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So haben die Benediktinerinnen die Ökonomie auf Burg Dinklage saniert

Von der Renovierung profitieren sowohl die 4000 jährlichen Übernachtungsgäste als auch die Abtei selbst. Sie deckt dank neuer PV-Module ihren Stromverbrauch demnächst nämlich selbst ab.

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Sie hatte die Arbeiten am Gästehaus im Blick: Projektleiterin Schwester Johanna Wiese. Foto: böckmann

Sie hatte die Arbeiten am Gästehaus im Blick: Projektleiterin Schwester Johanna Wiese. Foto: böckmann

Die Module für die Photovoltaik-Anlage sind jetzt auf dem Dach montiert, die Elektroarbeiten abgeschlossen und die Zimmer renoviert: Die Benediktinerinnen-Abtei hat die Renovierungsarbeiten für ihre Ökonomie, dem Gästehaus der Burg Dinklage, bis auf ein paar Kleinigkeiten abgeschlossen. Seit Anfang August können Besucher wieder die 10 Zimmer mit ihren insgesamt 15 Betten nutzen. "Wir sind zufrieden, wie die Arbeiten verlaufen und nun beendet sind", sagt Projektleiterin Schwester Johanna Wiese und lächelt.

Doch warum waren die Arbeiten an dem jüngsten Gebäude auf der Burganlage, das 1978 nach einem Brand wiederhergerichtet worden war, überhaupt nötig? Die Sanierung des Daches stand schon länger auf der Agenda der Abtei. Der Grund: Vor allem die Velux-Dachflächenfenster aus den 1990er Jahren wurden im Laufe der vergangenen Jahre undicht. Die Dachlatten waren deshalb durchfeuchtet. "Wir mussten etwas tun", sagt Schwester Johanna.

Altes wird mit Neuem kombiniert

Nach einem längeren Abwägungsprozess entschieden sich Benediktinerinnen schließlich, auch weitere Bereiche im Gästehaus zu renovieren und energetisch auf den neuesten Stand zu bringen. "Wir haben dabei immer die gesamte Anlage im Blick." Dabei galt es, mit Blick auf die Kosten einen Spagat zu wagen "zwischen Neuerungen, die schön wären, und denen, die unbedingt notwendig sind", erzählt Schwester Johanna. Außerdem sollte Altes mit Neuem kombiniert werden. 

Das Ergebnis sah schließlich eine Erneuerung des Hauses, aber keine Kernsanierung vor. Alle Bäder und Schlafzimmer wurden renoviert und neu ausgestattet, Trinkwasserleitungen neu verlegt. Außerdem gibt es jetzt auch ein behindertengerechtes Bad. Neben Handwerkern aus Dinklage und dem Umkreis leisteten auch die Mitarbeitenden des Klosters viele Arbeitsstunden.

Schwester Johanna, die als studierte Architektin einen besonderen Blick auf die Arbeiten hatte, freut sich besonders über eine zweite Photovoltaik-Anlage (PV) mit 62 Modulen auf dem oberen, südlichen Dachbereich der Ökonomie. Diese wird mit der Hauptfläche auf der Martinsscheune und der Hackschnitzelheizung verknüpft sein, erklärt Schwester Johanna.

"Unser Ziel ist es, dadurch einen Großteil unseres Stromverbrauches künftig selbst abdecken zu können." Mit dem Überschuss wolle die Abtei dann künftig das Warmwasser erhitzen.  "Wir sind sehr froh, unser Energetisches Nachhaltigkeitskonzept, das wir seit 2010 Schritt für Schritt angehen, erweitern zu können." Schwester Johanna ist sehr erleichtert, dass die Planungen für die energetischen Maßnahmen (Dachsanierung und PV-Anlage) noch Ausbruch des Ukraine-Kriegs und ihren Folgen gestartet wurden.

Von der renovierten Ökonomie profitieren nun die Gäste. Die Zimmer  sind ausgebucht. 4000 Übernachtungen jährlich zählt die Ökonomie laut Schwester Johanna. Das Spektrum der Besucher sei dabei total unterschiedlich. Die Gäste kommen aus ganz Deutschland und dank des benediktinischen Netzwerkes aus ganz Europa. Manche sind jung, manche alt, es sind Familien oder Klostergäste; meist allerdings sind alle auf der Suche nach guten Gesprächen und Stille. Oder sie kehren als Gäste für die "Ora-et-labora"-Tage ein. Dabei gebe es auch viele Stammbesucher. Auch für Tagungen und Seminare oder Pastoralreferenten in Ausbildung wird die Ökonomie genutzt.

Über die genauen Kosten möchte Schwester Johanna keine Angaben machen. Nur so viel: Die Investitionen im Innenbereich seien zu mehr als der Hälfte vom „BurgKreis – Freundes- und Förderverein Burg Dinklage“ sowie durch weiteren Spenden gedeckt worden. Trotzdem bleiben für die Abtei 80.000 Euro an Kosten übrig, rechnet Schwester Johanna vor. Spenden seien deshalb willkommen. Für die Dachsanierung gibt es KfW-Zuschüsse.

Alle Fotos: Schwester Johanna Wiese

Die Burggräften sind entschlammt, das Gästehaus saniert – welches Projekt steht als Nächstes auf Burg Dinklage an? Die Finanzierung dieser Maßnahmen sei "eine riesige Belastung", sagt Schwester Johanna Wiese. "Wir werden jetzt auf jeden Fall eine längere Sanierungspause einlegen müssen und hoffen, dass die Burganlage nicht querschießt!"


Zum geschichtlichen Hintergrund

Das Gästehaus oder die Ökonomie gegenüber der Burg beherbergt seit 1999 Gäste. Ursprünglich stand an dieser Stelle der Galensche Wirtschaftshof, auf dem immer eine Pächterfamilie lebte. In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre kam es zu einem Brand und 1978 wurde das Hauptgebäude mit Remisen nach alten Maßen neu aufgebaut. 1983 übernahmen zuerst die Stadt Dinklage und dann das Offizialat das Gebäude. 1985 nutzte es Benediktinerinnen-Abtei als Bildungs- und Exerzitienhaus; dieses wird 1999 geschlossen. Die Ökonomie gehört zu den „jüngsten“ Gebäuden auf Burg Dinklage und steht nicht unter Denkmalschutz.

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