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Stadtrat gibt grünes Licht für Famila-Neubau auf der früheren Hofstelle Küstermeyer

Die Bünting-Gruppe plant ein SB-Warenhaus mit integrierter "dm"-Drogerie – vis-à-vis der Lohner Fußgängerzone. Der Entscheidung war eine jahrelange, kontrovers geführte Debatte vorausgegangen.

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Brisantes Vorhaben, kontroverse Debatte: Nur über wenige Projekte wurde in der jüngeren Lohner Vergangenheit so viel diskutiert wie über die Pläne der Bünting-Gruppe für den Neubau eines Famila-Marktes auf der früheren Hofstelle Küstermeyer. Foto: Timphaus

Brisantes Vorhaben, kontroverse Debatte: Nur über wenige Projekte wurde in der jüngeren Lohner Vergangenheit so viel diskutiert wie über die Pläne der Bünting-Gruppe für den Neubau eines Famila-Marktes auf der früheren Hofstelle Küstermeyer. Foto: Timphaus

Jetzt ist es offiziell: Die Bünting-Unternehmensgruppe darf auf der früheren Hofstelle Küstermeyer in Lohne einen neuen Famila-Markt mit integrierter "dm"-Drogerie errichten. Mit den Stimmen der CDU-Mehrheitsfraktion hat der Stadtrat in seiner Sitzung am Mittwoch die erforderlichen Änderungen des Flächennutzungsplans '80 und des Bebauungsplans Nr. 20 E beschlossen. Der Neubau vis-à-vis der Lohner Fußgängerzone soll den in die Jahre gekommenen Verbrauchermarkt im Gleisbogen ersetzen. Der Entscheidung war eine jahrelange, kontrovers geführte Debatte vorausgegangen.

Konkret plant die Bünting-Gruppe, zu der Famila gehört, ein SB-Warenhaus mit 4000 Quadratmetern Verkaufsfläche und integrierter „dm“-Drogerie mit 700 Quadratmetern Verkaufsfläche. Ferner sind kleinere Shops in der Vorkassenzone mit zusammen 450 Quadratmetern Verkaufsfläche vorgesehen. Zusätzlich zu den 143 bestehenden Parkplätzen der Lidl-Filiale sollen 233 weitere Stellflächen geschaffen werden. Das Handelsunternehmen aus Leer investiert nach eigenen Angaben etwa 13 Millionen Euro.

Das Vorhaben hat eine längere Vorgeschichte. Die ersten Pläne für eine Verlagerung des Famila-Marktes stammten aus dem Jahr 2013. In der Stadtratssitzung brachten Gegner und Befürworter des Projekts noch einmal ihre Argumente vor. Dabei ging es unter anderem um das Hofgehölz, welches Eigentümer Bernd Ludwig Küstermeyer Ende des vergangenen Jahres fast vollständig hatte roden lassen, und die Folgen der Supermarkt-Ansiedlung für den innerstädtischen Verkehr. 

Famila-Neubau soll städtebaulichen Missstand beheben: Auf der früheren Hofstelle Küstermeyer sind am geplanten Supermarkt-Standort aktuell ein früheres Möbelhaus, ein ehemaliger Getränkemarkt und ein älteres Autohaus zu finden. Foto: TimphausFamila-Neubau soll "städtebaulichen Missstand" beheben: Auf der früheren Hofstelle Küstermeyer sind am geplanten Supermarkt-Standort aktuell ein früheres Möbelhaus, ein ehemaliger Getränkemarkt und ein älteres Autohaus zu finden. Foto: Timphaus

Vor dem Einstieg in die Debatte hatte der stellvertretende Bauamtsleiter Matthias Reinkober die Empfehlungen zu den eingegangenen Stellungnahmen vorgetragen. Er merkte an, dass das Projekt "öffentlich heiß diskutiert" worden sei.

Franziskus Pohlmann (parteilos) nannte die Famila-Pläne einen großen Fehler, der über Jahrzehnte hinweg nicht umkehrbar sei. Er nannte die Idee, ein Einkaufszentrum gegenüber des Schulzentrums zu errichten, ein Unding und prognostizierte eine mit Pkw "verstopfte Innenstadt" bei geschlossener Bahnlinie am Knotenpunkt Keetstraße/Dinklager Straße/Vechtaer Straße/Bakumer Straße. Der westlich der Bahn geplante Nahversorger, der an der Dinklager Straße westlich des Action-Marktes entstehen soll, sei lediglich eine "Schadensbegrenzung". Pohlmann sagte, er hätte sich mehr Weitblick bei den politischen Entscheidungen gewünscht und übte deutliche Kritik an der CDU-Fraktion. 

1200 Unterschriften gegen die Famila-Pläne

Dr. Lutz Neubauer (parteilos) übergab zunächst eine Liste mit 1200 Unterschriften, die die Bürgerinitiative "Pro Wald" gesammelt hatte, an Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer. Als Forderungen nannte er, dass Vorhaben nicht weiterzuverfolgen und den Fortbestand der Grünfläche auf der früheren Hofstelle dauerhaft zu sichern.

Dann begann er mit seiner persönlichen Aufarbeitung des Projekts. Wieder einmal, so sagte Neubauer, werde etwas dem Geld geopfert. "Das ist das größte Problem unserer Gesellschaft." Er sprach unter anderem davon, dass Lohne bundesweit führend sei, wenn es um Flächenverbrauch und den ökologischen Fußabdruck ginge. "Wir sind spitze in der Umweltzerstörung", urteilte der Südlohner. 

In der Folge brachte er seine Bewunderung für Angela Merkel (CDU) zum Ausdruck und führte verschiedene Zitate der Bundeskanzlerin ins Feld. Dann sagte Neubauer: "Die Stadt Lohne leistet ihren ständigen Beitrag dazu, den Klimawandel zu beschleunigen." Er sagte: "Ich glaube, Famila wird ein Flop werden."

Neubauer spricht von "Betrug an der Bevölkerung"

Anschließend ging er auf den alten Bebauungsplan für das Areal ein. Zwar sei rechtlich eine Änderung möglich. Dies wäre jedoch ein "Betrug an der Lohner Bevölkerung". Neubauer sprach von "grenzenlosen Unredlichkeiten" bei der Bauleitplanung und driftete in Polemik ab.

Das Baumgutachten, mit der die Rodung des Hofgehölzes begründet worden war, bezeichnete er als Parteigutachten und "von vorne bis hinten unredlich". In Richtung der CDU-Fraktion als Befürworter des Projekts sagte Neubauer: "Augen und Ohren zu verschließen, ist die schlechteste Voraussetzung für verantwortungsvolle Politik."

Standort liegt 300 Meter Luftlinie von St. Gertrud entfernt

Gerdesmeyer übernahm die Replik. Der Bürgermeister sagte, der Versuch, das Verfahren zu skandalisieren erachte er seinerseits als Skandal. Alles sei transparent abgelaufen. "Wir haben mehr als 5 Jahre über das Thema gesprochen." Die Änderung eines Bebauungsplanes sei normal, "alle wurden beteiligt und haben umfangreich ihre Einwände vorbringen können".

Gerdesmeyer hielt ein Plädoyer für den Standort, der 300 Meter Luftlinie von der Kirche St. Gertrud entfernt und damit auch Innenstadt sei. Nach Ansicht des 47-Jährigen werde der "gesamte Beritt" von den Entwicklungen profitieren und die Frequenz "an und in die Innenstadt" durch den Famila-Neubau erhöht werden.

Dann zitierte Gerdesmeyer den niedersächsischen Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz, Olaf Lies. Dieser hatte gegenüber dem Politikjournal "Rundblick Niedersachsen" geäußert, dass der Lebensmitteleinzelhandel in die Innenstädte zurückkehren müsse. Der Darstellung "im Westen verhungern Menschen", überspitzte der Bürgermeister, könne er nicht folgen. 

Rodung des Hofgehölzes wurde rechtlich geprüft

Zur Rodung führte er aus, es handle sich um eine private Maßnahme, die rechtlich geprüft und von der Kreisbehörde bewilligt worden sei. "Auch das ist Teil der Wahrheit, die von Ihnen gerne weggelassen wird", sagte Gerdesmeyer in Richtung Neubauers. Er stellt klar, dass bei der Berechnung des Naturausgleichs so verfahren werde, als ob das gesamte Gehölz noch stünde. 

Gerdesmeyer betonte nochmals, dass es darum gehe, was für Lohne das Beste sei. Er sei zuversichtlich, dass der neue Famila-Markt der gesamten Stadt guttun werde. 

"Dieses Vorhaben hat keinen Rückhalt in der Bevölkerung."Silvia Klee, Mitglied der SPD-Fraktion im Lohner Stadtrat

Silvia Klee (SPD) wies die CDU-Ratsmitglieder darauf hin, dass dies die letzte Möglichkeit sei, gegen das Projekt zu stimmen. "Dieses Vorhaben hat keinen Rückhalt in der Bevölkerung." Wie zuvor Pohlmann forderte sie eine namentliche Abstimmung. Walter Bokern (CDU) antwortete mit Blick auf die Unterschriftenaktion von "Pro Wald", dass sich nach seiner Berechnung circa 5 Prozent gegen die Famila-Pläne ausgesprochen hätten.

Walter Mennewisch (Grüne) erinnerte an die Historie, die "dieser Misere" zugrunde liege, und verwies auf die falschen Hoffnungen auf Belebung, die einst mit dem Bau des E-Centers verknüpft worden seien. Gerdesmeyer entgegnete, dass auf dem Raiffeisenplatz immer viel los sei und sagte, es sei zynisch, wenn man anführe, in Lohne sei nichts los – "aber wenn ein Auto mehr in die Innenstadt fährt, sind sofort Schüler in Gefahr". 

Der Neubau, der im nördlichen Bereich der früheren Hofstelle entsteht, ersetzt das frühere Möbelhaus Kohake, einen ehemaligen Getränkemarkt und das Autohaus Küstermeyer, das mittlerweile keine Vertragswerkstatt mehr ist. Damit werde laut Bewertung der Stadt ein "städtebaulicher Missstand" behoben.

Kompensation erfolgt auf Lohner Stadtgebiet

Der Masterplan „Famila Lohne“, den die Garten- und Landschaftsarchitekten Horeis + Blatt aus Bremen erstellt haben, sieht eine Wegachse vor, die – über die frühere Hofstelle mäandernd – eine Verbindung zwischen dem SB-Warenhaus und der Fußgängerzone herstellt. Der Hofgarten soll in eine öffentliche Grünanlage mit Aufenthalts- und Spielangeboten umgestaltet werden. Ein Hofcafé ersetzt das frühere Backhaus. 

Der Ausgleich für den gerodeten Wald erfolgt südlich der Zerhusener Straße, an der Stadtgrenze zu Steinfeld im Flurbereich der Südlohner Unteren Mark. Dort soll auf einer Fläche von 4438 Quadratmetern ein neuer Wald entstehen. Die Aufforstung erfolgt im Verhältnis 1:1,5. Außerdem ist die Einrichtung einer extensiven Grünlandfläche vorgesehen. Im Außenbereich des künftigen Supermarkt-Geländes selbst will die Bünting-Gruppe mehr als 90 Bäume neu pflanzen. Das Handelsunternehmen plant eine Grünbedachung sowie die Installation einer Photovoltaikanlage.

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