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Vechtaer arbeitet am Robert-Koch-Institut

"Vom KST ans RKI": Der gebürtige Vechtaer Dr. Benjamin Kuntz ist für den Albertus-Magnus-Abend ans St.-Thomas-Kolleg zurückgekehrt. Nach dem Abitur studierte er Gesundheitswissenschaften in Bielefeld.

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Hat es weit gebracht: Dr. Benjamin Kuntz arbeitet für das Robert Koch-Institut und für die Charité.   Foto: Stilkenböhmer

Hat es weit gebracht: Dr. Benjamin Kuntz arbeitet für das Robert Koch-Institut und für die Charité.   Foto: Stilkenböhmer

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“ – mit diesem Motto kehrte Medizinhistoriker Dr. Benjamin Kuntz jetzt für den traditionellen Albertus-Magnus-Abend, ausgerichtet vom Förderverein des St. Thomas-Kollegs, an seinen Geburtsort Vechta zurück. Seit seiner Zeit am Kolleg hat er es weit gebracht: Momentan arbeitet Kuntz als Gesundheitswissenschaftler am Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin sowie für die Charité. Seine Präsentation trägt daher den Titel: „Vom KST ans RKI“.

Als Referent präsentiert er seine bisherigen Erfolge wie die erste verfasste Biografie über den jüdischen Kinderarzt Gustav Tugendreich, mit dessen Sohn Tom er noch immer in Kontakt steht. Doch auch neue Projekte und Anekdoten aus der Kindheit sind im Programm enthalten. Nachdem Kuntz 2004 das Abitur absolviert hat, folgte darauf das Studium der Gesundheitswissenschaften in Bielefeld. Dort wurde er im Zuge eines Praktikums auch auf die Möglichkeit aufmerksam, seine Interessen für das RKI bereitzustellen.

Arbeit birgt stets neue Herausforderungen

Um zu erklären, was ihn in seiner Tätigkeit am meisten erfüllt, nimmt er die englische Sprache zur Hilfe: „Im Englischen nutzt man oft die Worte scientist und researcher. Ich persönlich sehe mich häufig als Letzteres.“ Denn als solcher könne er sich auf die Spurensuche begeben und knüpfe neue Kontakte mit Menschen, die immer eine individuelle Geschichte erzählen könnten. Besonders gefielen Kuntz die Möglichkeit, frei zu arbeiten, und die Vielfalt seiner Aufgaben: „Die Vielseitigkeit der Recherche und das Zusammentragen von Informationen für die Allgemeinheit birgt immer neue Herausforderungen.“

Dabei reiste er vor der Pandemie des Öfteren, um Angehörige der Personen für die Biografien zu befragen. Nicht selten entstanden daraus Freundschaften. Bis eine Biografie selbst dann vollständig geschrieben ist, dauert es ungefähr anderthalb Jahre. „Manchmal findet man nicht, was man sucht oder kämpft mit Schreibblockaden“, erklärt der ehemalige Thomaner. Für diese Arbeit bedürfe es einer hohen Frustrationstoleranz und eines langen Atems, vor allem, da die Corona-Pandemie zeitweise auch hier ihre Auswirkungen gezeigt habe: Geschlossene Archive und fehlende Reisemöglichkeiten waren die Folge.

Untergang der Titanic war Teil der Archivrecherchen

Für Archivarbeit selbst interessiert sich der Medizinhistoriker bereits seit seiner Jugend: Schon ab der neunten Klasse suchte er sich aus dem Archiv der Oldenburgischen Volkszeitung historische Daten, um die Ausgaben bestimmter Tage einzusehen, darunter beispielsweise auch der tragische Untergang der Titanic. Sein Geburtsort begleitet Kuntz auch weiterhin, einmal erfuhr er in einem Gespräch mit seinem Kollegen, dass dieser aus Nürnberg nach Vechta ins Internat der Dominikaner geschickt worden war. Das Material für das Projekt „Frankfurter Charakterköpfe“, bei dem die Scherenschnitte der Medizinstudentin Rose Hölscher von Mitgliedern der Medizinischen Fakultät Frankfurt eine biografische Einbettung erhielten, ist auf einen Geheimtipp zurückzuführen, den Kuntz' Eltern in der Füchteler Klosterkirche der Dominikaner erhielten.

Das RKI beschäftigt rund 1000 Mitarbeiter und feiert dieses Jahr sein 130-jähriges Bestehen. „So etwas macht natürlich auf jemanden Eindruck, der sich für Medizinhistorie interessiert.“ Aus diesem Grund setzt er sich unter anderem mit der Geschichte jüdischer Ärzte am RKI unter dem Einfluss des Nationalsozialismus auseinander, darunter die Kinderärztin Lucie Adelsberger. Im Zuge eines Podcasts namens „Erinnerungszeichen“ wird die Geschichte von zwölf ehemaligen jüdischen Mitarbeitern des RKI nachverfolgt, in monatlichen Episoden werden sie vorgestellt.

„Es ist mir ein Anliegen, an Menschen zu erinnern, die bedeutsame Arbeit geleistet haben und in Vergessenheit geraten sind“. 2021 wurde ebenfalls die Biografie über den Kinderarzt Kurt Huldschinsky veröffentlicht, der erstmals eine wirksame Behandlungsmöglichkeit von Rachitis bei Kindern entwickelte.

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