„Wir gehen die Herausforderungen gemeinsam an“
Interview: OV-Geschäftsführer Dr. Michael Plasse und MT-Verleger Jan Imsiecke wollen die Chancen des digitalen Umbruchs in der Medienbranche konsequent nutzen.
Giorgio Tzimurtas | 11.05.2020
Interview: OV-Geschäftsführer Dr. Michael Plasse und MT-Verleger Jan Imsiecke wollen die Chancen des digitalen Umbruchs in der Medienbranche konsequent nutzen.
Giorgio Tzimurtas | 11.05.2020

Im Gespräch erläutern Geschäftsführer Dr. Michael Plasse und Aufsichtsrat Jan Imsiecke die Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung für die OM-Mediengruppe. Foto: Chowanietz
MT und OV machen zwei sehr große Schritte in die Zukunft: Den Start von OM online und die Fusion zur OM-Mediengruppe. Warum ist jetzt hierfür der richtige Zeitpunkt? Was bedeutet das neue Nachrichtenportal für die Leser?
Michael Plasse: Unsere Häuser haben sich in den letzten Jahren deutlich besser entwickelt als der Markt. Weder die OV noch die MT haben ein Auflagenproblem. Wir sind nach wie vor erfolgreich in dem, was wir tun, und setzen dabei publizistisch konsequent auf lokale Inhalte. Momentan geschieht das aber vor allem in gedruckter Form. Wir müssen mit unseren Angeboten aber auch einem veränderten Mediennutzungsverhalten Rechnung tragen. Über die konsequente Digitalisierung unserer Produkte wollen wir verstärkt nachwachsende Zielgruppen erschließen und an uns binden. Das geht gemeinsam besser als allein.
Jan Imsiecke: Die OM-Mediengruppe ist unsere strategische Antwort auf die Veränderungen im Markt. MT und OV sind natürliche Partner. Beide Verlage sind im Oldenburger Münsterland fest verwurzelt. Zusammen decken wir nicht nur die gesamte Region ab, sondern sind auch dichter an den Lesern und Werbetreibenden als andere. Mit OM online bündeln wir unsere Stärken und machen unter dem Dach der OM-Mediengruppe die ersten Schritte in eine gemeinsame Zukunft.
Was ist Ihnen dabei wichtig?
Jan Imsiecke: Die Fusion von MT und OV zur OM-Mediengruppe ist ein Zusammenschluss auf Augenhöhe. Unsere Reporter und Verkäufer werden weiterhin überall vor Ort ansprechbar sein und Flagge zeigen. Gleichzeitig ergeben sich aus der Fusion Vorteile, die uns ermöglichen, die Herausforderungen in der Medienbranche noch besser zu meistern.
Michael Plasse: Über einen gemeinsamen Standort im Ecopark werden wir nicht nur den Wandel vom Verlag zum Medienhaus unterstützen, sondern gleichzeitig das Zusammenwachsen der Unternehmenskulturen unter dem neuen Dach der OM-Mediengruppe ermöglichen. So wird aus eins plus eins am Ende drei.
Wieso fiel bei der Frage des Standorts die Entscheidung auf den Ecopark?
Jan Imsiecke: Emstek ist die geografische Mitte zwischen Vechta und Cloppenburg. Mit der Entscheidung für den Ecopark sitzen wir quasi im Herzen des Oldenburger Münsterlandes. Das hat nicht nur logistische Vorteile, sondern wir denken dabei auch an unsere Mitarbeiter. Da die Entfernung aus beiden Richtungen in etwa die gleiche ist, wird niemand schlechter oder besser gestellt.
Michael Plasse: Über den Erhalt aller Außenstandorte werden wir unser Alleinstellungsmerkmal weiter pflegen. Auch in Vechta und in Cloppenburg werden wir nach dem Umzug eine Geschäftsstelle unterhalten und vor Ort über unsere Reporter und Verkäufer präsent sein.
Michael Plasse: Mit OM online starten wir das erste Nachrichtenportal für das Oldenburger Münsterland. Über unsere Ortsreporter spielen wir flächendeckend unsere lokale Stärke aus und berichten aus allen 23 Städten und Gemeinden. Außerdem laufen relevante regionale und überregionale Inhalte auf der Seite ein. Hier sind wir Dank eines Entwicklungsprojektes mit der Deutschen Presse Agentur ziemlich weit vorne.
Jan Imsiecke: Wir haben ein responsives Design entwickelt, das auf allen digitalen Endgeräten funktioniert, vom mobilen Telefon über das Tablet bis hin zum PC. Die Nutzer können sich über sogenannte Tags ihren Nachrichtenstream selbst konfigurieren – nach Orten oder Interessensgebieten.
Was sind die Beweggründe, ein gemeinsames Portal für das Oldenburger Münsterland aus der Taufe zu heben?
Jan Imsiecke: OV und MT kooperieren seit 1982 sehr erfolgreich. Die Menschen in den Landkreisen Vechta und Cloppenburg haben eine gemeinsame kulturelle Identität. Wir sind Südoldenburger. Diesen Ansatz denken wir konsequent weiter.
Michael Plasse: Um OM online herum gruppieren wir unsere gemeinsamen Rubrikenportale: OM Stellen, karrierestart.tv oder im nächsten Schritt OM Termine. Wenn das öffentliche Leben endlich wieder Fahrt aufnimmt, können alle Vereine, Städte und Gemeinden bei omtermine.de kostenfrei ihre Veranstaltung präsentieren. Wir wollen damit unsere Funktion als regionale Community unterstreichen und unsere Plattform im Netz konsequent weiterentwickeln.
Apropos Weiterentwicklung: Wie sehen die nächsten Schritte der OM-Mediengruppe mit Blick auf die digitalen Produkte aus? Können Sie uns schon einen Vorgeschmack geben?
Jan Imsiecke: Ich denke da zum Beispiel an einen OM-Podcast– das Wichtigste aus der Region als Audioformat. Auch unser E-Paper werden wir modernisieren. Unsere Leser können sich auf vieles freuen, was in den nächsten Jahren entstehen wird. Was mir dabei besonders wichtig ist: Die gedruckten Zeitungen liegen uns genauso am Herzen, wie die neuen digitalen Angebote. Die OV und die MT sind und bleiben Lokalzeitungen im besten Sinne des Wortes. Wir möchten auch in Zukunft auf verschiedenen Kanälen alle Menschen für uns gewinnen.
Michael Plasse: Die Vorteile des Trägermediums Papier werden häufig unterschätzt. Allerdings macht sich der Wert unserer Leistung nicht am Trägermedium fest, sondern am Inhalt. Unsere Aufgabe ist es, den Menschen in Südoldenburg unseren Journalismus über alle Wege zeitgemäß zur Verfügung zustellen. Das ist kein entweder oder, sondern ein sowohl als auch.
Welche Bedeutung kommt dem Journalismus im digitalen Zeitalter zu – insbesondere dem lokalen?
Jan Imsiecke: Für die Menschen ist und bleibt relevant, was sich vor ihrer Haustür abspielt. Gerade im Zuge der Corona-Pandemie kann man das beobachten. OM online gibt uns die Möglichkeit, hier noch schneller auf die Nachrichtenlage vor Ort zu reagieren und die Informationen kompetent einzuordnen.
Michael Plasse: In den sozialen Medien ist über die letzten Jahre ein Paralleluniversum der gefühlten Halbwahrheiten entstanden. Mehr denn je sind deshalb heute die Kardinaltugenden des Journalismus gefragt. Das gilt im Großen wie im Kleinen. Wir haben einen publizistischen Auftrag für das Oldenburger Münsterland und dem wollen wir nachkommen – ob über die gedruckten Zeitungen oder unsere digitalen Angebote. Journalismus für unsere Region ist die DNA unseres Unternehmens.
Das heißt auch: Je besser die Inhalte, desto besser ist die Chance, diese auch zu verkaufen und Werbeerlöse zu erzielen?
Michael Plasse: Es gibt zumindest einen Wirkungszusammenhang. Wenn Inhalte qualitativ hochwertig sind, dann setzt man sich intensiv mit dem Medium auseinander. Folglich beschäftigt man sich auch intensiver mit der Werbung.
Jan Imsiecke: Wir sind der Marktplatz der Meinungen und Diskurse vor Ort. Wir erreichen damit die Zielgruppe, die auch für unseren lokalen Handel relevant ist. Damit haben wir im Oldenburger Münsterland die besten Trägermedien für werbliche Botschaften.
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