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Tüftler rüsten Cloppenburger Klassen mit Warnsystem aus

Der Gehalt von ausgeatmetem Kohlendioxid in der Raumluft dient den Machern als Kennwert für ein erhöhtes Infektionsrisiko. Die Kosten pro Klassenraum: deutlich unter 100 Euro.

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Das Paket zum Selbermachen: Neben Kabeln und dem Sensor ist dem Set eine Steckkarte beigelegt, auf der die privaten Macher ihre Schaltung anlegen können. Auch ein Snack wird mitgeschickt. Fotos: Fachbereich Chemiedidaktik OS

Das Paket zum Selbermachen: Neben Kabeln und dem Sensor ist dem Set eine Steckkarte beigelegt, auf der die privaten Macher ihre Schaltung anlegen können. Auch ein Snack wird mitgeschickt. Fotos: Fachbereich Chemiedidaktik OS

Weil‘s kein „Virus-Warngerät“ gibt, haben Wissenschaftler einen technischen Umweg erdacht: Wenn der Kohlendioxid-Gehalt in der Raumlauft steigt, deutet das auf verbrauchte Atemluft hin. Damit steige auch der Anteil der Aerosole, an denen Viren durch die Luft schweben, erklärt Lars Otte (24): Das Infektionsrisiko steigt.

Der Doktorand des Cloppenburger Chemiedidaktikers Prof. Dr. Marco Beeken betreut an der Universität Osnabrück eine Gemeinschaftsaktion, die ein günstiges und praktisches Warnsystem in Unterrichtsräumen entwickeln soll. Zusammen mit der Fachhochschule Südwestfalen rufen die Wissenschaftler erneut Tüftler aus ganz Deutschland zu einem „Brainstorming“ contra Corona auf.

50 private Erfinder und Forscher nehmen vom 13. bis 15. November an dem virtuellen „Open Photonik Make@thon“ teil, um aus handelsüblichen Bauteilen und eigenen Ideen das „Monitoring“-System zu konstruieren. Das Grundprinzip steht schon und ist überschaubar.

Sensoren senden per Funk Warnung auf PC des Hausmeisters

Die C02-Sensoren aus den Klassenräumen senden über das schuleigene WLAN oder per Funk (mit einer Rechweite von bis zu fünf Kilometern) ständig ihre Messergebnisse an einen zentralen Rechner oder Laptop, zum Beisiel im Büro des Hausmeisters oder des Schulleiters. „Übersteigt die Konzentration in einem Raum die Grenze, ploppt ein rotes Warnfenster auf“, erklärt Lars Otte: „Dicke Luft“ in der Klasse.

Ob und wie das klappt, soll zu allererst am Gymnasium Liebfrauenschule in Cloppenburg erprobt werden, das als Kooperationspartner zur Verfügung steht. Unmittelbar nach dem Marathon der Tüftler wird Hausmeister Olaf Vocks die fertigen Geräte und die frisch programmierte Software erhalten, verspricht Otte.

„Um das Übertragungsrisiko in geschlossenen Räumen möglichst gering zu halten, ist eine ausreichende Belüftung essentiell“, schreibt die Uni dazu. Besonders wichtig sei dies in Schulen, da dort in kleinen Klassenräumen Schülerinnen und Schüler aus vielen verschiedenen Haushalten zusammentreffen. Wie rasch die Konzentration der Aerosole und damit der Virenlast im Raum ansteigt, ist bisher jedoch nirgendwo messbar. Lehrer sollen „auf Verdacht“ alle 20 Minten die Fenster öffnen - wenn sie sich denn öffnen lassen. Ob der Luftaustausch ausgereicht hat, ist eher Gefühlssache.

Eintüten für die Tüftler: Chemie-Studenten der Universität Osnabrück versenden gerade die Bauteile, auf denen die Macher ihre Ideen entwickeln können. Eintüten für die Tüftler: Chemie-Studenten der Universität Osnabrück versenden gerade die Bauteile, auf denen die Macher ihre Ideen entwickeln können. 

Otte und das vierköpfige Team des Instituts für Chemie haben die Debatte um Lüfter in Schulen natürlich mitverfolgt. Ihre Messreihen könnten rasch Hinweise geben, ob und wo das Lüften allein nicht ausreicht oder zu häufig den Unterricht unterbrechen würde.

„Natürlich könnte man das auch als Auftrag an hauptberufliche Enwickler oder Firmen geben“, räumt der Doktorand ein. Aber: „Unser Anspruch ist es, das deutlich billiger zu schaffen bei vergleichbarer Qualität.“ Im Handel kosten allein die Senoren rund 100 bis 130 Euro, ohne die Schaltungen dazu und ohne die notwendige Software zum Vernetzen.

Für die hausgemachte Günstig-Variante haben die Universiäten im Großhandel Bauteile erworben, die per Post den Teilnehmern als Grundlage zugeschickt werden. In der Überraschungstüte liegen zudem haltbare Snacks als kleine Stärkung bei der Arbeit.

„Nerds“ lieferten, als Face-Shields plötzlich Mangelware wurden

Mit der Zusammenarbeit der „Nerds“ hat die Uni gute Erfahrungen gemacht. „Wir nutzen die Schwarmintelligenz“, sagt Otte: „Die ist oft schneller und effizienter als Auftragsvergaben.“ Beispiele lieferten die Tüftler bereits zum Auftakt der Pandemie, als Face-Shields für Ärzte plötzlich Mangelware wurden. Prompt lieferte die Szene passgenauen Ersatz, sogar mit integrierter Beleuchtung. Cloppenburger Ärzte profitierten davon.

Unterstützt wird die Zusammenarbeit vom Bundesbildungsministerium. Die Idee: das Wissen von Tüftlern, die schnell auf neue Herausforderungen reagieren können, vernetzen und nutzen. 

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