viele Fragen beantwortete. Um ein Lesezeichen mit Autogramm zu ergattern, stellten sich die Kinder ordentlich in eine Reihe.

Ein Wiedersehen mit einem Freund aus Kindheitstagen

Die Rückkehr an den erinnerungsträchtigen Ort war für Schneider noch nicht vorbei. Nachmittags erkundete sie auf eigene Faust die Grundschule, die sich im Laufe der Jahrzehnte natürlich deutlich gewandelt hat. Sie entdeckte auch ihr altes Klassenzimmer. Den Raum nutzt jetzt die ebenfalls in dem Gebäude beheimatete Musikschule.

Dort traf Schneider auf zwei junge Musikschüler und Felix Holzenkamp. Der Instrumentallehrer für Schlagzeug, Mallets, Percussion, Bass und Bands ist nur wenige Jahre älter als die Autorin. "Mit ihm und meinem Bruder habe ich früher Feuerwehr im Garten gespielt", freute sich Schneider.

Ausdrucksstark: Stephanie Schneider liest aus ihrem Buch Grimm und Möhrchen – Ein Zesel zieht ein vor. Foto: TimphausAusdrucksstark: Stephanie Schneider liest aus ihrem Buch "Grimm und Möhrchen – Ein Zesel zieht ein" vor. Foto: Timphaus

Holzenkamp erklärte sich sofort bereit für eine kleine Jamsession mit ihr. Der Lohner spielte Marimbaphon, Schneider wirbelte die Sticks am Schlagzeug. "Nach dem Abitur hatte ich mich an dem Instrument versucht und jetzt während der Pandemie wieder damit angefangen."

Zurück auf dem Schulflur erzählte die Autorin, dass sie früher Klavierunterricht bei Christa Uhlig hatte, ebenfalls in der Von-Galen-Schule. "Es ist ein schönes Gefühl, dorthin zurückzukehren, wo ich als kleines Mädchen zur Schule gegangen bin."

In jungen Jahren sei sie äußerst zurückhaltend gewesen, sagte sie. "Ich war wahrscheinlich das schüchternste Mädchen der Welt." Einmal sei sie auf dem Pausenhof hingefallen. Als sie im Krankenzimmer auf der Liege saß und eine gefühlte Ewigkeit warten musste, habe sie sich nicht getraut, aufzustehen und den Raum zu verlassen. 

"Für Kinder sind die Figuren in den Büchern wirklich lebendig. Sie beeinflussen die Entwicklung der Heranwachsenden."Stephanie Schneider, Kinderbuchautorin aus Hannover

Ebenfalls besonders tief eingeprägt hat sich bei Schneider das Bild ihrer Klassenlehrerin Rita Leise, die in der Frühstückspause aus dem Buch "Die feuerrote Friederike" vorlas. Umso mehr ist es ihr ein Anliegen, die Bedeutung des Vorlesens zu betonen. "Für Kinder sind die Figuren in den Büchern wirklich lebendig. Sie beeinflussen die Entwicklung der Heranwachsenden."

Besonders Büchereien haben laut Schneider einen hohen Stellenwert bei der Lesesozialisation. "In Zeiten, in denen die Schwimmbäder immer kälter werden, sollten Eltern mit ihren Kindern die Büchereien besuchen." Die dortigen Mitarbeiterinnen seien "dermaßen engagiert". Mit Büchern könnten soziale Unterschiede aufgeweicht werden, plädierte sie für eine verstärkte Leseförderung.

Spontane Jamsession: Musikschullehrer Felix Holzenkamp war sofort bereit, mit Stephanie Schneider eine kleine Wiedersehensmusik zu improvisieren. Foto: TimphausSpontane Jamsession: Musikschullehrer Felix Holzenkamp war sofort bereit, mit Stephanie Schneider eine kleine Wiedersehensmusik zu improvisieren. Foto: Timphaus

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