Wenn der Unteroffizier zum Corona-Test bittet
Für vier Wochen unterstützen Soldaten in Vechta den Landkreis bei der Pandemie-Bekämpfung. Wenn sie Betroffene anrufen, melden sie sich auch mit dem Dienstgrad.
Matthias Niehues | 10.11.2020
Für vier Wochen unterstützen Soldaten in Vechta den Landkreis bei der Pandemie-Bekämpfung. Wenn sie Betroffene anrufen, melden sie sich auch mit dem Dienstgrad.
Matthias Niehues | 10.11.2020

Mit Tarnanzug am Telefon: Marcus Nolte im Einsatz. Foto: M. Niehues
Tarnfarbenes Hemd mit Deutschlandflagge, der olivgrüne Rucksack liegt griffbereit in der Ecke – aber es geht nicht mit voller Montur ins Gelände, stattdessen blickt der Soldat auf einem Bildschirm, hat dabei einen Kugelschreiber in der Hand und telefoniert. Und er meldet sich bei seinem Gegenüber mit „Stabsunteroffizier Nolte“, wenn er freundlich zum Corona-Test bittet. Marcus Nolte gehört zu den insgesamt neun Soldaten der Bundeswehr, die seit Montag den Landkreis Vechta bei der Corona-Pandemiebekämpfung helfen. Sich über den Dienstgrad als Bundeswehrangehöriger zu erkennen zu geben, sei als Soldat verpflichtend, sagt er. Zusammen mit seiner Kollegin Ayline Langer gehört er dem Zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr in Leer an. Normalerweise sind solche Einheiten in der Lage, eine ganze Klinik aus Zelten zu errichten, jetzt rufen sie im Auftrag des Gesundheitsamtes Personen an, die zum Corona-Test kommen sollen. „Wir wollen gerne unterstützen“, berichtet Nolte. Er habe sich eigens bei der Führung gemeldet, um für solche Einsätze ausgewählt zu werden. Sowohl er als auch Langer mögen die Herausforderung. „Wir sind gut aufgenommen worden und werden bestens untergebracht und verpflegt“, heißt es von beiden. Von den neun Soldaten kommen drei aus dem Bundeswehrstandort Delmenhorst und drei von dem aus Leer. Die drei Sanitätssoldaten arbeiten im Testzentrum, die anderen sind direkt für das Gesundheitsamt eingesetzt. Wie Jochen Steinkamp als Sprecher des Landkreises mitteilt, arbeiten hier einige am sogenannten Symptomtelefon. Jede Person im Landkreis Vechta, die sich in Quarantäne befindet, wird während dieser Zeit zweimal nach dem Gesundheitszustand befragt. Andere Soldaten verstärken den Bereich der Quarantäneverfügungen. So erhält jeder Betroffene eine formelle Verfügung, die beispielsweise für Entschädigung beziehungsweise Verdienstausfällen wichtig ist. Zudem verstärken Bundeswehrangehörige das Bürgertelefon des Gesundheitsamtes. Insgesamt sind nach Angaben Steinkamps derzeit rund 60 Vollzeitstellen – ohne externe Kräfte – beim Landkreis Vechta in Sachen Pandemie im Einsatz. Sieben Personen davon sind in diesem Jahr neu eingestellt worden. Befristet auf zwei Jahre waren im Mai auf Grundlage eines Kreisausschuss-Beschlusses bis zu 15 Stellen bewilligt worden. Der Großteil aller Kräfte wird im Gesundheitsamt für die Verwaltung eingesetzt, also für die Ermittlung und Nachverfolgung von Kontakten infizierter Personen, für Quarantäneverfügungen, am Bürgertelefon und für die Beratung um Umsetzung von Hygienekonzepten. Extern hilft zudem eine Dame vom Bundesverwaltungsamt bei der Kontaktverfolgung. Im Kreishaus setzen viele Mitarbeiter beispielsweise im Ordnungsamt die Corona-Verordnung um, beantworten rechtliche Fragen am Bürgertelefon und führen auch gemeinsame Kontrollen mit der Polizei durch. Das Rechtsamt kommt zudem bei Bußgeldern ins Spiel. Die statistische Erfassung der Corona-Zahlen erfolgt zudem im Bauamt. Mitarbeiter aus dem Veterinäramt unterstützen das Gesundheitsamt bei der Beschaffung und Ausgabe von Schutzmaterial. Das Amt für Wirtschaftsförderung ist eingebunden, wenn es um die Antragstellung von Corona-Hilfen geht. Im Testzentrum arbeiten außerdem drei DRK-Mitarbeiter als externe Kräfte, die Abstriche vornehmen. „Neben dem Gesundheits- und dem Ordnungsamt sind auch viele weitere Ämter mit der Pandemie befasst“, erklärt Jochen Steinkamp. „Alle Aufgabenbereiche greifen sehr gut ineinander.“ Das, so betont er, liege auch daran, „dass wir jeden Mittag im Corona-Stab eine ausführliche Lagebesprechung per Videokonferenz haben, in der wir die Corona-Entwicklung analysieren“. Dies geschehe auch am Wochenende. Auch im Vechtaer Rathaus ist Corona das große Thema. Vor allem stellte sich hier die Verwaltung die Frage, wie die Maskenpflicht im Zentrum der Stadt am besten kommuniziert werden kann. „Wir wollten so viele Leute wie möglich erreichen“, erklärt Sprecher Herbert Fischer. Thematisiert werde deshalb die gemeinsame Weihnachtsfeier mit der Familie als Ziel der Maßnahme. Emotionale Bildmotive werben jetzt beispielsweise für „ein Weihnachten mit Opa“. Seit dem Wochenende stehen rund 60 Plakate in der Stadt. Erkennbar ist, dass seit der kreativen Idee mehr Menschen in der Vechtaer Innenstadt den Mund- und Nasenschutz aufsetzen. Wer das nicht mache, werde von Ordnungskräften freundlich angesprochen, sagt Fischer. Die Einsicht sei dann groß. Nur wer sich dann immer noch weigere, müsse mit einer Anzeige rechnen.
Etwa 60 Vollzeitstellen sind mit Corona beschäftigt
"Familien"-Plakate werben in Vechta für Maskenpflicht

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