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"Wir haben viel Spaß gehabt und was erlebt"

Am Samstag schließt die Lohner Gaststätte "Rechts-Ran" nach 59 Jahren. Die Wirtsleute Beate und Horst Schöbel blicken dankbar, aber auch wehmütig zurück.

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Haben auf dem Saal und hinter der Theke im "Rechts-Ran" viel erlebt: Beate und Horst Schöbel. Foto: Ebert

Haben auf dem Saal und hinter der Theke im "Rechts-Ran" viel erlebt: Beate und Horst Schöbel. Foto: Ebert

Pokale rühmen Triumphe, Geschenke ehren das Engagement der Wirtsleute: Wer das "Rechts-Ran" an der Vechtaer Straße betritt, sieht, wie vielen Menschen die Lohner Gaststätte etwas bedeutet. Vereine und Stammtische hielten hier ihre Versammlungen ab, Stammkunden trafen sich auf ein Bier, Familien feierten auf dem Saal.

All das ist bald Geschichte, denn am Samstag öffnet das "Rechts-Ran" zum letzten Mal seine Pforten. Wenn Horst und Beate Schöbel dann in der Nacht den letzten Gast verabschiedet haben, schließen sie zum letzten Mal die Türen der Gaststätte ab. Dann ist Schluss, nach 59 Jahren.

Vor allem Horst Schöbel fällt das sichtlich schwer. "Ich kann das nicht gut haben", sagt er, dann stockt die Stimme und er schweigt einige Zeit. Seiner Frau Beate scheint die Schließung etwas leichter zu fallen, aber auch sie erinnert sich an viele "tolle Momente" in den vergangenen Jahrzehnten. Dann kommt sie von einer Anekdote zur nächsten, wechselt immer wieder ins Plattdeutsche. Die Krönung: Einmal habe ein Pferd im Gastraum gestanden, am Sonntagmorgen. Als Mutter Wilma von der Kirche gekommen sei und das Tier ein paar Pferdeäpfel hinterlassen habe, sei die Aufregung groß gewesen, erzählt Beate Schöbel und lacht.

Generationenübergreifend: Zum 50. Jubiläum hatte die OV über die Gaststätte geschrieben. In der Familienchronik ist der Text noch heute zu lesen. Fotos: EbertGenerationenübergreifend: Zum 50. Jubiläum hatte die OV über die Gaststätte geschrieben. In der Familienchronik ist der Text noch heute zu lesen. Fotos: Ebert

30 Jahre hat das Ehepaar das "Rechts-Ran" betrieben, vorher hatte Beate Schöbels Vater Josef Stratmann die Gaststätte geschmissen. Er war es auch, der das "Rechts-Ran" eröffnet hatte, am 10. Juni 1961. 1990 übernahmen Tochter und Schwiegersohn den Betrieb. Trotzdem blieben Stratmann und seine Frau Wilma noch jahrzehntelang präsent, standen hinter der Theke und schwangen den Kochlöffel.

Gastwirt sein: für die Schöbels war das seit 1990 ein Nebenerwerb. Tagsüber arbeiteten sie, Horst Schöbel als Werkzeugmacher, Beate Schöbel als Steuerfachangestellte. Abends und am Wochenende zapften sie Bier und versorgten die Gäste.

"Wir haben viel Spaß gehabt und was erlebt", schwärmt Beate Schöbel kurz vor der Schließung. Auch Prominente kamen immer wieder in die Kneipe: Fußballgrößen wie Rudi Völler, Uli Hoeneß und Otto Rehhagel waren dort, auch der Sänger Matthias Reim und der seinerzeitige Bundespräsident Christian Wulff tranken an der Theke schon ein Pils.

Beate Schöbel ist es wichtig, Dank auszusprechen. Den Gästen und den vielen Vereinen, die über Jahre das "Rechts-Ran" bevölkert haben: Dem Fanclub Werder-Eck, der 20. und der 26. Kompanie ("Zum Nordpol" und "Blitz"), dem Dartverein, den Taubenvereinen und den Amateurfunkern. Auch Knobelfreunde, Stammtische, Kartenturniere und Feuerwehren zählten zu den gerne gesehenen Gästen an der Vechtaer Straße. Auch den Aushilfen,  Nachbarn und der Familie ist das Wirtspaar dankbar.

"Viel Freud' und manchmal Leid" hätten sie erfahren und mitbekommen, sagen die Schöbels, die seit 40 Jahren verheiratet sind und sich auf dem Steinfelder Schützenfest kennengelernt haben. Doch das Wirtsleben hat auch seinen Preis verlangt: Es habe wenig Zeit für Familie und Freunde gegeben, sind sich die beiden einig.

Damit jetzt noch etwas Zeit "zum Leben" bleibt, schließen sie jetzt ihre Gaststätte, der Entschluss sei aber schon vor zwei Jahren gefallen und hätte mit der Covid-19-Pandemie nichts zu tun, sagen sie. Immerhin ist Horst Schöbel jetzt 65 Jahre alt, Beate Schöbel 61. Auch die Gesundheit spielt eine Rolle. Wenn Corona es zulässt, wollen sie künftig verreisen. Nur über das Reiseziel müssen sie sich noch einig werden.

Ein paar Pils zapft er noch, dann ist Schluss: Horst Schöbel an der Theke des Rechts-Ran. Foto: EbertEin paar Pils zapft er noch, dann ist Schluss: Horst Schöbel an der Theke des "Rechts-Ran". Foto: Ebert

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