Über 200 Hauseigentümer im Landkreis haben den „Solar-Check“ schon genutzt. Jetzt zieht die unabhängige Beratung größere Kreise. Für die heute startende Neuauflage haben die Stadt und der Landkreis die Verbraucher-Zentrale mit ihrem Experten-Pool ins Boot geholt. Eigentümer von Ein- oder Zweifamilienhäusern können sich ab sofort bis zum 15. Juli für eine der 100 zu vergebenden „Hausbesuche“ der Solar-Profis anmelden.
"Die Berater erzählen keine fertigen Geschichten, sondern beantworten Fragen.“
Stefan Sandker, Solar-Beaufragter des Landkreises
Zu den Kosten der etwa anderthalbstündigen Beratung zahlen sie lediglich einen Obolus von 30 Euro. Der tatsächliche Wert liegt bei 285 Euro. Hinterher erhalten die Hausbesitzer einen schriftlichen Bericht mit den Ergebnissen und Info-Material über Förderchancen. Die Empfehlungen sind auf jedes einzelne Haus abgestimmt, aber nicht verpflichtend. „Die Berater erzählen keine fertigen Geschichten, sondern beantworten Fragen“, betonte Stefan Sandker, der Beaufragte des Landkreises, gestern bei der Auftaktveranstaltung des Solar-Checks 2020.
Experten sind nicht an Produkt oder Unternehmen gebunden
Seine Behörde hat sich an die Pionierarbeit der Stadt angehängt und arbeitet mit der Cloppenburger Klimaschutz-Managerin Wiebke Böckmann zusammen. Die Berater, die sie vermitteln, sind an keinen Hersteller, an kein Produkt oder gar an ein Unternehmen gebunden. Damit lieferten die Experten „eine gute und unabhängige Grundlage“, um in eigener Verantwortung über den Einsatz von Photovoltaik oder Solarkollektoren zu entscheiden, meinte Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese. Die Auswertungen bieten die Chance, gezielter auf spezialisierte Handwerksunternehmen und die Fördermöglichkeiten zuzugehen.
So sei es einfacher, im Gestrüpp der jährlich geänderten kfw-Programme den Überblick zu finden und seinen eigenen Weg einzuschlagen, sagte Sandker. Die Ergebnisse zahlen sich offenbar aus: Um privat Strom- und Heizkosten einzusparen, haben Hauseigentümer in Cloppenburg allein im vergangenen Jahr 1,4 Megawatt Energie aus neuen Photovoltaik-Anlagen oder Sonnenkollektoren gezogen.
Im Kreis Cloppenburg summierte sich die neu installierte Leistung auf rund 18,3 Megawatt. Das hat die Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen ermittelt, die den Solar-Check begleitet. Mit steigenden Energiekosten und hohen Förderungen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (kfw) lohne sich die Installation häufig rasch, erklärte Böckmann.
- Info: Kontakt: Wiebke Böckmann (Tel. 185328, boeckmann@cloppenburg.de) Stefan Sandker (Tel. 04471-15731, sandker@lkclp.de
Fakten:
- Wer sich zur Solarberatung anmeldet, erhält einen Rückruf seines Experten und kann dann einen Termin vereinbaren.
- Die Fachleute der Verbraucherzentrale prüfen unter anderem das Dach, die Verschattung, die bestehende Heizungsanlage und die Anschlussmöglichkeiten. Auch der eigene Strom- und Heizbedarf wird einbezogen.
- Strom vom eigenen Dach lohnt sich, weil die Preise für Solarmodule sinken. Laut Energieagentur Niedersachsen kostet die selbst erzeugte Kilowattstunde zehn bis zwölf Cent. Die Stromanbieter verlangen im Schnitt 30 Cent.
- Die Einsparung ist am größten, wenn der erzeugte Strom selbst verbraucht wird. Denn für die Einspeisung ins Netz gibt‘s nur etwa neun Cent.
- Der aktuelle Stand des Solarstroms in Cloppenburg: In der Stadt werden 22,3 Megawatt erzeugt, im Landkreis rund 295 Megawatt. Tendenz: trotz gesunkener Einspeisevergütung immer noch steigend.