Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Vechtaer Schausteller wollen nächsten Freizeitpark planen

Nach der Absage des Stoppelmarktes wollen die Marktprofis wieder eine Corona-konforme Alternative kreieren. Sobald die Stadt grünes Licht gibt, sollen die Planungen starten.

Artikel teilen:
Der Freizeitpark auf dem Stoppelmarkt 2020: Das Konzept kam beim Publikum sehr gut an. Foto: M. Niehues

Der Freizeitpark auf dem Stoppelmarkt 2020: Das Konzept kam beim Publikum sehr gut an. Foto: M. Niehues

Manchmal wird Claudia Vespermann dieser Tage etwas wehmütig, wenn sie zuhause sitzt und darauf wartet, dass endlich die Infektionszahlen sinken und sie dann wieder durchstarten kann. "Mir fehlt der Geruch von Popcorn, frisch gebrannten Mandeln, Fritten und Bratwurst. Mir fehlen die Kinder mit den klebrigen Zuckerwatten-Fingern und rot verschmierten Liebesapfel-Mündern, mir fehlt es zu beobachten, wenn das Eis an den kleinen Händen runterläuft, weil alles andere gerade spannender anzusehen ist, als sich auf das Schlecken zu konzentrieren", sagt sie dann.

Vespermann ist Schaustellerin. Es sind die Beobachtungen aus dem Kassenhäuschen, die sie schmerzlich vermisst. Denn die Bremerin betreibt zusammen mit ihrem Mann Andreas zwei Break Dancer, die normalerweise jetzt auf den großen Volksfesten in Deutschland unterwegs wären - im August steht eines der Fahrgeschäfte immer neben dem Riesenrad auf dem Stoppelmarkt. Jetzt läuft wegen Corona nichts, schon seit Oktober letzten Jahres. Da war Vespermann noch mit dem großen Break Dancer im Freizeitpark in Vechta vertreten.

"Ich möchte wieder leuchtende Kinderaugen sehen", sagt sie. Lieber heute als morgen will sie ihren Mitarbeitern sagen können, dass es endlich wieder losgeht. Claudia Vespermann ist Mitglied im Verein reisender Schausteller Vechta. Und das lässt sie hoffen, zumindest, was den Stoppelmarkt betrifft. Zwar fällt das Volksfest wegen der Corona-Pandemie jetzt bereits zum zweiten Mal aus. Aber Jürgen Meyer aus Goldenstedt macht sich bereits eifrig Gedanken, wie statt des Volksfestes erneut ein Freizeitpark auf dem Stoppelmarkt-Gelände seinen Vereinsmitgliedern in der Corona-Krise helfen und vor allem den Besuchern wieder etwas Lebensfreude in der entbehrungsreichen Zeit schenken kann.

Das Kultfahrgeschäft Break Dancer darf in Vechta nie fehlen, ob beim Stoppelmarkt oder im Freizeitpark. Foto: M. NiehuesDas Kultfahrgeschäft Break Dancer darf in Vechta nie fehlen, ob beim Stoppelmarkt oder im Freizeitpark. Foto: M. Niehues

"Natürlich wäre es viel schöner, wenn wir wieder einen richtigen Stoppelmarkt feiern könnten", sagt er. "Er hängt uns Schaustellern am Herzen. Es kommen bei mir Gefühle hoch, wenn ich daran denke, dass wir den jetzt schon zwei Jahre lang nicht feiern konnten." Aber das Konzept des Freizeitparks des vergangenen Jahres sei erfolgreich gewesen und habe innerhalb der Branche bundesweit Beachtung gefunden, blickt er zurück. Tatsächlich sorgte der Erfolg der Corona-konformen Veranstaltung mit vielen attraktiven Fahrgeschäften sogar für ein großes überregionales Medienecho und kam bei den Besuchern auch wegen der besonderen Atmosphäre sehr gut an.

Als der diesjährige Stoppelmarkt wegen der Pandemie vergangene Woche seitens der Stadt Vechta erneut abgesagt werden musste, plädierten die Mitglieder des Marktausschusses zugleich dafür, stattdessen wieder einen Freizeitpark zu errichten. Meyer und der Verein der reisenden Schausteller als Veranstalter wollen diesem Wunsch jetzt nachkommen. Der Antrag für eine solche Veranstaltung im August liegt nach Meyers Auskunft der Stadt bereits vor.

"Das Konzept hat sich bewährt", sagt der Vorsitzende. "Wir haben viele kreative Ideen, wie man das ausgestalten kann." Meyer will wieder ein hochqualitatives Angebot an Geschäften bieten können. Neben denen der Vereinsmitglieder hält er Ausschau nach besonderen Attraktionen. Vor allem bei den Großfahrgeschäften müsse der mehrere Wochenenden lang betriebene Park in die Deutschland-Tour der Betreiber passen, gibt er zu bedenken.

Neuer Imbiss in Oldenburg: Jürgen Meyer mit seiner Frau Mareen betreiben Fritten Mama. Foto: privatNeuer Imbiss in Oldenburg: Jürgen Meyer mit seiner Frau Mareen betreiben "Fritten Mama". Foto: privat

So habe es beim Freizeitpark im vergangenen Jahr zeitliche Kollisionen mit Festen in Oldenburg und Bremen gegeben. "Wir müssen im August beginnen, damit Auf- und Abbauzeiten mit anderen Parks harmonieren, wir brauchen Planungssicherheit", betont er. Der Termin müsse bis Ende Mai feststehen. Ansonsten hofft Meyer darauf, dass die Impfkampagne Wirkung zeigt, "damit wir endlich wieder unseren Beruf ausüben können".

Die Corona-Zeit hat er zudem genutzt, um sich ein weiteres Standbein aufzubauen. In der Oldenburger Fußgängerzone hat er jetzt Neueröffnung mit einem reinen Pommes Frites-Imbiss mit dem Namen "Fritten-Mama" gefeiert. Die holländischen Pommes, die dort mit verschiedensten Toppings zu haben sind, erfreuen sich bereits großer Beliebtheit. Viele Schausteller des Vechtaer Vereins haben wegen Corona verschiedenste kreative Ideen entwickelt, um nicht untätig sein zu müssen.

Bietet Schokoladen-Früchte und Süßigkeiten an: Anton Lemoine aus Schledehausen ist unter Tinos Snack Bar bei Facebook zu finden und liefert mit seinem Früchte-Taxi bis vor die Haustür. Foto: M. NiehuesBietet Schokoladen-Früchte und Süßigkeiten an: Anton Lemoine aus Schledehausen ist unter "Tino's Snack Bar" bei Facebook zu finden und liefert mit seinem Früchte-Taxi bis vor die Haustür. Foto: M. Niehues

Anton Lemoine, der beim Freizeitpark vergangenes Jahr gebratene Champignons verkaufte und vor allem mit kostenlosen Kasperle-Vorstellungen die jüngsten Besucher und deren Eltern begeisterte, bietet jetzt Schokoladen-Früchte, gebrannte Mandeln und weitere Süßigkeiten an. Unter dem Namen "Tino´s Snack Bar" ist Lemoine bei Facebook und Instagram zu finden. Die Kirmes-Leckereien bringt er mit seinem Früchte-Taxi von Schledehausen aus sogar bis vor die Haustür. Zusätzlich steht er mit seinem Verkaufswagen an je einem Wochentag vor Supermärkten in Visbek und Bakum.

Gerade sein engagiertes Werben über die sozialen Medien verschafft ihm Zulauf. "Wir können uns so gut über Wasser halten", sagt der Familienvater. "Vor allem wollen wir unserem Publikum ein bisschen Kirmes nach Hause bringen. Wir spüren schon, dass den Menschen im Kreis Vechta Kirmes und Stoppelmarkt fehlen", stellt er fest. Für sich selbst hofft Anton Lemoine, dass der Freizeitpark in diesem Jahr eine Neuauflage erfährt. Die Hohensteiner Kasperle-Figuren will er dann wieder zum Einsatz bringen. "Dann ist ein Stück unseres Schaustellerlebens zurück", sagt er. "Ich sehne mich nach dieser Normalität." Und wenn alles klappt, wird im August auch der Break Dancer wieder seine Runden drehen.

Sie wollen nichts verpassen, worüber das Oldenburger Münsterland spricht? Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter „Moin, OM!“. Er fasst für Sie das Wichtigste für den Tag auf einen Blick zusammen – immer montags bis freitags zum Start in den Tag.  Hier geht es zur Anmeldung 

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Vechtaer Schausteller wollen nächsten Freizeitpark planen - OM online