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Spaziergänger werden vereinzelt von Gegnern beschimpft

Ganze 23 Kritiker der Corona-Maßnahmen starteten am Montag in Vechta ihren Rundgang und stießen wieder auf viele Impfstationen. In Cloppenburg demonstrierten aber rund 150 Personen.

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Spaziergänger wechseln die Straßenseite, um "Impfstationen" aus dem Weg zu gehen. Foto: M. Niehues

Spaziergänger wechseln die Straßenseite, um "Impfstationen" aus dem Weg zu gehen. Foto: M. Niehues

Es ist ein wenig so wie beim Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Allerdings findet das Katz-und-Maus-Spiel zwischen den Kritikerin der Corona-Maßnahmen, der Polizei und Gruppen, die sich in Vechta gegen die sogenannten Spaziergänger positionieren, immer montags statt. Bilder und Szenarien gleichen sich, nur wird die Stimmung etwas aggressiver. Das war am gestrigen Montagabend in Vechta zu spüren. Die Spaziergänger wurden zum Teil mit drastischen Ausdrücken beschimpft.

Spaziergänger müssen sich auch Beschimpfungen anhören

Gegen 19 Uhr versammelten sich die Kritiker der Corona-Politik, darunter 3 bekannte AfD-Politiker, gegenüber der Elmendorffburg. Begleitet von mehreren Streifenwagen und Blaulicht zogen zu Beginn 23 „Spaziergänger“ über die Große Straße und wurden immer wieder über Lautsprecherdurchsagen von der Polizei auf das Versammlungsrecht und die einzuhaltenden Vorschriften hingewiesen. Hier stießen die Demonstranten, wie schon in der Woche zuvor, auf Impfstationen, die vom Verein Contra organisiert wurden. Beteiligt daran waren Parteien wie die SPD und die Grünen sowie der DGB Kreisverband Vechta, die Partnerschaft für Demokratie Vechta und weitere Gruppierungen.

Julian Hülsmann, Koordinator des Projektes „Partnerschaft für Demokratie“, war mit einem Stand am Alten Markt vertreten, hatte Flyer verschiedenster Angebote ausgelegt. „Wir wollen mit den Leuten ins Gespräch kommen“, sagte er. Demonstrieren sei ein Bürgerrecht. Wissen müsse man aber schon, mit wem man auf die Straße gehe. Wichtig sei es, ohne Vorurteile auf einander zuzugehen. Hülsmann befürchtet, dass Teilnehmer der Montagsspaziergänge jedoch Vorurteile hegen, weil sie sich einseitig informieren. „Das Problem ist, dass Meinungen zu Wahrheiten gemacht werden“, betonte er.

Gegendemonstranten beschallen die Spaziergänger in Vechta mit antifaschistischer Musik. Foto: M. NiehuesGegendemonstranten beschallen die Spaziergänger in Vechta mit antifaschistischer Musik. Foto: M. Niehues

Zum gewünschten Dialog kam es am Montagabend nicht. Als sich die Spaziergänger dem Stand der Partnerschaft für Demokratie näherten, eilten Teilnehmer andere Gruppierungen herbei, unter anderem mit einer dröhnenden Lautsprecherbox. „Alerta alerta antifascista“, ertönte es immer wieder. Zusätzlich gab es beleidigende Rufe wie beispielsweise "feige Schweine" in Richtung der Spaziergänger, als diese Richtung Neuer Markt abbogen. Ein AfD-Politiker, der mit größerem Abstand der Gruppe folgte, durfte sich noch ein "hau ab, du Nazi" anhören. "Ihr habt schon immer den Anschluss verloren", tönte ein anderer mit Gelächter hinterher.

Der Ton seitens derjenigen, die ein Zeichen gegen Querdenker setzen wollen, wird zum Teil rauer. Als die Spaziergänger am Montagabend bewusst die Straßenseite wechselten, um nicht mit den Impfstationen verschiedenster Gruppen konfrontiert zu werden, folgten zum Teil auch genau jene auf die andere Seite. Verfolgt wurden die Spaziergänger zudem von den Leuten mit der lauten Box, die antifaschistische Musik abspielte.

Von den einst rund 150 Teilnehmern der Montagsspaziergänge sind nur noch zwei Dutzend übrig geblieben. Mütter mit Kinderwagen sind längst nicht mehr dabei. Geblieben ist ein harter Kern, dessen genaue Ansichten und Haltungen nicht bekannt sind. Denn sie tragen meist weder Transparente noch geben sie Parolen von sich. Eine Teilnehmerin der Spaziergänge fühlt sich bedrängt von den Gegnern und von der Polizei. Zumal sie die Stärke der Einsatzkräfte für unverhältnismäßig erachte. „Hier wird eine Minderheit diskriminiert“, sagt sie und fordert weniger Hass und Hetzte. „Ich möchte auch Menschen schützen“, betont sie. Gemeint ist hier aber, dass sie andere vor dem Impfen bewahren möchte. Sie ist überzeugt, dass die Impfstoffe Gift sind. „Die Unversehrtheit meines Körpers geht mir vor, ich habe mich gegen jede Impfung entschieden“, so die Vechtaerin, die ungenannt bleiben möchte. Als Grund gibt sie an, schon genug beschimpft zu werden. Kirche, Kino, Konzerte, als sei für sie als Ungeimpfte nicht mehr möglich. Der Stress beim Einkaufen in Geschäften sei schwer erträglich. Oft werde sie als Nicht-Geimpfte rausgeworfen, beklagt sie.

"Gott hat mich perfekt erschaffen"

Der Spaziergang, so die Vechtaerin, diene dazu, auf Corona-Themen aufmerksam zu machen. „Wir wollen nicht Öl ins Feuer gießen, wir wollen Frieden.“ Von der Polizei fühlt sie sich drangsaliert. Wenn sie kontrolliert wird, zeigt sie den Beamten eine selbst verfasste Erklärung vor. Darin steht unter anderem, dass sie die Corona-Maßnahmen als verfassungswidrig ansieht. „Ich rufe hiermit die Regierung zur Ordnung auf“, heißt es. „Ich werde Strafantrag stellen, wenn mich jemand nötigen sollte.“ Warum sie nicht geimpft werden möchte, begründet sie in ihrem Schreiben so: „Gott hat mich perfekt erschaffen. Ich brauche keinen Impfstoff.“ Ihre Erklärung hat ihr bisher aber bei den Demos wenig genützt. Nach eigenen Angaben hat die Spaziergängerin bisher 5 Ordnungswidrigkeitenanzeigen kassiert.

Dass sie als Teilnehmerin der Montagsspaziergänge automatisch von Gegnern in die rechte Ecke gedrückt wird, stört sie. „Ich bin in keiner Partei, ich wähle keine Partei“, erklärt die Vechtaerin und stört sich nicht daran, dass bei den Spaziergängen auch Flugblätter verteilt wurden, die von rechten Organisationen unterzeichnet sind, welche vom Verfassungsschutz beobachtet werden. „Wenn die Aussage korrekt ist und wenn ich das auch so empfinde, dann spielt es keine Rolle, woher das kommt“, gibt sie sich überzeugt.

Die Polizei zog in Cloppenburg einzelne Teilnehmer heraus und wies auf die Maskenpflicht hin. Zudem wurden Personalien aufgenommen. Foto: HermesDie Polizei zog in Cloppenburg einzelne Teilnehmer heraus und wies auf die Maskenpflicht hin. Zudem wurden Personalien aufgenommen. Foto: Hermes

Bei der Demo in Vechta gab es außer dem Platzverweis eines AfD-Politikers laut Polizei keine besonderen Vorkommnisse. Auch in Goldenstedt waren nach Angaben der Einsatzleitung rund 20 coronakritische Demonstranten unterwegs, rund 40 Bürger setzten dagegen ein Zeichen. In Neuenkirchen-Vörden stellten die Beamten genau einen Corona-Kritiker fest. Hier kam es also zu keiner Versammlung. In Cloppenburg dagegen kamen rund 150 Kritiker beim Rathaus zusammen. Die Polizei erklärte über Lautsprecher den Spaziergang zu einer Versammlung, ein Veranstaltungsleiter wurde jedoch vergeblich gesucht. Anschließend setzten sich die Teilnehmer in Bewegung. Sie liefen in Kleingruppen, teilweise mit Kerzen in der Hand, durch die Stadt.

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