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Vechtaer spüren Hauch von Stoppelmarkt

Die Orchester treffen bei ihren Konzerten auf der Westerheide und in der Innenstadt auf ein dankbares Publikum. Bürgermeister Kristian Kater mahnt zur Vorsicht.

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Ausflug auf Rädern: Der Musikverein Oythe steuerte zuerst die Waldhornstraße an und überbrachte Alexander Bartz ein Ständchen. Dazu gab es Glückwünsche zum Geburtstag. Foto: Speckmann

Ausflug auf Rädern: Der Musikverein Oythe steuerte zuerst die Waldhornstraße an und überbrachte Alexander Bartz ein Ständchen. Dazu gab es Glückwünsche zum Geburtstag. Foto: Speckmann

Den Umzug mit Zehntausenden Zuschauern gab es nicht, aber ein Hauch von Stoppelmarkt war zu spüren. Gleich an mehreren Orten in Vechta keimte am Donnerstagabend Volksfeststimmung auf. Menschen trafen sich in Biergärten, Orchester spielten auf und auch entlang der traditionellen Strecke in der Innenstadt gab es neugierige Gesichter.

Als der Musikverein Oythe am Donnerstagabend vor der Tür steht, ist die Trauer über die Absage des Volksfestes fast vergessen. Hausherr Alexander Bartz freut sich über den Besuch der Spielleute, und auch seine Frau Cindy sowie die beiden musikbegeisterten Kinder Jonathan und Leon sind aus dem Häuschen. „Ein bisschen Stoppelmarkt auf die Terrasse zu holen, ist doch etwas Schönes“, sagt der Familienvater. Dass das Gratis-Konzert zufällig an seinen 36. Geburtstag stattfindet, ist den Gästen eine Zugabe wert.

Alexander Bartz ist einer von drei glücklichen Gewinnern, die an der Aktion des Musikvereins Oythe teilnahmen. Mehrere Dutzend Vechtaer hatten sich für das Stoppelmarkt-Ständchen vor der eigenen Haustür beworben. Sogar aus Lohne, Märschendorf und Lüsche kamen die Anfragen, wie Trompeter Johannes Hörnemann berichtete: „Wir haben ein sehr positives Feedback bekommen. Das Los musste dann entscheiden.“

Gartenkonzert in der Sperlingstraße: Der Musikverein Oythe überraschte hier das Nachbarschaftstreffen mit einem Auftritt. Foto: M. NiehuesGartenkonzert in der Sperlingstraße: Der Musikverein Oythe überraschte hier das Nachbarschaftstreffen mit einem Auftritt. Foto: M. Niehues

„Vielen Freunden des Stoppelmarktes fehlt der Umzug und die Stimmung. Deshalb schnappen wir uns die Fahrräder, machen Musik und sorgen damit hoffentlich für gute Laune“, erläuterte Vorsitzender Heinrich Windhaus die Zielsetzung. Schließlich sattelten am Donnerstagabend etwa 25 Mitglieder die Drahtesel. Sie besuchten zuerst die Familie Bartz und beehrten dann Nachbarschaften an der Sperlingstraße und am Birkhahnweg.

Natürlich wäre es etwas anderes gewesen, mit dem großen Wagen durch die Innenstadt zu ziehen, aber die kleinen Platzkonzerte bereiten den Spielleuten sichtlich Freude. „Das Gute ist, dass wir in den letzten Wochen die Ständchen bei den Seniorenheimen gegeben haben. Somit sind wir gar nicht erst aus der Übung gekommen“, stellte Hörnemann zufrieden fest.

Auch das Kolpingorchester Vechta legte sich am Donnerstag ins Zeug. Die Mitglieder konnten zwar nicht wie gewohnt den Festumzug anführen und anschließend am Amtmannsbult die offizielle Markteröffnung begleiten, aber ihr Weg sollte dennoch zur Westerheide führen. Sie packten ihre Instrumente auf dem Hof Oldehus aus, wo sich nach dem verhaltenen Besuch der letzten Tage nun die Tische und Bänke füllen sollten.

„Für uns stellte sich gar nicht groß die Frage, wo wir an diesem Abend spielen, denn wir wären sowieso hier auf dem Stoppelmarkt gewesen“, erklärte Vorsitzende Claudia Hempelmann. Das Orchester sei schon seit einigen Wochen auf dem Anwesen der Familie Oldehus zu Gast, weil es hier ausreichend Platz habe, um unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln zu proben. Mit dem Konzert unterstrichen die Musiker ihre Verbundenheit zum Stoppelmarkt.

Konzert unter freiem Himmel: Das Kolpingorchester Vechta spielte am Donnerstagabend auf dem Hof Oldehus. Foto: M. Niehues
Umzugsersatz: Jürgen Tapke-Jost fuhr mit Trecker, Planwagen und Nachbarn vom Stoppelmarkt durch die Stadt. Foto: M. Niehues
Sind trotz Ausfall des Festes bestens gelaunt: Heidi und Jürgen Dartsch vom Lattweg feiern auch dieses Jahr Stoppelmarkt. Foto: M. Niehues
Familie Varnhorn und Freunde treffen sich wie jedes Jahr im eigenen Garten an der Umzugsstrecke des Stoppelmarktes am Kreuzweg. Foto: M. Niehues
Tradition verpflichtet: Zum Umzug trifft sich bei Böckmann am Kreuzweg immer die Radlertruppe Flotte Pedale – auch dieses Jahr. Foto: M. Niehues

Bereits am frühen Abend hatten entlang der traditionellen Umzugsstrecke einige Menschen Ausschau gehalten, ob sich auf der Straße etwas tut. Bei Böckmanns am Kreuzweg traf sich – wie jedes Jahr - die Radfahrergruppe „Flotte Pedale“. Auch in der Nachbarschaft, etwa auf dem Anwesen der Familie Varnhorn, hatten sich einige Stoppelmarkt–Fans eingefunden.

Zu sehen gab es allerdings wenig. Eine Gruppe rauschte mit einem historischen Traktor auf dem Weg zur Westerheide vorbei. Der Verein Reisender Schausteller Vechta hatte von seinen Plänen Abstand genommen, mit einem Wagen durch die Innenstadt zu fahren und Kamelle zu verteilen.

Die Vereinigung der Stoppelmarkt-Wirte hatte Plätze bei Oldehus reserviert. Die Stimmung in der Runde war verhalten. „Wir hoffen, dass es nur einmal so ist“, kommentierte der Vorsitzende Ludger Emken die Absage des Volksfestes. Das Miteinander wollten die Wirte dennoch pflegen, und auch ihren Umzugswagen hatten sie auf dem Hof aufgebaut.

Die große Verbundenheit zum Stoppelmarkt war am obligatorischen Eröffnungstag vielerorts zu spüren. Während viele Vechtaer den Trubel auf der Westerheide vermissen und alternative Feiern in den Gastronomiebetrieben oder im eigenen Garten planen, gibt es aber auch Menschen, die sich schlichtweg mit der Situation abfinden. „Wenn es heißt, es ist kein Stoppelmarkt, dann ist kein Stoppelmarkt. Den kann ich auch nicht irgendwo in einer Gaststätte oder privat oder sonst wo feiern“, meinte Heiner Lamping in einer Umfrage.

Bürgermeister Kater weist Kritik an geplanten Kontrollen zurück

Bürgermeister Kristian Kater appellierte an die Vernunft der Bürger: „Geselligkeit zu genießen und Freude zu erleben, das ist nicht verboten. Aber alles im Bewusstsein der geltenden Corona-Regeln. Maßnahmen wie Abstand, Maske tragen und auch der Verzicht auf größere Veranstaltungen sind das Gebot der Stunde. Das gilt insbesondere auch in den nun folgenden Tagen, an denen wir normalerweise gemeinsam Stoppelmarkt gefeiert hätten“, erklärte er.

Kater wies Kritik an den angekündigten Kontrollen im öffentlichen Raum zurück. Landkreis, Polizei und Stadt wollten dafür Sorge tragen, dass die Verbreitung des Virus verhindert wird. Das habe nach wie vor Priorität – insbesondere vor dem Hintergrund der steigenden Infektionszahlen in Deutschland und auch in Vechta. „Nur wer gegen die bekannten Vorgaben verstößt, muss ein Bußgeld befürchten. Wer feiern möchte, kann und soll dies unter Einhaltung der Regeln des Infektionsschutzes tun.“

Die Stadt habe schon vor Monaten angekündigt, dass auf dem Stoppelmarkt-Gelände nichts stattfinden wird und sich dennoch mit verschiedenen Szenarien auseinandergesetzt, wie die betroffenen Schausteller, Wirte und Veranstalter unterstützt werden könnten. Die Möglichkeiten seien aber allesamt verworfen beziehungsweise untersagt worden, weil der Infektionsschutz nicht hinlänglich gewährleistet werden konnte oder Interessenten ihre Vorhaben zurückgezogen hätten. Das Tor der Schausteller auf der Westerheide sollte wieder abgebaut werden, weil es Indizien gegeben habe, dass dies Menschen als Einladung verstehen würden. „Auch dies war ein Ergebnis der gemeinsamen Beratung von Landkreis, Polizei und Stadt“, erklärte Kater.

Die inzwischen wieder verworfenen Pläne von Gastronom Peter Stratmann, ein Feuerwerk im Zitadellenpark zu veranstalten, lehnte der Bürgermeister strikt ab. Ein Feuerwerk direkt im Stadtgebiet bei anhaltender Hitze abzuhalten, wäre allein aus Brandschutzgründen nur unter Einhaltung höchster Sicherheitsstandards zu verantworten. Außerdem würde damit künstlich ein Anziehungspunkt für viele Menschen auch außerhalb des gastronomischen Betriebs geschaffen werden, der nicht zu verantworten und existenziell auch nicht notwendig sei. Darüber hinaus gehöre das Feuerwerk traditionell auf den Stoppelmarkt, so wie viele Rituale rund um das Fest der Feste. „Diese kann nach meiner Auffassung nicht einfach so kopiert werden und ist in keinem Fall ein adäquater Ersatz.“ Auf die Absage des ebenfalls geplanten Gottesdienstes in Stratmanns Beach Club ging Kater in seiner Stellungnahme aber nicht ein.

  • Alle Geschichten rund um das Stoppelmarkt-Wochenende finden Sie direkt hier oder über den Tag "Stoppelmarkt".
Umzugsersatz: Jürgen Tapke-Jost fuhr mit Trecker, Planwagen und Nachbarn vom Stoppelmarkt durch die Stadt. Foto: M. NiehuesUmzugsersatz: Jürgen Tapke-Jost fuhr mit Trecker, Planwagen und Nachbarn vom Stoppelmarkt durch die Stadt. Foto: M. Niehues

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