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Wie man Überweisungsaufträge aus dem Briefkasten holt

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – Mit einem einfachen Trick scheint es beinahe zu gelingen, anderen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen.

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Um Leute zu betrügen, vornehmlich um an das Geld der Bürgerinnen und Bürger zu kommen, gibt es bekanntlich ja die tollsten Ideen, aber oft gelingen fast selbst die einfachsten Dinge: „Tochter hatte Unfall, ist im Krankenhaus braucht Geld, Anruf von der angeblichen Polizei, Wahrsagerin Anna sagt am Telefon, was passiert, wenn ..." Ich will nicht weiter ausholen, da mir jetzt eine ganz einfache andere Methode mitgeteilt wurde, die sich mehrfach zugetragen hat und auch der Polizei gemeldet wurde, aber aus Sicht der betroffenen Bank eigentlich nicht bekannt gemacht werden sollte.

Klingt nämlich ziemlich einfach, ganz wirksam nicht, aber immerhin kaum zu glauben, dass es so etwas gibt. Zur Sache: Eine Frau füllt zu Hause eine Überweisung aus. Sie muss etwas bezahlen. Es handelt sich zwar um eine ältere Dame, die digital nicht so fit ist, aber das schafft sie schon. Sie weiß, was eine IBAN-Nummer ist und füllt den Überweisungsträger aus. Sie geht zur Bank, die ist aber schon geschlossen. Kein Problem, Überweisungsträger in den Briefkasten und fertig ist die Sache.

Am nächsten Tag bekommt die Frau von der Bank (den Namen hätten Sie sicher gerne gewusst, aber den behalte ich erst einmal für mich) einen Anruf. Die Bank erklärt der Überweiserin, die IBAN-Nummer auf der Überweisung sei mit einem Kugelschreiber durchgestrichen und durch eine neue Nummer ersetzt worden. Ob das seine Richtigkeit habe? Um Gottes Willen, nein, das habe keine Richtigkeit, worauf die Bankfrau dann meint, das habe sie sich schon gedacht, das sei nämlich bei drei anderen Kunden an dem Tag auch passiert.

Als die Kundin mir das als Gerichtsreporter erzählte, habe ich gedacht, schaust du dir mal den Briefkasten an. Gesagt getan, brachte auch nichts, ist halt ein Briefkasten. Er ist in die Wand eingelassen, Klappe, ja gut. Aber wie tief der Schacht ist, konnte ich auch nicht sehen. Mir kam der Gedanke, fällt das Papier durch bis auf den Fußboden? War auch nicht festzustellen. Gibt es vielleicht eine Sperrklappe? Wenn etwas drauf fällt, geht sie kurz nach unten auf und dann wieder zu. Das wäre doch eine Möglichkeit. Konnte mir aber keinen Reim drauf machen. Mir kamen eine Reihe von Gedanken, wie ich – bin aber kein Handwerker – das ändern würde.

"Man habe die Überweisungen wohl hoch gezogen, gefälscht und wieder hinein geworfen.“Klaus Esslinger

Ich kam zu dem Schluss, ich gehe in die Bank, um zu fragen. Die war aber wieder für Kunden zu. Ich versuchte es noch mal bei der Kundin, die mir ihre Geschichte mit ihrer Überweisung erzählt hatte und fragte noch einmal nach, was die Bankangestellte denn jetzt genau gesagt habe, was sie denn gemeint habe, wie so etwas habe passieren können und wie man das ändern wolle? Ja, sie habe gemeint, man glaube, die Überweisungen seien wohl mit einer Kneifzange herausgeholt worden. Keine normale Kneifzange, vielleicht eine mit einem längeren Stiel und einem Haken dran. Man habe die Überweisungen wohl hoch gezogen, gefälscht und wieder hinein geworfen.

So einfach, das sollte klappen, dachte ich? Ehrlich gesagt, mich hat das total überrascht. Fazit der Briefkasten-Story: Man braucht die Geldautomaten gar nicht zu sprengen, wie das ja häufig, auch im Oldenburger Münsterland, passiert. Macht Krach, fällt auf, hört und sieht vielleicht jemand. Einfacher, man geht mit einer langen Zange zur Bank, sage immer noch nicht zu welcher, angelt sich die Überweisungen heraus, füllt sie mit einer IBAN-Nummer aus und schon kommt man, wo immer man sich aufhält, zu Geld.

Gehe allerdings auch davon aus, dass das so einfach auch wiederum nicht ist, in dem geschilderten Fall gelang es ja nicht ganz, da die Angestellte die Kunden kannte und sie anrief. Ich gehe davon aus, dass die Kolumne auch von den betroffenen Bankern gelesen wird und die sich was einfallen lassen. Könnte ihnen notfalls ein paar Tipps geben.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor über: redaktion@om-medien.de.

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