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Wie die Werkstatt "CALO" Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen hilft

CALO gibt es bereits seit 30 Jahren. Dort wird gegen Vorurteile und für mehr Miteinander gekämpft.

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Eine lange gemeinsame Geschichte: Seit 3 Jahrzehnten besteht die Werkstatt CALO, 20 Jahre davon ist Andrea Müller schon mit dabei. Foto: Dickerhoff

Eine lange gemeinsame Geschichte: Seit 3 Jahrzehnten besteht die Werkstatt CALO, 20 Jahre davon ist Andrea Müller schon mit dabei. Foto: Dickerhoff

Wer die Werkstatt CALO in Cloppenburg betritt, wird anfangs gar nicht direkt zuordnen können, wer Beschäftigter und wer Mitarbeiter der Einrichtung ist. "Das ist doch eigentlich schön, oder?", findet Markus Schröer, der Betriebsleiter Produktion. 

Seit mittlerweile 30 Jahren gibt es die CALO schon. Der Name steht für "Cloppenburger Auftrags- und Lohnfertigung". Die Werkstatt, direkt neben der Sporthalle an der Leharstraße, ist ein Angebot für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, die dem Arbeitsmarkt nicht oder noch nicht zur Verfügung stehen. Eine Außenstelle gibt es auch in Friesoythe. Die Einrichtung ist den Werkstätten des Caritas-Vereins Altenoythe angegliedert.

Oft sind psychische Erkrankungen in der Arbeitswelt ein Tabuthema. Wird darüber gesprochen, dann meist in Form von Stigmatisierung. Für viele Menschen ist das Ganze zu wenig greifbar, eine Menge Halbwissen ist im Umlauf. Zugegeben: Die Thematik ist komplex, die Krankheitsbilder zu unterschiedlich. Doch genau deshalb sollte nicht verallgemeinert werden. "Es ist nicht so, dass die Betroffenen nicht arbeiten wollen. Sie brauchen dabei nur viel Unterstützung", erklärt Schröer. Und genau diese Unterstützung bietet die CALO.

Hier kommen Erwachsene mit den verschiedensten Krankheitsbildern zusammen. Ob Menschen mit chronischer Depression, Schizophrenie oder dissoziativer Identitätsstörung – in vielen Fällen finden sie in der Werkstatt eine Aufgabe, die genau ihren Fähigkeiten und Ansprüchen entspricht. In verschiedenen Gruppen finden beispielsweise Kommissionierungsarbeiten, hauswirtschaftliche Tätigkeiten oder Klein- und Industriemontagen statt. 

Neben der Werkstatt wird auch in Außengruppen gearbeitet 

Darüber hinaus wird auch immer versucht, die Beschäftigten möglichst an den ersten Arbeitsmarkt heranzuführen. So gibt es Außengruppen, die gar nicht in den Werkstätten arbeiten. Schon seit 28 Jahren kümmert sich zum Beispiel eine Gruppe der CALO um die Garten- und Landschaftspflege im Museumsdorf. Und aktuell zieht ein Trupp im Ecopark beim Fahrradhersteller Kalkhoff mit ein, um dort zu arbeiten. "Wir wollen hier keine separate Gruppe im Betrieb sein, wir wollen im Betrieb sein", gibt Schröer die Devise aus. Das sei gute Integration.

Inklusion wäre noch ein Schritt weiter, nämlich wenn die Beschäftigten einen sozialversicherungspflichtigen Job beim Betrieb selbst erhalten. Auch solche besonders positiven Fälle gibt es. Die Unternehmen seien für solche Kooperationen sehr offen, so Melanie Preuth. Sie ist die pädagogische Betriebsleitung der CALO. "Wichtig ist immer, dass es uns als Experten zur Absicherung gibt", sagt sie. Dadurch würde man den Betrieben die Unsicherheit aufgrund der mangelnden Erfahrung mit psychischen Beeinträchtigungen nehmen. Auch werden einzelne Beschäftigte als Einzelperson an Unternehmen vermittelt. 

"Wenn ich tagsüber eine vernünftige Beschäftigung habe, hilft mir das auch gesundheitlich."Melanie Preuth, pädagogische Leitung der CALO

Aber natürlich werden nicht nur die Unternehmen begleitet, sondern auch die Beschäftigten – sowohl in den eigenen Werkstätten als auch an den Außenarbeitsplätzen. Neben psychosozialer Begleitung und Beratung gibt es auch andere Angebote wie Sport, gemeinsame Unternehmungen oder Fort- und Weiterbildungen. Die feste Arbeitsstruktur gibt vielen der hier Arbeitenden Halt im Alltag, erläutert Melanie Preuth: "Wenn ich tagsüber eine vernünftige Beschäftigung habe, hilft mir das auch gesundheitlich." Auch der Aufbau sozialer Kontakte durch die Arbeit dürfe nicht unterschätzt werden.

Neben der Werkstatt selbst leiten Preuth und Schröer zwei weitere Angebote, die in eine ähnliche Richtung gehen. Mit "Plan B" gibt es in der Museumstraße ein niedrigschwelliges Zuverdienstangebot für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung. Mit DiKom wurde in Emstek ein Arbeitsangebot für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen geschaffen. Hier sollen für Menschen, die nach Schlaganfall, Unfall oder Krankheit einen Weg zurück in die Teilhabe am Leben suchen, Arbeiten und Perspektiven geschaffen werden.

Für die Freiwilligendienste finden sich kaum noch junge Menschen

Insgesamt sind etwa 135 Menschen mit psychischer Beeinträchtigung bei der CALO und den zusätzlichen Angeboten beschäftigt. Die Zahlen sind dabei immer etwas schwankend. Bis hierhin habe man die Corona-Pandemie aber gut gemeistert, sagt Markus Schröer. Dafür macht Melanie Preuth aber eine bestimmte Beobachtung: "Wir merken, dass die Beschäftigten bei uns immer jünger werden." Insofern freut sich die Einrichtung auch immer über junge Menschen, die nach ihrem Schulabschluss in die Arbeit der CALO hineinschnuppern wollen. So gibt es hier 4 Stellen für ein Freiwilliges Soziales Jahr, besetzt ist aktuell keine einzige. Interessierte sind also immer herzlich eingeladen, sich mit der Werkstatt in Verbindung zu setzen.

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