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"Wir hatten kein Geld und mussten uns die Milch beim Bauern leihen"

Vor 50 Jahren eröffneten Maria und Luigi de Martin das Eiscafé Venezia in Friesoythe. Vor der Entscheidung informierten sie sich bei der benachbarten Drogerie über den Ort und die Menschen.

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Goldenes Eis-Jubiläum: Maria und Luigi de Martin eröffneten am 5. März 1972 ihr Eiscafé Venezia in Friesoythe.   Foto: Stix

Goldenes Eis-Jubiläum: Maria und Luigi de Martin eröffneten am 5. März 1972 ihr Eiscafé Venezia in Friesoythe.   Foto: Stix

Auf einer Eismesse bekamen Luigi und Maria de Martin 1971 das Angebot, ein Eiscafé in Norddeutschland zu übernehmen. Der bisherige Inhaber stammte aus Refrontolo, dem Heimatort von Luigi, doch das allein genügte den de Martins nicht für eine Zusage. "Wir sind dann nach Friesoythe gefahren und haben uns das angeschaut", erzählt Luigi.

Der erste Eindruck war eher durchwachsen, so wahnsinnig viel los war in der Bahnhofstraße damals nicht. "Das Wetter war stürmisch, aber das Dorf war gut", erinnert sich Maria de Martin. Bei der benachbarten Drogerie Rieger haben sie dann nachgefragt, wie gut die Lage und wie der Ort ist. Die Entscheidung für Friesoythe fiel letztlich aus ganz pragmatischen Gründen: "Wir wussten nicht, was kommt, wir hatten kein Geld, um eine andere Eisdiele zu suchen", erzählt die gebürtige Kroatin. "Also sind wir geblieben."

Betreiber lernten sich einst in Düsseldorfer Eiscafé kennen

Die Saison 1971 machte der bisherige Besitzer, der die Eisdiele 1965 in der Bahnhofstraße 17 gegründet hatte, noch zu Ende, am 5. März 1972 eröffneten Maria und Luigi de Martin dann ihr Eiscafé Venezia, das am Samstag seinen 50. Geburtstag feiert. "Wir haben unser Ziel erreicht, jetzt macht die Jugend weiter", sagt die 72-Jährige. Sie und Luigi hatten sich 1969 bei der Arbeit in einem Eiscafé in Düsseldorf kennengelernt. "Es war Liebe auf den ersten Blick", sagen beide, die Verständigung zwischen der Kroatin und dem Italiener anfangs jedoch nur mit Händen und Füßen möglich. Am 4. April 1970 wurde geheiratet. 

Anfangs fuhr Luigi de mit einem mobilen Eisverkauf durch die Ortschaften und Dörfer. Foto: de MartinAnfangs fuhr Luigi de mit einem mobilen Eisverkauf durch die Ortschaften und Dörfer. Foto: de Martin

Der Anfang in Friesoythe war nicht leicht, erinnern sich die de Martins. "Wir hatten kein Geld und mussten uns die Milch beim Bauern leihen", erzählt Luigi. 3 Jahre lang fuhr er auch mit einem Eiswagen in die Ortschaften und Dörfer, eine Saison lang hatten die de Martins zudem einen Eis-Kiosk am Eck Lange Straße/Bürgermeister-Krose-Straße. "Aber da sind die Leute einfach vorbei und zum Eiscafé in der Bahnhofstraße gegangen", erinnert sich der 74-Jährige. "Dabei war es das gleiche Eis."

Parallel dazu eröffneten die de Martins weitere Eiscafés, die zum Teil heute noch bestehen und Verwandten von Maria und Luigi gehören. 1974 schlossen sie einen Mietvertrag für eine Eisdiele in Cloppenburg ab, 1976 kam ein Eiscafé in Dinklage dazu, 1982 eines in Garrel. "Das haben wir am Tag vor der Geburt von Dennis aufgemacht", erzählt Maria. "Luigi war bei der Geburt nicht dabei, er kam erst um Mitternacht mit einem Eimer Milchshake für die Schwestern ins Krankenhaus."

1999 war Luigi de Martin Friesoyther Schützenkönig

Der Eisgeschmack habe sich in den vergangenen 50 Jahren gewandelt, erzählen die Eisexperten. Waren anfangs Vanille, Schokolade, Stracciatella und vor allem Erdbeere die Renner, sind heute andere, kreative Sorten gefragt. Bei den Eiskreationen hingegen waren die 80er Jahre die kreativste Zeit. Insgesamt 60 verschiedene Eisbecher hatte die damalige Eiskarte im Angebot, darunter auch Pommes-Eis, ein Pilz-Eis-Gericht, Spargel-Eis, Spiegeleier-Eis oder auch einen Eisteller, der optisch an Schnitzel mit Spiegelei und Pommes erinnerte. "Da haben wir der Fantasie freien Lauf gelassen", sagt Maria.

Neben der Eröffnung der Eisdiele und der Geburt der beiden Kinder Ingrid (1973) und Dennis (1982) sticht für Maria und Luigi de Martin vor allem ein Ereignis in ihrer Friesoyther Geschichte hervor: 1999 wurde Luigi Schützenkönig. "Das war der schönste Tag, schöner als die Hochzeit", sagt Maria. Sohn Dennis, der das Eiscafé in Friesoythe seit 2019 gemeinsam mit seiner Frau Barbara führt, kann sich durchaus vorstellen, auch hier in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. "2024 wäre ein schöner Zeitpunkt dafür, 25 Jahre nach meinem Vater", sagt er. "Dann hätte die Lange Straße endlich mal wieder einen König."

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