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Weltrekord mit XXL-Flagge

Der aus Garthe stammende Stefan Scheper gehört zu den Fallschirmspringern, die sich den Eintrag ins Guinnessbuch zurückgeholt haben. Die Fahne ist über 6.300 Quadratmeter groß.

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Gewaltig: Wie geplant hat sich die über 6.300 Quadratmeter große Flagge im Flug entfaltet. Foto: Thomas Vorwerk

Gewaltig: Wie geplant hat sich die über 6.300 Quadratmeter große Flagge im Flug entfaltet. Foto: Thomas Vorwerk

Der Weltrekord ist zurück in Deutschland. Am Samstag hat ein Team von Fallschirmspringern in Paderborn einen Sprung mit der größten jemals im Flug präsentierten National-Flagge gemacht und sich damit für das Guinnessbuch empfohlen. 2017 war es den 7 Sportlern – darunter der aus Garthe stammende Stefan Scheper – schon einmal gelungen, den Eintrag zu holen. Ihr Rekord mit 2.607,21 Quadratmetern war aber nur von kurzer Dauer und wurde von Amerikanern ein Jahr später in Dubai übertroffen (rund 4.800 Quadratmeter).

Das soll so schnell nicht wieder passieren und deshalb wurde für den neuen Rekordversuch noch einmal eine ordentliche Schippe draufgepackt. 6.341,85 Quadratmeter Stoff – so groß wie ein Fußballfeld – sind am Samstag aus der "Pink" geworfen worden. Oben drauf der mit 8300 Sprüngen Erfahrenste aus dem „CYPRES Demo Team“,  Ralf Grabowsky. 

Springer und Ladung wiegen 373 Kilogramm

"Pink" ist der Spitzname des Flugzeugs, mit dem auch im Oldenburger Münsterland regelmäßig Fallschirmspringer in die Luft gebracht werden. Die Typenbezeichnung ist Skyvan SC7 oder wie Spötter meinen, ein Kleiderschrank mit Flügeln. Für Fallschirmspringer ist er aber besonders geeignet und erst recht, wenn große Lasten abgeworfen werden sollen. Das Paket von Samstag wog samt Springer und Fallschirm 373 Kilogramm.

Im Notfall hätte der Sprung noch um einen Tag verschoben werden können, wenn das Wetter nicht mitgespielt hätte. Es waren am Ende zwar nicht optimale Bedingungen, aber sie waren weit entfernt von Leichtsinn. "Sonst wären wir auch nicht gesprungen, denn die Sicherheit steht immer an erster Stelle", meint der 44-Jährige. Bei einem "Wettersprung" aus 2000 Metern Höhe gegen Mittag, den die Sportler aus dem norddeutschen Raum ohne ihre Ladung absolvierten, war klar, dass die angepeilte Sprungzeit von 13 Uhr nicht machbar ist. Zu viele Wolken. 

Im Kreise der Familie: Stefan Scheper hatte Frau und Kinder als moralische Unterstützung beim Weltrekord dabei. Foto: Thomas VorwerkIm Kreise der Familie: Stefan Scheper hatte Frau und Kinder als moralische Unterstützung beim Weltrekord dabei. Foto: Thomas Vorwerk

Auf dem Gelände des Flughafens Paderborn-Lippstadt konnten sich die Zuschauer die Zeit aber gut vertreiben. Es gab Live-Musik, Hüpfburgen, Bratwurst und Getränke sowie regelmäßig Wasserstandsmeldungen, wann es denn vermutlich losgehen wird. Um 15.30 Uhr hob das Frachtflugzeug aus Österreich, in dem bis zu 20 Springer Platz haben, ab. Nach wenigen Minuten war die Wolkendecke durchbrochen und für die Gäste wurde es zusehends schwerer, in den Lücken die Maschine zu verfolgen.

Um 15.45 Uhr war die angestrebte Höhe von 3000 Metern erreicht. Der erste aus dem Team verließ über die Heckklappe die Pink, um das große Ereignis zu filmen. Die Anschieber – darunter auch Scheper – gaben ihrem Kameraden Grabowsky nebst Ladung den Schwung über die Ladekante. Freier Fall war für ihn nicht geplant und so öffnete sich sein Fallschirm automatisch. Die Flagge allerdings war noch in der Verpackung und am Boden wurde gerätselt, ob man sich kurzfristig umentscheiden musste und sie vielleicht an Bord geblieben ist. 

Nationalhymne unterstreicht den feierlichen Moment

Dann einen Raunen in der Menge, als sich die über 6000 Quadratmeter entfalten und passend dazu die Nationalhymne aus den Lautsprechern schallte, was die Feierlichkeit des Moments noch einmal unterstrich. Als alle Streifen in Schwarz, Rot und Gold zu sehen waren war klar, dass der Versuch geglückt ist und ein neuer Weltrekord erreicht wurde. Für einen offiziellen Eintrag muss das Tuch allerdings neu vermessen werden und das gestaltet sich momentan noch etwas schwierig.

In 3000 Metern Höhe verlassen die Springer das Flugzeug. Der erste Sportler filmt, während Ralf Grabowsky noch auf dem Paket liegt und sich der Fallschirm automatisch öffnet. Foto: Thomas VorwerkIn 3000 Metern Höhe verlassen die Springer das Flugzeug. Der erste Sportler filmt, während Ralf Grabowsky noch auf dem Paket liegt und sich der Fallschirm automatisch öffnet. Foto: Thomas Vorwerk

Wie geplant wurde die Fracht kurz vor der Landung vom Springer abgeworfen. "Die Flagge wirkt sonst wie ein Anker und zieht den Fallschirm samt Springer direkt nach unten," berichtete der Polizist. Idealerweise hätte der Stoff auf dem Flugfeld herunterkommen sollen. Stattdessen landete er hoch in den Baumwipfeln außerhalb des Flughafengeländes. "Noch während des Steigfluges hatte sich der Wind gedreht und unser berechneter Absprungpunkt passte nicht mehr", erklärte Scheper anschließend den Verlauf. Allerdings habe man sich wie vorgesehen über unbewohntem Gebiet befunden und so ging man zu keiner Zeit ein Risiko ein. "Im Notfall hätte das Paket, das mit einem eigenen Schirm ausgerüstet war, auch abgeworfen werden können."  

Planmäßig abgeworfen hat Ralf Grabowsky die Fahne kurz vor der Landung. Foto: Thomas Vorwerk Planmäßig abgeworfen hat Ralf Grabowsky die Fahne kurz vor der Landung. Foto: Thomas Vorwerk 

Da Grabowsky unweit der Flagge gelandet ist, setzten auch drei weitere Springer an gleicher Stelle auf. "Das ist bei einer Außenladung immer so, um im Fall der Fälle sofort Hilfe leisten zu können." Die Perspektive von der Besuchertribüne aus hat das Ganze spektakulärer aussehen lassen, als es für die Routiniers war. Die in Bereitschaft stehende Feuerwehr machte sich schnell auf den Weg, um die Teammitglieder abzuholen und eine gute halbe Stunde später ließ sich die Mannschaft auf der Bühne von den Zuschauern feiern.

Die Flagge muss in den kommenden Tagen geborgen werden, um sie offiziell nach dem Sprung zu vermessen und das Ergebnis der Guinnessbuch-Redaktion mitzuteilen. Die Maße vor dem Sprung zählen nicht. Dass die exakte Größe ausreichend ist, daran hat das Springerteam keinen Zweifel und Scheper meint, dass der Aufwand, die neue Richtschnur zu überbieten, immer größer würde.

  • Vor dem Sprung wurde die Flagge vermessen und hatte eine Größe von 6.341,85 Quadratmetern.
  • Dafür wurden 4300 Meter Stoff verarbeitet und eingefärbt.
  • Zum Vernähen der einzelnen Bahnen bedurfte es 17.000 Meter Garn. 
  • Fertig gefaltet bestand das Paket aus 16.000 Lagen Stoff

Erst einmal wird nur noch zum Spaß gesprungen

Stefan Scheper, Ralf Grabowsky, Jörg Kruckenberg, Heiko Ahrens, Horst Salmen, Stefan Rommel und Sven Schillmüller saßen am Abend noch eine Weile zusammen und feierten ihren Erfolg. Neue Pläne, wie man weitere Rekorde erreichen könnte, wurden dabei allerdings nicht geschmiedet. "Unsere Familien würden uns danken, wenn wir etwas Ruhe einkehren lassen. Die letzten eineinhalb Jahre ist so manches Familienwochende geopfert worden", beschreibt Stefan Scheper die Zeitaufwand. Das nächste Jahr will der vierfache Familienvater, der sich schon über 850mal aus einem Flugzeug hat fallen lassen, nur noch zum Spaß springen. 

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