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Waffen, Diversität und 5000 Euro Arztkosten: Was Gymnasiasten aus Lohne beim USA-Austausch erlebten

Seit mehr als 40 Jahren pflegt das Gymnasium Lohne eine Partnerschaft mit der Grand Ledge Highschool im US-Bundesstaat Michigan. Nach der Corona-Zwangspause ging es jetzt wieder los.

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Auf Entdeckungstour in einem beeindruckenden Land: Auf dem Programm standen für die Schülergruppe aus Lohne neben der Teilnahme am Unterricht auch das Eintauchen in das typische Highschool-Leben und diverse Ausflüge. Foto: privat

Auf Entdeckungstour in einem beeindruckenden Land: Auf dem Programm standen für die Schülergruppe aus Lohne neben der Teilnahme am Unterricht auch das Eintauchen in das typische Highschool-Leben und diverse Ausflüge. Foto: privat

Fremde Kulturen kennenlernen, Sprachkenntnisse verbessern und den eigenen Horizont erweitern: Dies sind nur ein paar der Gründe, die für einen Schüleraustausch sprechen. Das Gymnasium Lohne pflegt diese Form des interkulturellen Dialogs unter anderem mit der Grand Ledge Highschool im US-Bundesstaat Michigan.

Die Partnerschaft existiert seit 1981. In den vergangenen 4 Jahrzehnten haben nach Angaben von Britta Kühling, am Gymnasium für die Koordination und Planung zuständig, knapp 500 junge Menschen an einem USA-Austausch teilgenommen. Kühling sagt: "Wir als Schule sind sehr stolz auf diese langjährige enge Beziehung zu unserer Partnerschule und es freut uns sehr, dass aus den vielen Begegnungen im Rahmen des Austauschs etliche Freundschaften entstanden sind, die über Jahre oder sogar Jahrzehnte fortbestehen."

Nach der Corona-Zwangspause war nun jüngst wieder eine Gruppe aus Lohne zu Besuch im "The Great Lakes State". Die Lehrer Jorma Forman und Christine Müller begleiteten die 12 Gymnasiasten während ihrer 14-tägigen Reise. Auf dem Programm stand neben der Teilnahme am Unterricht auch das Eintauchen in das typische Highschool-Leben inklusive des Besuchs eines Footballspiels. Diverse Ausflüge, unter anderem in die US-Hauptstadt Washington, und andere Aktivitäten ergänzten den Trip.

In Grand Ledge ist eine Straße nach Lohne benannt

Laut Kühling überschattete ein trauriges Ereignis den Austausch 2022: Wenige Wochen vor der Ankunft der Lohner Gruppe verstarb Grand Ledges Bürgermeister Thomas Sowle. Er wurde 67 Jahre alt. Sowle galt als großer Unterstützer und Förderer des Schüleraustauschs und der Freundschaft zwischen den beiden Städten. 2019 begleitete er die Abordnung aus Grand Ledge nach Deutschland und übergab an den damaligen Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer symbolisch ein Straßenschild – denn zu Ehren der langjährigen Partnerschaft wurde eine Straße nach Lohne benannt.

Aber welche Impressionen nahmen die Schüler selbst von dem USA-Austausch mit? OM-Medien hat drei Gymnasiasten nach ihren Erlebnissen und Erfahrungen in Grand Ledge befragt.

Bitte recht freundlich: Die Gymnasiasten, ihre Gastschüler und Lehrer machten natürlich auch ein Erinnerungsfoto am Lohne Drive in der Nähe der Highschool von Grand Ledge. Foto: Gymnasium LohneBitte recht freundlich: Die Gymnasiasten, ihre Gastschüler und Lehrer machten natürlich auch ein Erinnerungsfoto am "Lohne Drive" in der Nähe der Highschool von Grand Ledge. Foto: Gymnasium Lohne

Was bei Shirin Sendur besonders hängengeblieben ist, waren die Freundlichkeit und Offenheit, mit der sie empfangen wurde. "Man hat gemerkt: 'Du bist keine Last!'", sagt die 18-Jährige, die die 12. Klasse besucht. Das sei zunächst ihre größte Sorge gewesen. Schnell habe sie gemerkt, sagt die Dinklagerin, dass ihre Familie ihr neue Dinge zeigen wollte, zum Beispiel verschiedene Restaurants in der Stadt, ein Footballspiel und die "Windy City" Chicago.

Aufgefallen war ihr auch, wie locker die Schüler und Lehrer in der Schule miteinander umgehen. In Deutschland sei der Umgang förmlicher, meint sie. In den USA agierten Schüler und Lehrer auf einer Ebene.

Dazu hat Sendur schmerzhaft das US-Gesundheitssystem kennengelernt. Während des Aufenthalts verletzte sie sich am Finger und musste im Krankenhaus behandelt werden. Dort wurde sie zunächst fälschlich als arbeitslose amerikanische Frau registriert: Ihre Behandlungskosten beliefen sich auf 5000 Euro. Die amerikanischen und deutschen Lehrer setzten sich für sie ein. Die Kosten lagen schließlich bei 250 Euro.

"Es ist wirklich ein Mix an Kulturen."Shirin Sendur, Schülerin des Gymnasiums Lohne

Der wohl größte Unterschied zu Deutschland war für Sendur aber die Diversität. "Es ist wirklich ein Mix an Kulturen", erinnert sich die Dinklagerin. Das merke man schon beim Make-up. Sendur berichtet, dass sie eine Freundin mit dunklerer Haut hat. In Deutschland musste sie extra in eine Großstadt fahren, um eine passende Foundation kaufen zu können. "In Dinklage oder Lohne gab es so etwas nicht."

Mina Boekhoven hat das US-Schulsystem imponiert. "Das ist soviel besser als bei uns", sagt die 17-Jährige. Besonders begeisterte sie die Vielfalt der Fächer – selbst Mathematik war in verschiedene Bereiche aufgeteilt. Die Zwölftklässlerin probierte sich in Metalldesign aus und stellte selbst Ringe her. Was Boekhoven ebenfalls gefiel: Es gibt in den USA keine mündlichen Noten und die Tests, meist Multiple Choice, können die Schüler so oft wiederholen, bis sich die Note verbessert.

Das Vereinswesen ist in den USA wenig ausgeprägt

Ein mulmiges Gefühl bereitete der Gymnasiastin der Gedanke an einen Amoklauf. "Ich hatte zwischendurch ein bisschen Angst, weil in Michigan oft Anschläge sind, aber wir waren auf einer sehr sicheren Schule“, sagt Boekhoven. Dazu trugen auch die strikten Regeln bei. Die Türen waren außerhalb der Pausen verschlossen. Wer zu spät kam, musste am Klassenzimmer klingeln und warten, bis er hereingelassen wurde, erläutert sie. 

Für Maarten Brümmer war die enge Verzahnung zwischen Schule und Freizeit auffällig. "Die Freizeit dreht sich in den USA um die Schule", erklärt der 18-Jährige. Das Vereinswesen ist in den Vereinigten Staaten kaum ausgeprägt. Jede Schule hat eigene Sportteams und andere Angebote. "Die Wochenenden nutzen die Schüler dann meist, um zu arbeiten." Richtige Partys gibt es laut Brümmer nicht.

Richtig gefeiert wird erst im College, sagt der Lohner. Das habe er selbst miterlebt. Am Elterntag des Bruders von Brümmers Austauschschülerin besuchte die Familie ihn in seinem College – und nahm an einer Fraternity-Party teil. "Das war wie im Film", meint Brümmer.

So etwas wie den Tüv gibt es in den USA nicht

Aber auch seine weiteren Aktivitäten waren "typisch amerikanisch". Mit dem Bruder seiner Austauschschülerin sei er Dirtbike gefahren und habe mit einer Waffe geschossen. Seine Austauschschülerin selbst sei autobegeistert und baue einen Oldtimer um, berichtet er.

In den USA sei viel mehr Kreativität möglich, denn so etwas wie den Tüv gebe es dort nicht. "Dementsprechend sehen die Autos dann aus", sagt Brümmer lachend. Für einen Führerschein seien nur 50 Fahrstunden mit den Eltern und eine Prüfung nötig – und das ab 16.

Michigan wird auch The Great Lakes State genannt. Foto: privatMichigan wird auch "The Great Lakes State" genannt. Foto: privat

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