Vechta wird bunt: Street-Art-Künstler gestaltet Toncoole neu
Für seine Kritiker sind es Schmierereien, für Nils Freye ist es Hobby und Beruf zugleich: Die Graffitis des Studenten sind schon jetzt an verschiedenen Ecken in der Stadt Vechta zu sehen.
Von ganzen Gebäudeseiten bis zu Leinwänden fürs Wohnzimmer: Neben den großen Projekten beliefert Nils Freye auch Privatkunden. Foto: Hagedorn
Nils Freye studiert Soziale Arbeit an der Universität Vechta, doch seinen Lebensunterhalt verdient der 32-Jährige mit seiner Kunst. Als Graffiti- und Street-Art-Künstler hat er erst vor Kurzem einen Auftrag für die Uni fertiggestellt. Das nächste große Projekt ist nur wenige Schritte entfernt: das Gebäude bei der Toncoole, die ihre Pforten wieder für Besucher geöffnet hat.
Dabei arbeitet er mit seinem Studienkollegen Robin Masemann zusammen, mit dem er auch schon das Projekt für die Uni verwirklicht hat. Die grundlegenden Motive, Farben und der Stil stehen schon fest, einen konkreten Plan gibt es aber noch nicht. Das Thema soll, zur Toncoole passend, in Richtung Strand und Lagune gehen. Comicfiguren, die schon jetzt auf den Wänden des Gebäudes zu sehen sind, wollen die beiden Künstler integrieren. Wie lange sich das Projekt hinziehen wird, weiß Nils Freye noch nicht. "Wir machen uns da keinen Stress", sagt er.
Warten auf einen neuen Anstrich: Die Toncoole in Vechta ist das nächste große Projekt für Nils Freye und seinen Künstler-Kollegen Robin Masemann. Foto: Hagedorn
In die Graffiti-Szene kam der gebürtige Berliner schon in seiner Jugend, vor allem durch seinen älteren Bruder. Als 14-Jähriger gestaltete er in der deutschen Graffiti-Hauptstadt seine ersten Kunstwerke - damals noch ohne Bezahlung und unter der Gefahr, von der Polizei erwischt zu werden, erinnert sich Freye augenzwinkernd. Doch genau die Bestrafung mache vor allem für Jugendliche erst den Reiz am Sprühen aus.
Auch für Nils Freye unterscheidet gerade das Rebellische und Jugendliche, das in der Szene bis heute erhalten geblieben ist, Graffiti und Street-Art von anderen Kunstformen. Dazu ist es für ihn die perfekte Möglichkeit, seine künstlerische Leidenschaft mit seinem Studium zu vereinen.
So gibt er regelmäßig Workshops für Kinder und Jugendliche, beispielsweise über den Verein Contra aus Vechta oder die Jugendorganisation Cultures Interactive. Das kulturelle Angebot sei in Vechta für Jugendliche zu gering, findet der Künstler. Eine richtige Street-Art-Szene gäbe es auch nicht. Er hofft, dass sich das durch seine Projekte ändert und dass dadurch auch Kritiker Graffiti als Kunst ansehen.
Sein Hobby macht Nils Freye zum Beruf. Das Eisbär-Bild entstand bei einem Projekt mit einer Klasse des Gymnasiums Cloppenburg. Foto: Hagedorn
Neben dem Sprühen mit Farben und Schablonen zeichnet er auch mit Stift auf Papier. Doch die „Sucht zur Farbe“ hat, wie er selbst sagt, die Oberhand. Vor allem Typographie, also die Gestaltung der Schrift, interessiert ihn. „Ich mag klare Sachen“, sagt Freye. So bevorzugt er einfache Figuren und eindeutige Botschaften. Vor allem Letzteres ist ihm in seiner Kunst wichtig. "Ich mache viel Gesellschaftskritik", erklärt er. Auf einen konkreten Stil will sich der Künstler aber nicht festlegen. "Ich mag es, über Grenzen zu gehen", sagt er. So arbeitet er mal mit Schablonen, mal mit Schriften. Eine einzige Technik bedient er nicht.
Neben den Workshops und dem Projekt an der Toncoole bereitet Nils Freye aktuell zwei Ausstellungen vor, eine im Café "The Charivari Drinkery" an der Großen Straße und eine im Rathaus in Vechta. Auch von Privatkunden, die Leinwände als Dekoration bestellen, bekommt er regelmäßig Anfragen.
Was er nach seinem Studium machen will, weiß er noch nicht genau. Wahrscheinlich jedoch seine verschiedenen Standbeine einfach weiter ausweiten. "Ich will nicht alles nur auf eine Karte setzen", sagt er. Seine aus Eigeninitiative gestalteten Bilder stellt er auf seiner Internetseite, Instagram und Facebook zum Verkauf aus.
Das neue E-Paper ist da: Mit einem deutlich besseren Lesekomfort inkl. Vorlesefunktion, täglichen Rätseln und einer Audiothek. Ab sofort erhältlich unter mein.om-online.de oder im App-Store bzw. Google-Playstore.
Das könnte Sie auch interessieren
Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen