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Warum Suchtprävention immer wichtiger wird

Die Suchtberatungsstelle des Katholischen Vereins für soziale Dienste Vechta sieht einen zunehmenden Bedarf bei jungen Menschen. Ziel ist der Aufbau eines flächendeckenden Netzwerkes.

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Präventionsarbeit bildet einen Schwerpunkt: Die Leiterin der Suchberatungsstelle, Bettina Albrecht, und ihr Kollege Christian Caselitz haben ein besonderes Augenmerk auf junge Menschen. Bei ihren informativen Schulbesuchen kommen Hilfsmittel wie die Suchtmauer zum Einsatz. Foto: Speckmann

Präventionsarbeit bildet einen Schwerpunkt: Die Leiterin der Suchberatungsstelle, Bettina Albrecht, und ihr Kollege Christian Caselitz haben ein besonderes Augenmerk auf junge Menschen. Bei ihren informativen Schulbesuchen kommen Hilfsmittel wie die Suchtmauer zum Einsatz. Foto: Speckmann

Wenn Diplom-Pädagoge Christian Caselitz zur Beratung in die Schulen geht, darf die „Suchtmauer“ nicht fehlen. Das etwas sperrige Utensil und die dazugehörigen Karten sollen Kindern und Jugendlichen dabei helfen, das Konsumverhalten einzuschätzen. Das ist gar nicht so einfach. Die Grenzen zwischen Genuss und Abhängigkeit sind häufig fließend. Diese Erkenntnis ist ein wesentlicher Aspekt der Präventionsarbeit.

Die Besuche in den Schulen gewinnen für die Mitarbeiter der Suchtberatungsstelle des Katholischen Vereins für soziale Dienste Vechta (SkM) immer mehr an Bedeutung. Frühzeitige Präventionsangebote sind wichtig, ebenso wie Multiplikatorenschulungen und Kooperationen mit anderen Institutionen. Hier werden bereits bestehende Kontakte intensiviert und zusätzliche Projekte geschaffen.

Die Notwendigkeit solcher Angebote macht Einrichtungsleiterin Bettina Albrecht nicht zuletzt an der Entwicklung der vergangenen Jahre fest. Der Konsum von psychoaktiven Substanzen, wie etwa Alkohol und Drogen, sei zwar rückläufig, sagt sie, doch die Anzahl der Rat suchenden Jugendlichen habe zugenommen. Im Berichtsjahr 2021 seien 119 von 525 Klienten unter 20 Jahren, davon 19 Personen noch keine 16 Jahre alt.

Berater widmen sich verstärkt dem Medienkonsum

„Dass sich Betroffene fast noch im Kindesalter an die Beratungsstelle wenden, wäre früher unvorstellbar gewesen“, erklärt Albrecht, die seit mehr als 30 Jahren in der Suchtberatung tätig ist. Die zunehmende Nachfrage bestärkt die Sozialpädagogin und ihre Kollegen darin, möglichst früh mit Information und Aufklärung anzusetzen. Die Thematisierung des Konsumverhaltens beginnt inzwischen schon in Kindertagesstätten und Grundschulen.

Aufgrund des vielfachen Wunsches aus der Elternschaft widmet sich die kreisweit tätige Einrichtung verstärkt dem Medienkonsum. Hier startet die Präventionsarbeit in der dritten und vierten Klasse. In der sechsten Klasse wird dann erneut das Gespräch mit den Schülern gesucht. Dieser wiederkehrende Kontakt ist für die Suchtberater auch deshalb wichtig, damit sich ihr Gesichter bei den Heranwachsenden einprägt und Vertrauen entsteht.

Trotz der pandemiebedingten Einschränkungen ist der Kontakt zu den Schulen nicht abgerissen. Aktivitäten in Präsenz sind längst wieder möglich. Damit steht auch dem Projekt „Joint Jumper“ nichts im Wege, das mit mehreren Kooperationspartnern und finanzieller Unterstützung des Landkreises Vechta erstmals in diesem Schuljahr für Siebt- und Achtklässler angeboten wird. „Hier geht es darum, den Cannabis-Konsums zu enttabuisieren“, sagt Caselitz.

„Unser Ziel ist, dass die Schüler uns mehrfach in der Schullaufbahn zu sehen bekommen und wir die Lehrer gezielt durch Multiplikatorenschulungen erreichen.“Christian Caselitz, Präventionsfachkraft

Die Präventionsfachkraft verstärkt seit 2,5 Jahren das fünfköpfige Beratungsteam und will dazu beitragen, ein flächendeckendes Präventionsnetzwerk mit den Schulen aufzubauen, und zwar von der Grundschule bis zur Berufsschule. „Unser Ziel ist, dass die Schüler uns mehrfach in der Schullaufbahn zu sehen bekommen und wir die Lehrer gezielt durch Multiplikatorenschulungen erreichen.“

Die Arbeit mit Multiplikatoren sei in den vergangenen Jahren intensiviert worden, ergänzt Albrecht. Pädagogen, Erzieher und Sozialarbeiter müssten weiter für das Thema "Sucht" sensibilisiert werden. Hilfreich sei hier nicht nur der Austausch mit Schulen und Kitas, sondern auch der Kontakt zu Jugend- und Wohngruppen, zu Tagespflegen oder etwa die Zusammenarbeit mit der Clemens-August-Klinik in Neuenkirchen.

Auch die Angebote für Eltern und Angehörige sollen ausgebaut werden. Im November gibt es einen weiteren Informationsabend über Medienkonsum, der gerade in Familien ein großes Thema ist. Um junge Leute zu erreichen, gehen die Suchtberater sogar in Betriebe. Mit einem Unternehmen aus dem Kreis Vechta sei jetzt ein Präventionsangebot für die Auszubildenden vereinbart worden, berichtet Albrecht.

Neue Selbsthilfegruppe für junge Menschen im Aufbau

Neben der persönlichen Beratung stellt die Einrichtung auch ihre Räumlichkeiten für Selbsthilfe zur Verfügung. Neben einer bereits bestehenden Gruppe befindet sich aktuell eine weitere Runde im Aufbau, die sich speziell an junge und junggebliebene Menschen richtet. Hier bietet sich – losgelöst von der professionellen Begleitung – die Gelegenheit zum Austausch über Suchtprobleme.

So wie sich das Konsumverhalten wandelt und immer wieder neuen Trends unterliegt, muss sich auch die Beratungsstelle auf Veränderungen einstellen. Dazu braucht es eventuell mehr digitale Angebote. Die digitalen Elternabende in der Pandemie sind sehr gut angenommen worden. Auch die Online-Beratung ist gefragt. Sie könnte in Zukunft von wachsender Bedeutung sein, auch um den Erstkontakt noch niedrigschwelliger zu gestalten.

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