Eigentlich beschäftigen sich Matthias Cloppenburg und Thorben Freese den ganzen Tag mit Mode. Einkauf, Verkauf, Personal – das operative Geschäft von "Männersache Hanneken" und "StreetOne & Cecil" bestimmt ihren Arbeitsalltag. Am Dienstagvormittag haben die beiden Männer stattdessen das Würfelspiel "Dübeln" gespielt. Wer als Erstes keine Dübel mehr hat, gewinnt – die zwei hatten dabei keine Chance gegen Agnes. Sie lebt mit zehn weiteren Frauen und Männern in der Friesoyther Seniorenwohngruppe "Haus St. Ansgar".
Das Wohnangebot für ältere Menschen mit Beeinträchtigung im Neuenkampsweg gehört zum Caritas-Verein Altenoythe. Ein Pilotprojekt zwischen diesem und dem Friesoyther Unternehmer Frank Hanneken ermöglicht es, dass seine Beschäftigten in die verschiedenen Tätigkeiten des Caritas-Vereins reinschnuppern. Dafür wurden sie am 5. Dezember, dem Internationalen Tag des Ehrenamts, bezahlt freigestellt. Mit einem "Blick hinter die Kulissen" lassen sich Menschen für das Ehrenamt begeistern, hofft die Leiterin der ambulanten Wohnassistenz, Barbara Middendorf.
Freiwillige werden immer gesucht, um Gesellschaft zu leisten
Ehrenamtliche sind für soziale Einrichtungen wie den Caritas-Verein Altenoythe unerlässlich. Katja Braun, die den Familienentlastenden Dienst (FED) leitet, berichtet: "Alleine im FED haben wir rund 250 ehrenamtliche Helfer." Vor Corona seien es aber noch 100 mehr gewesen. Zudem steige der Bedarf stetig. Auch Margaretha Bohlsen, die die elfköpfige Wohngruppe in St. Ansgar leitet, sagt: "Corona hat viel kaputt gemacht." Davor habe es beispielsweise in den Häusern Besuchspatenschaften gegeben.
Umso mehr freuten sich die Bewohnerinnen und Bewohner nach kurzer, anfänglicher Skepsis über die beiden Modeexperten. Beide Seiten wurden schnell warm miteinander und vergnügten sich bei den Runden "Dübeln". Derzeit gebe es zwar eine Ehrenamtliche, die Sport anbietet, doch Freiwillige werden immer gesucht, erzählt Bohlsen. Dafür brauche es nicht viel. Es reiche aus, Gesellschaft zu leisten. "Ein Herr möchte gerne mal wieder einen Schaufensterbummel durch die Stadt machen", führt die Gruppenleiterin als Beispiel an.
Engagement kann auch unregelmäßig und am Wochenende stattfinden
"Die Mitarbeiterinnen kümmern sich rührend", sagt Bohlsen. Aber um über die Tagesstruktur hinaus etwas individuell zu unternehmen, fehle schlichtweg die Zeit. Ehrenamtliche können daher das Freizeitangebot bedeutend vergrößern. Ein Spaziergang zum Glockenspiel oder Entenfüttern etwa sei gefragt. "Wenn man mit etwas Kleinem eine Freude machen kann, da geht das Herz auf", weiß Bohlsen.
Das Pilotprojekt scheint Früchte zu tragen. Matthias Cloppenburg kann sich nach dem Besuch schon vorstellen, ehrenamtlich in der Seniorenwohngruppe tätig zu werden. Vielleicht am Wochenende und möglichst flexibel, weil sein Beruf ihn ziemlich einspannt, aber darüber nachgedacht habe er schon. "Das muss nicht regelmäßig sein", betont Bohlsen, alles sei möglich.
Thorben Freese fehlt derzeit als frischgebackener Vater die Zeit für ein Ehrenamt, erzählt er, früher sei er in der Feuerwehr aktiv gewesen. Beide hoffen aber auf eine Wiederholung des Ehrenamtstags. Denn so konnten sie sich einen eigenen Eindruck vom Wohnheim St. Ansgar und der Arbeit, die dort geleistet wird, machen.