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Visbeker Kameraden sind erfolgreich "auf Sendung"

Feuerwehr mal anders: Für Schulungen und Dienstabende weichen die Mitglieder coronabedingt aufs Videokonferieren aus. Das persönliche Miteinander ersetzt dies aber nicht, wissen die Initiatoren.

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Die Herren vom Regiepult: Der stellvertretende Ortsbrandmeister Sven Oesten (links) und Gruppenführer Jens Kühling sorgen mit dafür, dass die Kameraden auch während der Corona-Krise mit Unterricht versorgt werden. Foto: Ferber

Die Herren vom Regiepult: Der stellvertretende Ortsbrandmeister Sven Oesten (links) und Gruppenführer Jens Kühling sorgen mit dafür, dass die Kameraden auch während der Corona-Krise mit Unterricht versorgt werden. Foto: Ferber

Premiere geglückt: Den ersten Online-Dienstabend live aus dem Feuerwehrhaus – Thema: Einweisung ins Löschgruppenfahrzeug 20 (LF 20) und Gerätekunde – haben die Visbeker Kameraden in dieser Woche erfolgreich über den "Sender" gebracht. "Nur einmal haben wir zwischendurch den falschen Knopf gedrückt und uns selber aus dem System rausgekegelt", berichtet Gruppenführer Jens Kühling augenzwinkernd.

System vom Förderverein Haus St. Benedikt

"Wir", das sind er und "Regisseur" Sven Oesten. Ein eingespieltes Team an Reglern und Mikro, das hauptverantwortlich dafür ist, dass man sich bei der Freiwilligen Feuerwehr Visbek von der Corona-Krise, in der Präsenzunterricht momentan unmöglich ist, schulungstechnisch nicht ausbremsen lässt. Dabei können die Kameraden auf das Videokonferenzsystem zurückgreifen, das ihnen vom Förderverein Haus St. Benedikt Visbek zur Verfügung gestellt wird. Dort hatte man die vor allem mit Spenden finanzierte Anlage im Februar 2019 angeschafft, vorrangig, um für die Bewohner des Alten- und Pflegeheimes Haus St. Benedikt Gottesdienste aus der Pfarrkirche zu übertragen (St.-Vitus-TV).

Für die Zwecke der Feuerwehr Visbek wird im Gegensatz zur stationären aber die mobile Variante eingesetzt, deren Equipment wie Kamera, Stativ und Regiepult sich praktisch überall mit hinnehmen und aufbauen lässt. "Es ist so gewollt, dass die Vereine in Visbek das nutzen dürfen und sollen", erklärt Jens Kühling, der wie seine Kollegen bei Fragen und Problemen auf den technischen Support seines Bruders, Administrator Christian Kühling, zählen kann. Bei ihm ist das tragbare System ansonsten deponiert.

Auftritt Heinrich Hermes: Das Mitglied aus dem Team Gerätewarte erklärt beim Online-Dienstabend die Ausrüstung. Foto: KühlingAuftritt Heinrich Hermes: Das Mitglied aus dem Team Gerätewarte erklärt beim Online-Dienstabend die Ausrüstung. Foto: Kühling

Zugang erhalten die Feuerwehrleute – je nach Berechtigung – entweder über einen direkten Account (zur weiteren Sicherheit und Eingrenzung des Einwählkreises ist dies auch nur nach expliziter Einladung in den "Raum" durch den Admin möglich) oder einen Link, der ihnen zugeschickt wird. Wer während des Livestreams dann zu Hause am Tablet, Laptop oder Smartphone eine Frage hat, muss (noch) die Hand heben oder winken. Sven Oesten, stellvertretender Ortsbrandmeister, hat dies am Bildschirm im Feuerwehrhaus im Blick und gibt seinerseits Jens Kühling oder demjenigen, der gerade vorträgt, ein Zeichen. Insgesamt, berichtet Fachmann Christian Kühling, können bis zu 61 Personen live mit Bild dargestellt werden, an einer Konferenz aktuell in Summe bis zu maximal 500 Besucher teilnehmen.

Die Resonanz auf die bisherigen anderen Unterrichtseinheiten – erste Testläufe begannen im vergangenen Frühjahr – gibt Sven Oestens und Jens Kühlings Engagement recht. Die Abdeckung lag ihren Angaben zufolge bei rund 80 Prozent. "Alle, die daran teilgenommen haben, haben gesagt ,Daumen hoch!'". Aber: "Es ersetzt nicht das Face to Face, das Präsente, die menschliche Reaktion, auch nicht das Miteinander", betonen die beiden Feuerwehrleute. Die Sitzungen werden auf etwa eine Dreiviertelstunde Dauer begrenzt – "weil danach der Kopf dicht ist. Irgendwann ist das ,Brain zu'", weiß das Duo.

Die Themen, die bei den jeweiligen Liveübertragungen – die sich auch aufnehmen und später ansehen lassen – präsentiert wurden und werden, sind vielfältig – von Knotenkunde über Funk, Pflege einer Motorsäge, Atemschutzunterweisung bis zur Auffrischung der Antworten bei Fragen wie "Was mache ich, wenn es im Moor brennt?", "Wie bediene ich noch mal eine Pumpe?" oder "Was liegt in welchem Fach im Fahrzeug?". Mit den zuständigen Gruppenführern würden die jeweiligen Unterrichtsinhalte abgestimmt. "Es ist sehr wichtig, dass die Leute am Ball bleiben. Falls etwas Großes kommt und keiner mehr weiß, wie was funktioniert", unterstreicht Sven Oesten.

Was macht die Community? Sven Oesten hat im Blick, wenn draußen eine Frage auftaucht. Foto: KühlingWas macht die Community? Sven Oesten hat im Blick, wenn draußen eine Frage auftaucht. Foto: Kühling

Die Form der (freiwilligen) digitalen Schulung wolle man auf jeden Fall weiterführen, erklärt Visbeks Gruppenführer Jens Kühling, der auch Oberbrandmeister der Berufsfeuerwehr Oldenburg und Leiter der dortigen Höhenrettungstruppe ist. Im zweiwöchigen Rhythmus sollen  weitere Dienstabende – coronabedingt momentan als Präsenzveranstaltung ebenfalls nicht durchführbar – folgen. "Beim nächsten Mal haben wir einen Vortrag über Aufzüge. Ein Mitglied von uns ist bei der Dekra beschäftigt und wird uns berichten, was zu tun ist, wenn ein Aufzug versagt und feststeckt."

Bingo und "Stadt, Land, Fluss" beim Jahresabschluss

Doch wenn die Sirene losgeht oder der Pieper anschlägt, geht es um Praxis statt Theorie. Um hier coronakonform zu handeln und bei einer Infektion im Team möglichst nicht komplett handlungsunfähig zu sein, ist die ganze aktive Wehr in 2 Löschgruppen aufgeteilt. Deren Besetzung bleibt immer gleich, wird nicht gemischt und benutzt jeweils die gleichen Fahrzeuge, erläutert Sven Oesten. Ein Mund-Nasen-Schutz gehöre überdies mittlerweile zu jeder persönlichen Schutzausrüstung dazu.

Übrigens: Vor dem Online-Dienstabend – bei dem laut Jens Kühling 34 Kameraden zugeschaltet waren – wurde die digitale Übertragungsplattform in der Woche zuvor auch für den gemeinsamen Jahresabschluss mit 42 "Anwesenden" genutzt. Dabei ging es offenbar mit Online-Bingo, einer feuerwehrspezifischen Version von "Stadt, Land, Fluss" und "ein paar warmen Worten" von Ortsbrandmeister Sascha Stelmaszyk unterhaltsam-besinnlich zu.

Laut Experte Christian Kühling, der beim Hersteller tätig ist und daher beruflich viel mit der verwendeten Übertragungstechnik zu tun hat, wird das System auch von der Gemeinde Visbek, von der Stadt Dinklage und Vechta, dem Landkreis sowie von der Freiwilligen Feuerwehr der Kreisstadt eingesetzt und für die jeweiligen Zwecke adaptiert. Im Südkreis, in Damme, denke man gerade über einen Start nach, so Kühling.

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