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SPD-Kandidat setzt auf Öko-Wandel und Wechselstimmung

Der Kandidaten-Check von OM Online: Stefan Riesenbeck tritt im Landkreis Cloppenburg für die SPD an. Der 61-Jährige möchte Landrat werden.

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Fahrrad-Fan im Museumsdorf: Stefan Riesenbeck würde für das Museum im Notfall auch stärker in die Kreiskasse greifen. Foto: Kreke

Fahrrad-Fan im Museumsdorf: Stefan Riesenbeck würde für das Museum im Notfall auch stärker in die Kreiskasse greifen. Foto: Kreke

Der Kandidaten-Check von OM Online. In dieser Reihe stellen wir zur Kommunalwahl im September die Bürgermeister- und Landratskandidaten in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta vor. Das Konzept: Einen thematischen Treffpunkt darf der Kandidat wählen, den anderen bestimmt die Redaktion. In dieser Folge: der als Landrat im Kreis Cloppenburg kandidierende Stefan Riesenbeck im Talk mit Reporter Hubert Kreke.

An der Macht geschnuppert hat Stefan Riesenbeck schon einmal. Vor 7 Jahren kandidierte der Sozialpädagoge aus Cloppenburg gegen den CDU-Bürgermeister. Mit über 47 Prozent der Stimmen bescherte der Ratsherr sich und seiner Partei ein Überraschungsergebnis und dem Amtsinhaber Dr. Wolfgang Wiese eine "Zitterpartie". Kann sich Geschichte in der Politik wiederholen? Und glaubt Riesenbeck an eine 2. Chance?

Der Kandidat gibt sich optimistisch, obwohl sich SPD-Bewerber Detlef Kolde bei der letzten Landratswahl mit 24 Prozent begnügen musste. Er werde "ein sehr gutes Ergebnis" einfahren, sagt der Berufsbetreuer, denn (zumindest seine Wähler) wünschten sich einen Führungswechsel: "Die Zeit der Erbhöfe ist vorbei." Dennoch streut Riesenbeck sein Verlustrisiko: Gleichzeitig kandidiert er für den Kreistag (als einfaches Mitglied) und erneut für den Stadtrat, obwohl all das mit dem angestrebten Spitzenposten nicht vereinbar wäre. "Die Stimmen würden ja nicht verfallen", erklärt er, sondern über die Parteiliste anderen Bewerbern zugutekommen, falls er tatsächlich Landrat würde. 

Fürs 1. Interview hat sich der passionierte Radler das Museumsdorf ausgesucht, das sich gerade über seine Zukunft Gedanken machen muss: Die Direktorin geht, enttäuscht, weil 10 Millionen Euro für den Ausbau einer 50er- und 60er-Jahre-Abteilung fehlen. Um die Entwicklung "nachhaltig" abzusichern, würde Riesenbeck ohne Zögern in die Kreiskasse fassen. "Man kann nicht immer nur auf andere warten", sagt er, "man muss auch mal vorpreschen und finanziell in Vorleistung gehen, statt auf das Land zu warten", meint er.

Zumindest das abgebrannte Lager in Varrelbusch, wo wertvolle Exponate und eine Oldtimer-Sammlung vernichtet worden sind, würde der Kandidat am liebsten durch einen Neubau auch aus Kreiszuschüssen ersetzen. "In einer aktuellen Notsituation muss man auch mal sofort reagieren. Der Landkreis verfügt über ausreichend Mittel", glaubt er und fordert ein "klares Bekenntnis" zu dem  führenden Freilichtmuseum Deutschlands.

Grundsatzkritik an sozialer und wirtschaftlicher Situation im Kreis

Schnitt, Umzug vors Cloppenburger Rathaus, nächste Fragerunde. Der Kandidat wundert sich über die Standortwahl der Redaktion: "Müssten wir nicht vor dem Kreishaus stehen?", fragt er irritiert. Antwort: "Können wir am 13. September gern nachholen, wenn sich's ergibt." Riesenbeck nimmt die Frotzelei nicht übel, sondern läuft sich thematisch warm. Als er auf die soziale und wirtschaftliche Situation im Kreis kommt, sprudelt die Grundsatzkritik aus ihm heraus:  Von der "Monokultur der landwirtschaftlichen Produktion und der Fleischindustrie" müsse sich der Landkreis "allmählich abkoppeln", auch um wirtschaftlich "breiter aufgestellt zu sein". 

Die industrielle Landwirtschaft sei "ökologisch und ökonomisch nicht zukunftsfähig", ihr Umbau müsse zurück zu "bäuerlichen Familienbetrieben und Schlachtungen vor Ort" führen, "damit wir nicht länger der Schlachthof Europas sind". Die Mäster würden mit einem "unerträglichen Kostendruck belastet", das vorwiegend osteuropäische Personal schlecht bezahlt.

Vertraute Ansprechpartner für Hartz-IV-Empfänger

Riesenbeck ist, nicht nur wegen seines Berufs, von Haus aus Sozialpolitiker. Die Situation hilfloser kranker und alter Menschen begegnet dem Betreuer täglich. Eine seiner Ideen: Die Leistungsabteilung des Jobcenters sollte aufgelöst und zurück an die Städte und Gemeinden verlegt werden, damit Hartz-IV-Empfänger wieder einen kurzen Weg und einen vertrauten Ansprechpartner fänden, fordert er. "Ich weiß, dass man damit keine Wählerstimmen gewinnt", sagt er: "Aber mir ist das wichtig." Wer heute im Jobcenter anrufe, lande in "irgendeinem Call-Center", weitab von der Region und den Menschen hier, kritisiert er. Das sei gerade für Menschen, die sich Behörden häufig unterlegen fühlten, eine unnötige Belastung.

Den sozialen Wohnungsbau für Familien will Riesenbeck ergänzen um "bezahlbaren Wohnraum für Familien", die knapp mit ihrem Einkommen über den sozialen Zuschussgrenzen liegen. Diese Aufgabe müssten jedoch vor allem die Städte und Gemeinden erfüllen, räumt er ein, denn sie haben Zugriff auf das Bauland und  die Regeln, die in den Bebauungsplänen aufgestellt werden. Die Macht des Landrats endet hier, die der Ratsmitglieder beginnt dort. Auch im Cloppenburger Rathaus, glaubt der Kandidat.


Zur Person:

  • Stefan Riesenbeck (61) ist in Cloppenburg geboren und hat 3 erwachsene Kinder.
  • Der Soziälpädagoge, der selbstständig als gesetzlicher Betreuer arbeitet, war einst beim Offizialat in Vechta als Referent für politische Bildung tätig.
  • Seit 2006 gehört er dem Kreistag an, seit 2016 dem Cloppenburger Rat.

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