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Was, wenn ich nachts attackiert werde? Gedanken über die objektive und subjektive Sicherheit

Das Thema „Sicherheit“ ist unser Schwerpunkt beim „Tag des Lokaljournalismus“. Insbesondere Frauen fürchten sich, wenn sie nachts alleine in der Stadt unterwegs sind. Was sagt die Kriminalstatistik?

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Vechta bei Nacht. Gefühlt unsicher fühlen sich viele Frauen beim Spaziergang durch die Dunkelheit. Aber auch wenn gerade am Wochenende viele Pkw durch die City rasen, stört das Sicherheitsgefühl vieler Bürgerinnen und Bürger. Foto: M. Niehues

Vechta bei Nacht. Gefühlt unsicher fühlen sich viele Frauen beim Spaziergang durch die Dunkelheit. Aber auch wenn gerade am Wochenende viele Pkw durch die City rasen, stört das Sicherheitsgefühl vieler Bürgerinnen und Bürger. Foto: M. Niehues

Viele Frauen kennen das Gefühl: Wenn frau nachts durch dunkle Gassen geht und ihr noch dunklere Gestalten entgegenkommen, wird ihr unwohl. Die Sorge, dass etwas passieren könnte, ist groß. Gerade Frauen steigen lieber ins Taxi, statt alleine den Nachhauseweg anzutreten. Auch in Vechta gibt es beispielsweise in der Innenstadt Bereiche, die nachts nicht einladend wirken. Aber wie gefährlich ist es in der City heute? War es früher wirklich sicherer? Wie verhält es sich mit objektiver, also faktenbasierter Sicherheit und dem subjektiven Empfinden? Welche Fakten hält die Kriminalstatistik bereit?

Messer-Attacken spielen eine große Rolle in der Kriminalstatistik

Tatsache ist, dass es Schlägereien wie vor vielen Jahren, beispielsweise am Bremer Tor, nicht mehr gibt. Auch Messerstechereien im Bereich der Kneipenszene kommen heute weniger vor. Wenngleich solche sogenannten Roheitsdelikte in der Kriminalstatistik immer noch eine sehr große Rolle spielen.

Ein Blick in die Kriminalstatistik für das Jahr 2025 lohnt, um sich eine objektive Sicht auf das tatsächliche Geschehen zu verschaffen. Und hier ist der differenzierte Blick gefragt. Denn die Gesamtkriminalität in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta ist erneut gesunken, um genau 2 Prozent, bei gesteigerter Aufklärungsrate. Konkret sind das 267 Taten weniger gegenüber dem Vorjahr. Das drückt sich auch durch die sogenannte Häufigkeitszahl aus. Denn die lag pro 100.000 Einwohner bei 3902. Das ist der zweitniedrigste Stand der vergangenen 10 Jahre. Die Region gehört damit zu den sichersten in ganz Niedersachsen.

Was die Zahlen auch zeigen: Im Bereich der Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta gehen die meisten Fallzahlen mit 4427 Taten auf den Bereich der Diebstahlsdelikte zurück. Gerade erst hatte die Polizei gemeldet, dass es in Supermärkten zu Handtaschendiebstählen gekommen war. Dabei gehen Täter trickreich vor. Der eine lenkt den Kunden ab, der andere greift in die Handtasche des Einkaufswagens. So etwas kommt offensichtlich sehr häufig vor.

Immer mehr Einbruchsstraftaten im gesamten OM-Bereich

Diebstähle machen in der Kriminalstatistik einen prozentualen Anteil von rund 35 Prozent aus. Dabei sind es besonders die Wohnungseinbruchdiebstähle, die der Polizei zu schaffen machen. 214 Fälle waren es 2025, und damit 60 Fälle mehr als im Vorjahr. Das Gefühl, dass Unbekannte in das private Refugium eingedrungen sind und den intimsten Lebensraum nach Wertsachen durchwühlt haben, wiegt anschließend oft schwerer als der finanzielle Verlust.

Sicherheit und Prävention sind daher eng verbunden. Wer einige Punkte beachtet, kann es Einbrechern schwerer machen. Zudem bietet die Polizei kostenlose Beratung an, wie sich Wohnungen oder das Eigenheim besser sichern lassen. Denn die Erfahrung der Ermittler zeigt: Wenn die Täter nicht innerhalb kürzester Zeit erfolgreich sind, lassen sie von ihrem Vorhaben ab. Deshalb blieb es auch bei 78 Taten im vergangenen Jahr nur beim Versuch. Im Jahr davor waren es noch 52. Es lohnt sich also, das Präventionsangebot der Polizei in Anspruch zu nehmen.

Haus- und Wohnungseinbrüche sind ein Problem, insbesondere in der dunklen Jahreszeit: Hier ein Fall aus Bakum/ Hausstette: Meist gelangen die Täter durch die Fenster ins Haus. Moderne Fenster erschweren den Tätern das Aufhebeln. Die Polizei berät hier Hausbesitzer kostenlos, damit sich diese besser schützen können. Foto: M. NiehuesHaus- und Wohnungseinbrüche sind ein Problem, insbesondere in der dunklen Jahreszeit: Hier ein Fall aus Bakum/ Hausstette: Meist gelangen die Täter durch die Fenster ins Haus. Moderne Fenster erschweren den Tätern das Aufhebeln. Die Polizei berät hier Hausbesitzer kostenlos, damit sich diese besser schützen können. Foto: M. Niehues

Und dann gibt es noch die sogenannten Roheitsdelikte. Damit sind Straftaten gegen die persönliche Freiheit gemeint, also Raub, Körperverletzungsdelikte sowie Bedrohung und Nötigung. 2025 verzeichnete die Polizei hier 2344 Taten, 90 weniger als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote liegt bei rund 92 Prozent. Das klingt gut. Aber: Die Zahl der Messerangriffe ist deutlich gestiegen. Denn 2024 registrierte die Polizei noch 51 Taten mit dem Tatwerkzeug Messer. Aber 2025 waren es bereits 82 Fälle. Die Körperverletzungsdelikte und Bedrohungen, bei denen der Angriff mit einem Messer unmittelbar gegen eine Person angedroht oder ausgeführt wird, sieht die hiesige Polizei daher als ernstes Problem an.

Acht Fälle von sexueller Belästigung im Jahr 2025

Bleibt die Frage, ob vielleicht insbesondere Frauen nachts im Bereich der Kneipenszene Vechtas an der Großen Straße oder anderswo im Oldenburger Münsterland Grund haben, sich besonders gefährdet zu fühlen. Zumindest die Zahl der angezeigten Fälle sexueller Belästigung spricht nicht unbedingt dafür, auch wenn es einen Anstieg gab. So wurden im gesamten Oldenburger Münsterland 2024 nur zwei solcher Fälle angezeigt, 2025 waren es acht. Jeder ist sicher einer zu viel. Und doch halten sich solche Straftaten für beide Landkreise in Grenzen. Objektiv ist die Gefahr, als Frau nachts in Vechta attackiert zu werden, somit statistisch gesehen gering.


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