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Sturmtief auf Langeoog: Gebürtiger Thüler berichtet über Schäden und Ü-Eier

Seit 2005 lebt Bernhard Sieger auf der Nordseeinsel und will das Leben auf dem Eiland nicht missen. Zwar sturmerprobt, bilden die aktuellen Bilder vom zerstörten Strand schon eine Ausnahmesituation.

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Chancenlos: Gegen Wind und Wellen hatte die künstlich angelegte Strandaufspülung keine Chance. Foto: Michel Wrana

Chancenlos: Gegen Wind und Wellen hatte die künstlich angelegte Strandaufspülung keine Chance. Foto: Michel Wrana

Von Freunden hatte er bereits Fotos bekommen. Beim Joggen überzeugte sich Bernhard Sieger dann am Sonntag selbst von dem Bild der Zerstörung, das Sturmtief Nadia auf Langeoog hinterließ. Auf rund 500 Metern erstreckt sich eine Abbruchkante. Die 2020 künstlich angelegte Strandaufspülung unter anderem vor dem Piroltal war gegen die energiegeladene Brandung chancenlos und wurde von Wind und Wellen weggerissen. Gleich dahinter befindet sich das Trinkwasserdepot, das es in hohem Maße zu verteidigen gilt. Doch eine Gefahr für die lebenswichtige Süßwasserlinse hat der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) ausgeschlossen.

„Es ist natürlich bekannt, dass diese Schutzmaßnahmen nicht ewig halten, aber das ist schon ein imposanter Anblick“, berichtet der gebürtige Thüler, der seit 17 Jahren auf der Nordseeinsel lebt. Durch den Pegelstand von 1,78 Meter über dem mittleren Tidehochwasser ist auch das Hafenbecken überflutet, die Schienen sind versenkt.

Überraschungseier waren 2017 ein kurioses Highlight

Mit Stürmen kennen sich die Insulaner aus, und nach starken Unwettern zieht es sie immer an den Strand, „weil es immer etwas Besonderes zu sehen gibt“, weiß der 44-Jährige. In diesem Fall waren es nicht nur die schweren Schäden,  das Meer hatte darüber hinaus auch das eine oder andere Überraschungsei an Land gespült. „Schon witzig“, kommentiert Sieger den Fund der kleinen Kapseln und erinnert sich noch gut an 2017.

Lebt seit 17 Jahren auf der Insel: Bernhard Sieger aus Thüle. Foto: SiegerLebt seit 17 Jahren auf der Insel: Bernhard Sieger aus Thüle. Foto: Sieger

Damals waren es Hunderttausende, die den Sand kilometerweit bedeckten, da sie mit ihrem Schiffscontainer bei einem Sturm über Bord gegangen waren. Ohne Schokolade, aber noch mit Inhalt tauchten nun weitere von ihnen auf und fielen den Einheimischen in die Hände. Sonst grundsätzlich mit dem Fahrrad unterwegs, kamen sie übrigens zu Fuß. „Immer ein Zeichen dafür, dass entweder Glatteis oder so starker Sturm ist, dass man unbedingt festen Boden unter den Füßen braucht“, verrät Sieger schmunzelnd und lässt sein Rad dann ebenfalls stehen.

Er ist einer von den rund 2000 Einwohnern und fühlt sich unter ihnen seit 2005 rundum wohl. Von Inselkoller keine Spur und ein abwechslungsreiches berufliches wie privates Leben lässt ohnehin keine Langeweile aufkommen. Die Liebe führte ihn nach Langeoog. Mit Ehefrau Jördis, die auf dem Eiland geboren und aufgewachsen ist, managt er mittlerweile den Familienbetrieb seiner Schwiegereltern. Dazu gehören Ferienwohnungen sowie eine Inselgoldschmiede und „Schmuggelkiste“ mit nautischen Geschenken und Andenken. Corona habe ihnen zugesetzt, "aber wir sind bislang noch gut durchgekommen und wollen nicht meckern“, sagen die Eltern einer zehnjährigen Tochter.

Land unter: Auch rund um das Haus Schifffahrt hat sich das Wasser einen Weg gebahnt. Foto: Michel WranaLand unter: Auch rund um das Haus Schifffahrt hat sich das Wasser einen Weg gebahnt. Foto: Michel Wrana

Golfen ist zur Leidenschaft geworden, die Sieger auch bei Turnieren erfolgreich ausübt und den Club als Präsident anführt. Das Inselleben möchte er nicht mehr missen: „Es ist einfach sehr angenehm hier, man hat kurze Wege, lernt viele interessante Menschen kennen, Strand und Meer bleiben malerisch schön und auch zu meinen Freunden auf dem Festland habe ich immer einen guten Kontakt behalten“, fasst es der Thüler zusammen.

Im eigenen Urlaub dürfen es durchaus mal die Berge zum Skifahren sein. Doch das Meer bleibt Anziehungspunkt. So geht es vor der Hauptsaison noch ein paar Tage nach Gran Canaria. „Etwas größer und ein bisschen mehr Sonne“, beschreibt Sieger das Urlaubsdomizil augenzwinkernd. In seiner Wahlheimat lässt beides noch auf sich warten. Stattdessen machte der Wind am Montag eine Pause, am Dienstag dreht er jedoch wieder auf, „aber wir hoffen, mit keinen weiteren dramatischen Folgen".

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