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Trauernde treffen sich in Cloppenburg zum tröstenden Gespräch

Der ambulante Hospizdienst öffnet nach der Corona-Zwangspause seine Gesprächskreise und das Trauercafé. Am Sonntag sind alle Angehörigen eingeladen. 2 erfahrene Mitarbeiterinnen begleiten Gäste.

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Ehrenamt mit Herz: Maria Vaske-Lamping kümmert sich um den Gesprächskreis trauernder Angehöriger. Foto: Kreke

Ehrenamt mit Herz: Maria Vaske-Lamping kümmert sich um den Gesprächskreis trauernder Angehöriger. Foto: Kreke

Die eigene Trauer zu teilen, kostet mitunter Mut und Überwindung. Vor der Tür des ambulanten Hospizdienstes hat Hildegard Meyer, eine der Koordinatorinnen, schon Angehörige beobachtet, die minutenlang zögerten, ehe sie die Türklingel drückten. "Wir stülpen niemandem etwas über", verspricht die erfahrene Trauerbegleiterin: "Wir bieten einen persönlichen Austausch an, um ins Leben zurückzufinden."

Lange ruhte dieses Angebot (bis auf Einzelgespräche) wegen der Corona-Zwangspause, jetzt lebt auch die Trauerarbeit wieder auf. Der Neustart beginnt am Sonntag, 26. September, mit dem Trauercafé an der Kirchhofstraße 13. Von 15 bis 17 Uhr begleiten 2 Mitarbeiterinnen Angehörige, die das Gespräch suchen – nicht nur über ihren Verlust und ihren Schmerz, sondern auch über "Wege zurück ins Leben", so Meyer. Auch alle Gesprächskreise, die auf eine vertrauliche und geschlossene Atmosphäre bauen, setzen neu an - mit einem neuen und doch erfahrenen Team.

2 Frauen übernehmen die Begleitung 

Maria Vaske-Lamping und die gebürtige Niederländerin Dien Brandsen teilen sich künftig die Betreuung der regelmäßigen Runde für trauernde Angehörige. Beide Frauen haben ihre einjährige Intensiv-Ausbildung als Trauerbegleiterinnen abgeschlossen und sind seit Jahren im ambulanten Hospizdienst erfahren. Die Gruppe trifft sich künftig an jedem 2. Montag eines Monats von 10 bis 11.30 Uhr, zum ersten Mal am 11. Oktober. Anders als vor Corona sind Anmeldungen notwendig. Die 3G-Regel gilt auch hier.

Das erste Gespräch dient zugleich dem Zweck, Angehörige in die vielleicht ungewohnte Situation einzuführen. Vaske-Lamping kennt das: "Ich hab' das im Familien- und Freundeskreis erlebt", erzählt sie, "als ich mich mit meiner Trauerbewältigung ziemlich allein fühlte." Denn: "Vielen fällt es schwer, darüber zu reden." In der Gruppe könnten die Betroffenen jedoch erleben, "dass andere in einer ähnlichen Situation stecken" und sich gegenseitig "Hoffnung schenken". Der Austausch könne dabei helfen, "eigene Kraftquellen zu entdecken, um mit der Trauer anders umzugehen". Unterdrücken ließen sich dieses Gefühl und diese Aufgabe ohnehin nicht: "Die Trauer bleibt ja, auch wenn sie manchmal erst spät zum Vorschein kommt", so Vaske-Lamping. Hildegard Meyer hat schon Angehörige erlebt, die erst nach 2, 3 Jahren Rat und Begleitung suchten.

"Tränen und erfreuliche Erinnerungen liegen ganz eng beieinander und wechseln oft mitten im Gespräch."Maria Vaske-Lamping, Trauerbegleiterin

Gedrängt oder bedrängt wird niemand. Viele Angehörige wünschen zunächst Einzelgespräche. Wer sich in der Gruppe der Situation nicht gewachsen fühlt, kann jederzeit eine Auszeit nehmen oder sich mit einer der Betreuerinnen zurückziehen. "Das ist auch stimmungsabhängig", sagt Vaske-Lamping: "Tränen und erfreuliche Erinnerungen liegen ganz eng beieinander und wechseln oft mitten im Gespräch." Der eigene Blickwinkel "verschiebt sich langsam und allmählich ins Tröstliche", erklärt sie. Wie viel Zeit dafür nötig ist, sei für jeden Menschen unterschiedlich und könne "nicht fremdbestimmt" werden. Meyer betont: "Wir nehmen jeden so, wie er ist." 

Das Trauercafé richtet sich eher an Menschen, die nicht nur auf den Verlust schauen, sondern den Blick wieder auf ihr Leben richten. "Viele gute Kontakte sind so entstanden", sagt Meyer. Auch die anderen Gesprächskreise laufen jetzt wieder an:


Fakten:

  • Den Gesprächskreis für trauernde Angehörige um Suizid leitet Rita Breuer aus Cloppenburg. Termine und Einzelgespräche sind nach Absprache möglich.
  • Der Gesprächskreis trauernder Eltern trifft sich am 2. Mittwoch des Monats um 19.30 Uhr. Renate Berg und Mike Bieder betreuen die Teilnehmer.
  • Trauernde Kinder und Jugendliche treffen sich nach Absprache mit Gerlinde Wilhelm und Barbara Haase einmal im Monat.
  • Alle Fragen zu Teilnahmemöglichkeiten und Terminen und Wünsche nach Einzelgesprächen beantwortet der Hospizdienst für den Landkreis Cloppenburg unter Telefon 04471-8509140, in eiligen Notfällen über die 24-Stunden-Bereitschaft (Telefon 0175-8991171) oder per Mail an info@hospizdienst-clp.de.
  • Die Bürozeiten: Montag: 10 bis 12 Uhr, Dienstag: 10 bis 12 Uhr, Mittwoch: 15 bis 17 Uhr, Donnerstag: 10 bis 12 Uhr, Freitag: 10 bis  12 Uhr.

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