Verkauft wird online, gearbeitet zu Hause
Krankenhäuser sind auf schwere Corona-Erkrankungen vorbereitet. Aloys Muhle spricht von Momentaufnahme.
Roland Kühn | 17.03.2020
Krankenhäuser sind auf schwere Corona-Erkrankungen vorbereitet. Aloys Muhle spricht von Momentaufnahme.
Roland Kühn | 17.03.2020

Der Kundenhinweis im Fenster endet mit dem Satz: „Geben Sie auf sich acht!“: Der Energie- und Telekommunikationsdienstleister EWE hat bereits seit gestern – wie hier an der Großen Straße in Vechta – 48 Shops in Norddeutschland geschlossen. Foto: Kühn
Das Leben im Kreis wird mit dem heutigen Tag völlig auf den Kopf gestellt. Durch den seit heute gültigen Erlass des Landes Niedersachsen, bestimmte Geschäfte geschlossen zu halten, wird das öffentliche Leben weitgehend still stehen. Um menschliche Kontakte und damit die Weitergabe des Coronavirus weitgehend zu verhindern, sollen die Menschen zwar noch ihrer Arbeit nachgehen dürfen, aber ansonsten möglichst Zuhause bleiben. Die Krankenhäuser im Kreis fühlen sich nach Aussage von Aloys Muhle, Geschäftsführer des Marienhospitals in Vechta, derzeit noch relativ gut auf schwere Coronavirusfälle vorbereitet. Grundsätzlich aber müsse man bei Fragen, ob die Kapazitäten in Punkto Beatmungstechnik ausreichten, beachten, dass „jederzeit Patienten auch ohne Infektion mit dem Coronavirus in einem beatmungspflichtigen Zustand ins Krankenhaus kommen können“. Die jetzige Situation sei daher lediglich eine Momentaufnahme. So könne man beispielsweise in den Krankenhäusern Lohne und Vechta „aktuell vier Patienten unter Isolationsbedingungen beatmen. Diese Zahl ist deutlich steigerungsfähig, wenn es die Situation erfordert“, erklärt Muhle. Die absolute Zahl an Beatmungsgeräten sei an die allgemeine Situation gekoppelt. „Für die Beatmung von Erwachsenen stehen uns momentan sechs Geräte zur Verfügung, in Lohne vier. Es bleibt jedoch zu beachten, dass gegebenenfalls auch Narkosegeräte für eine Beatmung genutzt werden können.“ Die Anzahl von Patienten, die beatmet werden könnten, könnte also deutlich höher sein. Unternehmen und Verwaltungen gehen jetzt vermehrt dazu über, ihre Belegschaften zu teilen. Während die eine Hälfte arbeitet, bleibt die andere Zuhause und erledigt – falls möglich – Arbeiten von dort aus. Die Stadtverwaltung in Vechta hat dieses Modell gewählt, um insbesondere das eigene Wasserwerk funktionsfähig zu halten, die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Das Auktionsteam des Oldenburger Pferdezuchtverbandes mit Sitz in Vechta reagiert auf die Corona-Pandemie mit einer Versteigerung über das Internet. Die 92. Frühjahrs Elite-Auktion mit der Oldenburger Sattelkörung wird als Online-Elite-Auktion stattfinden. Unterdessen hat die Stadt Lohne die 16. Auflage der Lohner Kulturtage auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Die Veranstaltungsreihe soll so schnell wie möglich nachgeholt werden. Angesichts von Hamsterkäufen in den örtlichen Lebensmitteldiscountern gab es zuletzt Einkaufsbeschränkungen für die Kunden. Bei Edeka Runnebom in Vechta fanden sich zum Beispiel Hinweisschilder an den Regalen, die die Abgabe bestimmter Artikel beschränkten. Aber auch angesichts manch eines leer geräumten Regals versichern etwa Rewe, Aldi und Lidl, dass die Märkte geöffnet bleiben. Grundsätzliche Lieferengpässe gebe es nicht. Auf Grundlage des ab heute gültigen Landeserlasses werden alle Lebensmittelhändler auch weiterhin geöffnet haben. Das Modehaus Leffers reagierte mit einem Lieferservice auf das Ausbleiben der Kunden im Geschäft. „Seit Ende Februar“ wäre kaum noch jemand in den Laden gekommen, berichtet Maren Lohoff aus der Geschäftsleitung. Das Personal hat sie deshalb inzwischen auf ein Minimum reduziert. Auch wenn das Geschäft jetzt geschlossen bleibt, will man Stammkäufern mit Kundenkarte weiter ermöglichen, eine Kleidungsauswahl zu bestellen, die Leffers dann bis ins Haus bringt. Man wolle so weit wie möglich das normale Geschäft aufrecht erhalten, erklärt Lohoff. Man agiere jetzt fast schon als Online-Handel schmunzelt sie. Gerade die älteren Kunden in den Alten- und Pflegeheimen der Stadt nutzen gerne diese Möglichkeit. Bereits seit gestern sind alle 48 EWE- und osnatel-Shops im Norden Deutschlands geschlossen, so auch der Shop in der Großen Straße in Vechta. Der Direktvertrieb bei den Kunden vor Ort ist laut Mitteilung des Energie- und Telekommunikationsdienstleisters mit Sitz in Oldenburg ebenfalls eingestellt. Der Kundenservice wird über den Internetauftritt und telefonisch abgewickelt. Die Energie- wie auch die Telekommunikationsversorgung seien weiter uneingeschränkt gewährleistet, erklärt Unternehmenssprecher Mathias Radowski. Der Kreisverband Vechta der Jungen Union bietet einen Einkaufsdienst für ältere Menschen an. Lieferwünsche werden von den Mitgliedern unter der heute ab 17 Uhr frei geschalteten Telefonnummer 04441/92290 entgegengenommen.
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