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Ulrich Osterloh installiert Frostschutzheizung auf seinem Weinberg in Hagstedt

Neben dem Wetter gefährden auch Schädlinge wie der bekreuzte Traubenwickler und die Kirschessigfliege die süßen Früchte. Der Winzer hat Lösungen gefunden um sich dieser Gefahren zu erwehren.

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Schützt seine Weinreben: Winzer Ulrich Osterloh zeigt die Frostschutzheizung entlang seiner im Flachbogen erzogenen Ruten. Foto: Heinzel

Schützt seine Weinreben: Winzer Ulrich Osterloh zeigt die Frostschutzheizung entlang seiner im Flachbogen erzogenen Ruten. Foto: Heinzel

Der bekreuzte Traubenwickler, die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii), Wespen oder Stare, sie alle stellen eine Gefahr für die Weintraube dar. Aber auch das Wetter – also beispielsweise Hagel oder Frost – kann die Frucht zerstören. Damit muss sich ein Winzer auseinandersetzen und Lösungen finden, um seine Trauben zu schützen, denn nur so kann er am Ende des Jahres einen Wein produzieren. 

„Wir versuchen alles, damit unser Wein so nachhaltig und umweltfreundlich wie möglich produziert wird.“Ulrich Osterloh

Ulrich „Ulli“ Osterloh ist der in der Region für seinen Erdbeerhof bekannt, den er seit fast 40 Jahren betreibt. Seit einem Jahr ist er auch Winzer. Für seinen 2 Hektar großen „Weinberg“ in der Bauerschaft Hagstedt in der Gemeinde Visbek hat er sich nun für voll recyclebare und feinmaschige Hagelschutznetze, eine Frostschutzheizung und eine Tröpfchenbewässerungsanlage zum Einbringen von Dünger oder Wasser entschieden; letzteres eine Methode, die effizient und wassersparend ist. „Wir versuchen alles, damit unser Wein so nachhaltig und umweltfreundlich wie möglich produziert wird“, sagt der gelernte Landwirtschaftsmeister.

So sind die Hagelschutznetze so feinmaschig, dass sich darin kein Vogel verfangen kann. Gleichzeitig kommen die Kirschessigfliegen - „eine invasive Pest“, so Osterloh - oder die Wespen im Sommer nicht an die Frucht heran, denn die Netze werden oben und unten geschlossen, um die Trauben entsprechend zu schützen. Pheromonfallen sollen gegen den bekreuzten Traubenwickler helfen. Die Fallen sorgen für einen Geruchsteppich, der verhindert, dass das Männchen das Weibchen findet. Damit sei die Gefahr gebannt, so  Osterloh. Zwar strebe der Betrieb aktuell keine Bio-Zertifizierung an, richte sich aber, so weit es geht, an den vorgegebenen Produktionsrichtlinien aus.

Das Hagelschutznetz verhindert auch den Befall durch die Kirschessigfliege und ist feinmaschig genug, damit sich keine Vögel darin verfangen können. Foto: HeinzelDas Hagelschutznetz verhindert auch den Befall durch die Kirschessigfliege und ist feinmaschig genug, damit sich keine Vögel darin verfangen können. Foto: Heinzel

Im April 2020 hatte Familie Osterloh gemeinsam mit einigen Mitarbeitern eigenhändig die 89 Reihen angelegt. „Das ist kein Hobby mehr, sondern ein neuer eigenständiger Betrieb“, betonte Ulrich Osterloh zum Start des Projektes. Man werde sich Schritt für Schritt voran arbeiten, dazulernen und an den Planungen feilen. Dazu gehöre auch jedes Mal ein gutes Stück Recherche, schilderte Osterloh seine Vorgehensweise. Eine Bodenanalyse kam beispielsweise zu dem Ergebnis, dass der schluffige Lehmboden sich gut für den Weinanbau eignet, da er über eine gute Durchlässigkeit verfügt, aber gleichzeitig auch ein gutes Wasserhaltevermögen besitzt. Die einzelnen Schritte, welche er und seine Familie in diesem neuen Betrieb unternehmen, sind also wohlüberlegt und zielorientiert. „Schlaflose Nächte hatte ich bislang aber nur wegen des Frostes“, meint der 61-Jährige. „Wir wissen, was wir hier tun.“

Der Rebschnitt ist bereits vollzogen und die einzelnen Ruten im „Flachbogen erzogen“. Das bedeutet, die Rute wurde flach an den Biegedraht gebunden. Die Vorteile dieser Erziehungsmethode liegen etwa darin, dass dadurch die Frostschutzheizung direkt an der Rute liegt und somit die Wärme gezielt dorthin kommt, wo sie gebraucht wird, sowie dass die Trauben einheitlich auf der gleichen Höhe wachsen.

Entscheidend ist die Temperatur in der "Traubenzone"

Letztens gab es auf dem Weingut Osterloh minus 3 Grad. „Dann sind wir draußen“, sagt  Osterloh, und zwar um 3.30 Uhr. Also mitten in der Nacht müssen er und seine Mitarbeiter bei den Weinreben die Heizung anwerfen und dann bis etwa 7.30 Uhr vor Ort bleiben, um das Ganze zu kontrollieren. „Das sind harte Nächte“, stellt er klar. Um zu wissen, wann sie die Heizung anwerfen müssen, haben sie eine eigene Wetterstation, verfolgen aber zusätzlich über das Internet die Wetterlage ganz genau. Ein Problem gibt es aber bei den Wetterdaten im Internet. In der Regel werden diese in einer Höhe von 2 Metern gemessen, erläutert Osterloh. Aber von diesem Ausgangspunkt bis zum Boden könne es eine Temperaturdifferenz von bis zu 4 Grad geben. Entscheidend sei aber, was in der "Traubenzone" passiert. Daher arbeiten er und seine Mitarbeiter daran, ihre Programme für sich anzupassen. 

„Wein ist etwas Besonderes im Pflanzenbereich“, schwärmt  Osterloh. Ihm gehe es vor allem um Qualität und nicht um Quantität. Daher verwendete er bei seinen 5 Sorten ertragsreduzierte Reben, sodass sich alle Inhaltsstoffe auf weniger Früchte verteilen. Dadurch könne das sogenannte „Terroir“ den Charakter des Weines stärker prägen.

„Ich gehe sozusagen bei meinem guten Freund und anerkannten Weinexperten Fritz in die Lehre und werde ihm in dieser Zeit genau über die Schulter schauen.“Ulrich Osterloh

In diesem Jahr soll die erste Lese stattfinden und die geernteten Trauben zu Fritz Wassmer nach Bad Krozingen im Breisgau gebracht werden. Wassmer soll in den ersten Jahren die Weine keltern. „Ich gehe sozusagen bei meinem guten Freund und anerkannten Weinexperten Fritz in die Lehre und werde ihm in dieser Zeit genau über die Schulter schauen“, berichtet Osterloh. „Wir wollen Erfahrungen sammeln und diese kontinuierlich in unsere Arbeit einfließen lassen“, fährt er fort. Sein Ziel ist es, in den nächsten Jahren auf eine Weinanbaufläche von 5 bis 6 Hektar zu kommen. Diese Größe sei notwendig, um den neuen Betrieb entsprechend wirtschaftlich zu betreiben.

Aktuell laufen neben den Maßnahmen im „Weinberg“ weitere vorbereitende Arbeiten. Das Logo des Weingutes und die Etiketten für die Weinflaschen werden gerade entworfen. Welche Namen die einzelnen Weine tragen werden, ist bislang noch ein Geheimnis, das Ulli Osterloh noch nicht verraten möchte. Wobei er auch durchblicken lässt, dass die endgültige Entscheidung in dieser Hinsicht noch nicht gefallen ist. Aber es ist ihm wichtig, dass der Name einen regionalen Bezug zu seinem Weinanbaugebiet hat.

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