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Stadt Vechta braucht Container zur Kinderbetreuung

Der Bedarf an Betreuungsplätzen nimmt in den kommenden Jahren weiter zu. Weil die Kapazitäten in den Kindertagesstätten nicht ausreichen, sind nun zusätzliche Übergangslösungen gefragt.

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Kostspielige Notlösung: Um den steigenden Bedarf an Betreuungsplätzen kurzfristig zu decken, ist vor 2 Jahren ein Übergangsstandort in Oythe errichtet worden. Die Container sollen aufgrund des hohen Bedarfs auch nach dem Neubau der Kindertagesstätte in Telbrake bestehen bleiben. Foto: Speckmann

Kostspielige Notlösung: Um den steigenden Bedarf an Betreuungsplätzen kurzfristig zu decken, ist vor 2 Jahren ein Übergangsstandort in Oythe errichtet worden. Die Container sollen aufgrund des hohen Bedarfs auch nach dem Neubau der Kindertagesstätte in Telbrake bestehen bleiben. Foto: Speckmann

Die Stadt Vechta steht unter Zugzwang. Um der steigenden Nachfrage und damit dem Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung nachzukommen, sind weitere Plätze erforderlich. Die bereits geplanten und teilweise kurz vor der Fertigstellung stehenden Einrichtungen reichen bei Weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken. Es müssen zusätzliche Kapazitäten her. Als kostspielige Übergangslösung dienen Wohncontainer.

In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Familie, Gesundheit und Soziales hat die Stadtverwaltung die Entwicklung in der Kinderbetreuung aufgezeigt. "Zum Start des neuen Kita-Jahres können wir alle Kinder unterbringen, aber es wird nicht für das ganze Jahr reichen", sagt Fachbereichsleiterin Sandra Sollmann. Es müssten weitere Anstrengungen unternommen werden, um neue Betreuungsplätze zu schaffen.

Laut Fachdienstleiter Ralf Schillmöller stehen derzeit etwa 475 Plätze im Krippenbereich, also für Kinder bis 3 Jahren, sowie 1250 Plätze in der Altersgruppe von 3 bis 6 Jahren zur Verfügung. Den bisherigen Erfahrungen und einer regionalen Studie zufolge würden diese Kapazitäten mittel- und langfristig nicht ausreichen. Ein zusätzlicher Bedarf zeichnet sich insbesondere aufgrund der aktuellen Flüchtlingssituation ab.

Die Stadt Vechta benötigt dringend die beiden neuen Kindertagesstätten in Telbrake und Langförden. Sie sollen rechtzeitig zu Beginn des neuen Betreuungsjahres in Betrieb gehen. Die bisher als Übergangslösung dienenden Wohncontainer wären damit normalerweise hinfällig. Sie werden in diesem Sommer aber noch nicht abgebaut, sondern weiterhin zum Ausbau des Betreuungsangebotes zur Verfügung stehen.

Awo richtet Außengruppe in Oythe ein

Laut Beschluss des Fachausschusses soll an dem Übergansstandort in Oythe kurzfristig eine Kindergartengruppe eingerichtet werden. Dabei wird es sich um eine Außengruppe der Kindertagesstätte am Graskamp handeln, die sich bekanntlich in Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt (Awo) befindet. Bei entsprechendem Bedarf sei vorgesehen, eine weitere Gruppe in den vorhandenen Containern einzurichten, so die Verwaltung.

Die Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt hat sich bereit erklärt, das Grundstück weiterhin zur Verfügung zu stellen. Die Mietkosten für die Fläche und die Container beziffert die Verwaltung mit rund 90.000 Euro pro Jahr. Hinzu kommt eine einmalige Investition von 45.000 Euro für die Ausstattung der Räume. Außerdem erwartet die Kommune für den Betrieb der Gruppe ein Nettodefizit in Höhe von 60.000 Euro pro Jahr.

Um kurzfristig weitere Betreuungsplätze in Langförden schaffen zu können, sollen die Container auf dem städtischen Grundstücke an der Straße Kirchwiesen zunächst stehen bleiben. Die Container-Miete beläuft sich hier auf etwa 75.000 Euro im Jahr. Die Ausstattung kostet etwa 45.000 Euro. Für den Betrieb einer Gruppe veranschlagt die Verwaltung ebenfalls ein jährliches Nettodefizit von etwa 60.000 Euro pro Jahr.

Laut Fachdienstleiter Schillmöller haben die aktuellen Anmeldezahlen ergeben, dass bereits für das kommende Betreuungsjahr weitere Plätze in Langförden erforderlich sind. Im Neubau an der Straße Jans-Döpe soll daher neben den ohnehin schon geplanten vier Gruppen gleich zum 1. August eine zusätzliche Kleingruppe mit 10 Plätzen eingerichtet werden. Die Trägerschaft übernimmt der DRK-Kreisverband Vechta.

Weitere Bauvorhaben stehen auf der Agenda

Zur Entspannung der Lage dürfte in jedem Fall der Neubau der Kindertagesstätte in der Buddenkämpe in Vechta beitragen. Die Fertigstellung des Gebäudes durch einen privaten Investor soll in diesem Sommer erfolgen. Für das Jahr 2024 ist der Neubau der Kindertagesstätte St. Franziskus am Visbeker Damm eingeplant, sodass der bisherige Standort auf dem Gelände der Overbergschule aufgegeben werden könnte.

In den Folgejahren stehen weitere Bauvorhaben auf der Agenda: Für 2024/2025 ist eine 5-gruppige Kindertagesstätte in Vechta vorgesehen, sodass der Containerstandort der Awo aufgelöst werden könnte. 2026/2027 soll ein 4-gruppiges Haus in Bergstrup folgen. Darüber hinaus sind der Neubau einer 4- bis 6-gruppigen Einrichtung in Vechta sowie die Erweiterung der Kindertagesstätte an der Antoniusstraße angedacht.

"Wir müssen progressiv planen, um auf Container verzichten zu können. Das ist die teuerste Lösung für die Stadt.“Ausschussmitglied Dr. Frank Lammerding (SPD)

Die Verwaltung geht davon aus, dass in Zukunft noch weitere Übergangslösungen erforderlich werden. Container sind dabei trotz hoher Kosten das Mittel der Wahl. Bereits vor einigen Monaten sind mehrere Container zur Erweiterung der Kindertagesstätte St. Franziskus in Vechta aufgestellt worden. Im nächsten Jahr könnten weitere Container folgen. Die Standortfrage sei aber noch unklar, erklärt Sollmann auf Nachfrage.

„Wir müssen progressiv planen, um auf Container verzichten zu können. Das ist die teuerste Lösung für die Stadt“, meint Dr. Frank Lammerding (SPD). Ausschussmitglied Annette Wilking (CDU) fragt in diesem Zusammenhang, ob sich ein Kauf der Container lohnen würde. Laut Fachbereichsleiterin Sollmann ist angedacht, die Container weiter zu mieten, die Alternative werde aber mit den Kollegen in der Verwaltung besprochen.

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