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"Wir kommen, wenn wir gerufen werden"

Die Freiwillige Feuerwehr Bakum musste nach Beginn der Bauarbeiten auf der A1 zu zahlreichen Verkehrsunfällen ausrücken. Sorge bereiten Ortsbrandmeister Christian Wienken vor allem die Rettungsgassen.

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Stauende übersehen: Am 1. Juli ereignete sich der 3. Lkw-Unfall innerhalb einer Woche auf der A1, zu dem die Feuerwehr Bakum ausrücken musste. Foto: M. Niehues

Stauende übersehen: Am 1. Juli ereignete sich der 3. Lkw-Unfall innerhalb einer Woche auf der A1, zu dem die Feuerwehr Bakum ausrücken musste. Foto: M. Niehues

Montag, 28. Juni: Ein Lkw-Fahrer übersieht das Stauende auf der Autobahn 1 bei Bakum und stirbt. Dienstag, 29. Juni: Ein Lkw-Fahrer übersieht das Stauende auf der Autobahn 1 bei Märschendorf. 3 Lastwagen kollidieren, die Beteiligten verletzen sich leicht. Donnerstag, 1. Juli: Ein Lkw-Fahrer übersieht das Stauende auf der Autobahn 1 bei Märschendorf und verletzt sich schwer. Zu allen diesen schweren Verkehrsunfällen in der vergangenen Woche rückten die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Bakum aus. Die Feuerwehr habe durchaus oft Einsätze, sagt Ortsbrandmeister Christian Wienken, „aber diese Häufung ist schon ungewöhnlich“.

Vor einigen Wochen hat der Ausbau der Autobahn zwischen Lohne/Dinklage und Bramsche begonnen. Die 30 Kilometer lange Hansalinie soll auf 6 Spuren verbreitert werden. Die Fertigstellung ist für den Frühjahr 2025 geplant. Die Baumaßnahmen machen Fahrbahnverengungen nötig. Auf der ohnehin stark frequentierten Autobahn kommt es seit Beginn der Arbeiten regelmäßig zu Staus – und somit zu Auffahrunfällen.

"Nach dem 3. Unfall dachte ich, jetzt muss ich was sagen."Tobias Averbeck, Bürgermeister

Christian Wienken macht deutlich, dass die Häufung der Unfälle kein Problem für die Bakumer Feuerwehr darstellt. „Wir sind personell und technisch gut aufgestellt“, sagt Wienken. Es sei „zum Glück“ so, dass die Arbeitgeber in Bakum sehr kulant seien, wenn es darum gehe, die Kameraden für die Einsätze freizustellen. Allerdings sei es aber auch so, dass die Arbeitgeber dazu verpflichtet seien, ergänzt Wienken. Er hofft aber, dass die Arbeitgeber künftig die Feuerwehr weiterhin so unterstützen.

Die Motivation innerhalb der Kameradschaft sei „sehr hoch“, sagt Wienken. Wenn das aber die kommenden Jahre so auf der Autobahn weitergehen sollte, gerate auch die Bakumer Feuerwehr an ihre Belastungsgrenze. Nach Einsätzen und bei Dienstabenden werden die Unfälle durchaus besprochen.

Die Sorge um die Kameraden trieb auch Bürgermeister Tobias Averbeck um, als er vergangene Woche einen Beitrag bei Social Media veröffentlichte, der auf die Situation auf der Autobahn aufmerksam machen sollte. "Nach dem dritten Unfall dachte ich, jetzt muss ich was sagen", sagt Averbeck. Die Feuerwehrleute seien ehrenamtlich engagiert und gingen immer an ihr Limit, sagt er. Der Beitrag bei Social Media habe eine enorme Reichweite gehabt, verrät Averbeck. Entsprechend seien auch die Reaktionen ausgefallen – von Pkw- wie Lkw-Fahrern, aber auch von behördlicher Seite. Der Bürgermeister hofft, dass es jetzt besser wird und es bei den Verkehrsteilnehmenden eine höhere Sensibilität gibt. 

Im Zweifel rücken die Lüscher aus

Aufgrund der geografischen Lage der Gemeinde seien die Kameraden für den Bereich um die Auffahrt Vechta zuständig, erklärt Wienken. Über die Unfallursachen kann auch er nur spekulieren. Auf die Baustelle werde seines Erachtens frühzeitig mit der entsprechenden Beschilderung hingewiesen. Er vermutet, dass Unachtsamkeit eine Rolle spiele.

Hat diese neue Situation Auswirkungen auf die Freiwillige Feuerwehr Bakum und das sonstige Einsatzgeschehen? Keine grundlegenden, antwortet Wienken gelassen. Im Zweifel sei die Feuerwehr Lüsche für den Grundschutz in der Gemeinde zuständig. „Wir kommen, wenn wir gerufen werden“, sagt er trocken. Die Kameraden machen ihre Aufgabe gerne, versichert Wienken. „Von unserer Seite aus gibt es keine Probleme.“ 

Einige Lkw-Fahrer tun sich mit Rettungsgasse schwer

Doch ein Thema rund um die Baustelle und die damit einhergehenden Staus bereiten Christian Wienken und seinen Feuerwehrkameraden durchaus Kopfzerbrechen: die Rettungsgasse. „Ein leider leidiges Thema“, kommentiert er. Zu oft werde diese nicht richtig gebildet und mache die Anfahrt der Einsatzkräfte somit unnötig schwer. „Absolutes Unverständnis“ hat Wienken, wenn Lkw im Weg stünden. Um sich den Weg zur Unfallstelle zu bahnen, komme es durchaus vor, dass der Fahrzeugführer aussteigen müsse, um die Fahrzeuge zu „dirigieren“. Dabei komme es schon mal zu „ungehaltenen Reaktionen“ von den wartenden Fahrern. Zu Fuß gehe es dann durch die Rettungsgasse, die Einsatzfahrzeuge folgen. Bei Schrittgeschwindigkeit verliere man aber „ohne Ende Zeit“.

Dabei stellt Wienken fest, dass die Pkw-Fahrer häufig gar nicht das Problem verursachen. „95 Prozent bekommen das super hin“, beschreibt er seine Erfahrung. In den meisten Fällen, so die Beobachtung der Feuerwehr, handele es sich um Lkw aus dem Ausland, dessen Fahrer sich nicht richtig einordnen, und damit den Weg für die Einsatzkräfte versperren.

Die Baustelle bleibt der Region noch eine Weile erhalten. Die damit einhergehenden Komplikationen also auch. Wie sieht Wienken der nahenden Ferienzeit und dem damit verbundenen erhöhten Verkehrsaufkommen entgegen? Entspannt. „Was bleibt uns anderes übrig?“, sagt er dazu. „Es ist alternativlos.“ Eigene private Planungen müssten die Kameraden deswegen nicht sausen lassen. Mithilfe einer App planen die Feuerwehrleute frühzeitig und können damit die Einsatzfähigkeit sicherstellen.

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