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Varnhorn und der Rollenwechsel: Vom Verwalter zum Gestalter

Der Kandidaten-Check von OM Online: Neidhard Varnhorn tritt in Cloppenburg für die CDU an. Der 49-Jährige möchte Bürgermeister der Kreisstadt werden.

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Ein Lieblingsplatz in der Stadt: Neidhard Varnhorn am Eberborg-Brunnen. Foto: Kreke

Ein Lieblingsplatz in der Stadt: Neidhard Varnhorn am Eberborg-Brunnen. Foto: Kreke

Der Kandidaten-Check von OM Online. In dieser Reihe stellen wir zur Kommunalwahl im September die Bürgermeister- und Landratskandidaten in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta vor. Das Konzept: Einen thematischen Treffpunkt darf der Kandidat wählen, den anderen bestimmt die Redaktion. In dieser Folge: Der in Cloppenburg kandidierende Neidhard Varnhorn im Talk mit Reporter Hubert Kreke.

Seine größte persönliche Sorge, gesteht Neidhard Varnhorn vor dem Interview in der Fußgängerzone, ist, einen seiner kaum noch zu zählenden Wahlkampftermine zu verpassen. Der Eindruck, wartende Cloppenburger nicht ernst zu nehmen, wäre der größte  anzunehmende Unfall, den sich der CDU-Bürgermeisterkandidat vorstellen könnte.

Der noch amtierende Kreisrat und Dezernent hat Urlaub genommen, um nichts zu verpassen und nichts auszulassen. Jeden Morgen telefoniert der Volljurist kurz mit einem Parteifreund, der ein Doppel seines Kalenders führt. Angst vor den vielen politischen "Baustellen", die in Cloppenburg auf ihn zukommen, wenn er am 12. September gewinnen sollte, hat der 49-Jährige dagegen nicht: Klimaschutz und die Verdichtung in Wohngebieten, die Fahrradstadt und die medizinische Versorgung der Bevölkerung, Förderanfragen und Vorschläge von Vereinen – Varnhorn weicht keiner Einladung und keinem Thema aus, ist jedoch mit politischen Versprechungen vorsichtig. 

"Wir haben starke Konflikte in der Stadt, die keiner allein lösen wird."Neidhard Varnhorn

„Wir haben starke Konflikte in der Stadt, die keiner allein lösen wird“, sagt der Kandidat: „Wenn wir das nicht in einem Miteinander angehen, werden wir's nicht schaffen.“ Die Fülle der Aufgaben erscheine vielleicht "wie ein Berg, der zunächst unüberwindlich wirkt", sagt er, aber wir müssen mit dem ersten Schritt anfangen". Dabei fühlt sich Varnhorn "nicht wie der Gipfelstürmer, der 'Hurra!' schreit, weil er's allein schaffen will oder kann", sondern eher wie der Anführer einer steilen Tour, deren Route und Tempo mit allen "Wanderern" abgesprochen werden muss. 

Dass der politisch zerklüftete Stadtrat und die Verwaltung gelegentlich weit entfernt sind von einer solchen Gemeinsamkeit, ist dem diplomierten Verwaltungswirt nicht verborgen geblieben. "Wir brauchen wieder eine Kultur des gegenseitigen Vertrauens", fordert Varnhorn, der als Dezernent im Kreishaus 5 Amtsbereiche verantwortet. Im Fall seiner Wahl will der Cloppenburger, der 13 Jahre lang selbst als Ratsherr gearbeitet hat, einen "jour fixe", eine regelmäßige Gesprächsrunde, mit den Vorsitzenden der Fraktionen und Gruppen einführen, um politische Ideen und ihre Umsetzbarkeit gemeinsam abzuklopfen – ohne Themenvorgaben oder Denkverbote. "Ich will allen die gleiche Chance an der Mitwirkung garantieren", unterstreicht er: "Die Kommunalpolitik eignet sich nicht für parteipolitische Scharmützel."

Stadtentwicklung steht ganz oben auf seiner Liste

Auf seiner langen Aufgabenliste steht die Stadtplanung weit oben. Denn es gehe nicht nur ums Erscheinungsbild, sondern um sich verändernde Lebens-, Wohn- und Verkehrsverhältnisse, die Politik vorausschauend gestalten müsse. "Wir hangeln uns bislang von Jahr zu Jahr", sagt Varnhorn, der sonst jedes kritische Wort über die Cloppenburger Politik vermeidet.

Beispiel Wohnen: Schon als die Stadt vor 6 Jahren ihr Konzept für eine "Nachverdichtung" der Wohnbebauung beschloss, hätte offener und verständlicher über Grenzen, aber auch über notwendige Freiräume für neuen Wohnraum gesprochen werden müssen, meint er rückblickend – nicht nur dort, wo sich Anwohner beklagen. Dass dies jetzt angesichts der Proteste aus dem Insel-Viertel nachgeholt wird, sei zwar zu begrüßen, müsse aber für alle infrage kommenden Siedlungen nachvollzogen werden.

Beispiel Verkehr: Varnhorn will die Brachflächen am Bahnhof und bestehende Hallen nutzen, um daraus ein Mobilitätszentrum zu entwickeln – mit weiteren Bushaltestellen, die den ZOB entlasten, aber vor allem mit einem Fahrrad-Parkhaus, E-Ladestationen, E-Bike-Verleih und Car-Sharing. Das nütze dem Klimaschutz und stärke die "Verteiler-Funktion" der Stadt. Der Autoverkehr (vor allem aus dem Umland) und die Fahrradstadt könnten sich vertragen, glaubt er, wenn Vorschläge wie Einbahnstraßen-Regelungen rund um den Stadtkern ernsthafter diskutiert würden, als lediglich Parkstreifen vor den Läden einzukassieren.

"Träumer": Kritik von Grünen nimmt er als Kompliment

Dass ein Ratsmitglied der Grünen die Idee des Mobilitätszentrums  schon öffentlich als "Träumerei" abgetan hat, nimmt Varnhorn als Kompliment. "Ich bin ein optimistischer Mensch", sagt er lächelnd. Und natürlich würden im Wahlkampf serienweise Ideen auf den Markt geworfen, von denen niemand wisse, ob sie sich in den nächsten 5 Jahren umsetzen lassen. Auch der Bürgermeister hat in der Politik keine Richtlinien-Kompetenz, sondern nur eine Stimme, wenn auch eine herausgehobene.

"Natürlich müssen wir aufpassen, ob das tatsächlich alles machbar ist und wir uns nicht verheddern", unterstreicht er: "Wir können die Verwaltung auch mit Prüfaufträgen überlasten."  Aber grundsätzlich sei's "erst einmal schön", aus vielen Ideen zu schöpfen. Das reicht so weit, dass Varnhorn selbst einen Vorschlag der Grünen nicht rundweg ablehnt: den Wochenmarkt am Samstag größer und zugkräftiger zu gestalten. "Wenn das geht", sagt er: "Warum nicht?" 


Zur Person:

  • Neihard Varnhorn ist 49 Jahre alt und lebt mit seinem Mann und 2 Kindern in Cloppenburg.
  • 13 Jahre hat der ehemalige  JU-Landesvorsitzende zuvor im Stadtrat von Vechta mitgearbeitet.
  • Seit 2002 arbeitet Varnhorn in Führungspositionen beim Landkreis Cloppenburg.
  • Der Volljurist leitet das Dezernat für die Bereiche Rechtsamt, Ordnungsamt, Verkehrsamt, Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung sowie das Amt für Schule und Kultur.
  • 2015 wählte ihn der Kreistag zum Kreisrat.

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