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So fällt die Kriminalstatistik der Polizeidirektion Oldenburg für das Jahr 2025 aus

Insgesamt weniger Straftaten, aber erneut mehr Fälle häuslicher Gewalt: Hier geht es zum Überblick.

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Symbolfoto: dpa

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Weniger Straftaten, eine hohe Aufklärungsquote, aber erneut mehr Fälle häuslicher Gewalt sowie ein hohes Niveau an Rohheitsdelikten: So fällt die Bilanz der Kriminalstatistik der Polizeidirektion Oldenburg für das Jahr 2025 aus.

Die Direktion registrierte laut Mitteilung im vergangenen Jahr 88.844 Straftaten (2024: 91.698 Fälle). Die Zahl der registrierten Straftaten ist damit um 2854, beziehungsweise 3,1 Prozent gesunken. Das Straftatenaufkommen liege damit auf dem Niveau des Jahres 2020. Die Aufklärungsquote betrage 64,89 Prozent und sei damit auf einem hohen Niveau: Mehr als sechs von zehn Straftaten würden von der Polizei aufgeklärt.

Die sogenannte Häufigkeitszahl – ein Erkennungswert für die Sicherheitslage, der die Anzahl registrierter Straftaten pro 100.000 Einwohner angibt – liegt im Bereich der Direktion Oldenburg bei 4995 und damit – mit Ausnahme des Corona-Jahres 2020 – auf dem niedrigsten Stand der vergangenen Jahrzehnte, heißt es weiter in der Mitteilung.

„Die Zahlen zeigen, dass die Menschen in unserer Region in einer sicheren Umgebung leben, und sind Ausdruck der guten Polizeiarbeit, die von den mehr als 4000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern tagtäglich im Bereich der PD Oldenburg geleistet wird“, wird Polizeipräsident Andreas Sagehorn zitiert. „Festzustellen bleibt aber auch, dass das Sicherheitsempfinden der Bürgerinnen und Bürger eine immer wichtigere Rolle in der Bewertung polizeilicher Arbeit einnimmt. Das gesellschaftliche Zusammenleben steht vor einer Zerreißprobe. Globale Krisen, eine zunehmende Polarisierung, eine abnehmende Kompromiss- und Dialogbereitschaft sowie eine deutlich wahrnehmbare rechtspopulistische Inszenierung einer Unsicherheitslage beeinflussen das Sicherheitsempfinden der Menschen. Hier gilt es auch von polizeilicher Seite aus entgegenzuwirken.“

Die Zahlen im Überblick:

Details zu Opfern und Tatverdächtigen: 23.934 Menschen sind nach Angaben der Beamten im Jahr 2025 Opfer von Straftaten geworden. Die Opferzahlen sind im Vergleich zum Vorjahr um 1,8 Prozent zurückgegangen. Trotz dieses leichten Rückgangs sei weiterhin „ein hohes Niveau bei der Gewaltbereitschaft im gesellschaftlichen Zusammenleben zu erkennen“.

Die Zahl der Tatverdächtigen blieb laut Mitteilung auf dem Niveau des Vorjahres und verringerte sich marginal von 42.672 im Jahr 2024 auf 42.604. Bei knapp einem Drittel (31,95 %) der Tatverdächtigen handele es sich um nicht deutsche Staatsangehörige. Die Gesamtzahl der nicht deutschen Tatverdächtigen stieg nach Angaben der Polizei von 2024 (13.042) zu 13.613 im Jahr 2025 leicht an.

Mehr als drei Viertel (78,16 Prozent) aller tatverdächtigen Personen waren laut Mitteilung 21 Jahre und älter (33.301). Anhaltend hoch ist daneben die Zahl der tatverdächtigen Kinder (0 bis 14 Jahre): 2147 tatverdächtige Personen dieser Altersspanne bedeuten im Vergleich mit dem Vor-Corona-Jahr 2019 (1572) eine Zunahme von 40,60 Prozent. Es wird darauf hingewiesen, dass Personen unter 14 Jahren nicht strafmündig sind.


Der Blick auf einzelne Deliktsbereiche

Gewaltkriminalität – Vorbemerkung: In der Polizeilichen Kriminalstatistik werden unter „Gewaltkriminalität“ alle Tötungsdelikte, aber auch Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, bestimmte Raubdelikte, Geiselnahmen und schwere und gefährliche Körperverletzungen zusammengefasst. Der Begriff „Rohheitsdelikte“ fußt auf einer anderen Definition, unter ihm werden beispielsweise sämtliche Arten von Raub- und Körperverletzungsdelikten sowie Bedrohungen subsumiert.

„Wir benötigen als Gesellschaft ein gemeinsames Verständnis darüber, dass Gewalt niemals ein Problemlöser sein kann.“

Polizeivizepräsident Arne Schmidt

Im Zusammenleben der Menschen gibt es immer häufiger Konflikte verbaler und körperlicher Art. Diese gesamtgesellschaftliche Entwicklung spiegele sich auch in der Polizeilichen Kriminalstatistik wider. Mit 3565 Fällen bewegte sich die Zahl der Gewaltdelikte auf ähnlichem Niveau wie im Vorjahr (3644). Im Bereich der Rohheitsdelikte sind die Fallzahlen mit 17.039 registrierten Fällen ebenfalls weiterhin auf einem hohen Niveau. Die Aufklärungsquote liegt in diesem Bereich bei mehr als 91 Prozent, schreibt die Polizei.

„Die Tendenz, Konflikte mit Gewalt statt mit Worten auszutragen, ist eine Entwicklung, die wir sehr ernst nehmen und die uns auch als Polizei vor Herausforderungen stellt“, sagt Polizeivizepräsident Arne Schmidt und hält fest: „Wir benötigen als Gesellschaft ein gemeinsames Verständnis darüber, dass Gewalt niemals ein Problemlöser sein kann.“

Ein erheblicher Rückgang zeige sich bei den Straftaten gegen das Leben. Hier registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 59 Fälle – im Vorjahr waren es noch 103. Das entspricht einer Abnahme von mehr als 42 Prozent. In 584 Fällen kam bei Gewaltdelikten das Tatmittel Messer zum Einsatz. Dies ist ein Anstieg um 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2024: 543) und bestätigt die Entwicklung der vergangenen Jahre in Bezug auf dieses Tatmittel.


Häusliche Gewalt: Häusliche Gewalt bleibt ein besonders sensibler und zugleich wachsender Kriminalitätsbereich. Auch im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Oldenburg seien die Fallzahlen erneut angestiegen. Im Jahr 2025 registrierte die Polizei 6050 Fälle, im Vorjahr waren es 5774 Taten. Das entspricht einem Zuwachs von 276 Fällen, beziehungsweise etwa 4,8 Prozent. Zur häuslichen Gewalt zählen sowohl Partnerschaftsgewalt als auch innerfamiliäre Gewalt.

Der überwiegende Teil der Taten ereignet sich weiterhin in Partnerschaften. In 3589 Fällen (59,3 Prozent) richtete sich die Gewalt gegen aktuelle oder ehemalige Partnerinnen und Partner.

„Häusliche Gewalt bleibt ein anwachsendes Problem in unserer Gesellschaft, welches aber oft unsichtbar bleibt – denn sie geschieht häufig hinter verschlossenen Türen.“

Polizeipräsident Andreas Sagehorn

Insgesamt registrierten die Beamten 5966 Opfer häuslicher Gewalt. 4108 der Opfer waren weiblich, was einem Anteil von 68,9 Prozent entspricht. Frauen sind damit deutlich häufiger von häuslicher Gewalt betroffen. Unter den Tatverdächtigen machen Männer weiterhin den größten Anteil aus.

„Häusliche Gewalt bleibt ein anwachsendes Problem in unserer Gesellschaft, welches aber oft unsichtbar bleibt – denn sie geschieht häufig hinter verschlossenen Türen“, wird Polizeipräsident Andreas Sagehorn zitiert: „Viele Taten werden immer noch aus Angst, Scham oder aus wirtschaftlicher oder emotionaler Abhängigkeit nicht angezeigt. Ich appelliere dennoch an alle Betroffenen: Bitte melden Sie sich bei der Polizei! Nur so können wir dieses Gewaltphänomen zurückdrängen.“

Die polizeilichen Zahlen bilden das sogenannte Hellfeld ab – also die Fälle, die den Strafverfolgungsbehörden tatsächlich bekannt werden. Fachleute gehen davon aus, dass das tatsächliche Ausmaß deutlich höher liegt.


Diebstahl- und Wohnungseinbrüche: Die Zahl der Diebstähle ist weniger geworden. Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr 28.999 Fälle – im Jahr zuvor waren es noch 30.626. Das entspricht einem Rückgang von 5,3 Prozent. Dennoch stellen laut Mitteilung Diebstahlsdelikte weiterhin den größten Anteil der registrierten Straftaten dar – rund ein Drittel aller Delikte entfällt auf diesen Bereich.

Gleichzeitig zeige sich beim Wohnungseinbruchdiebstahl eine gegenläufige Entwicklung: Hier sei im Vergleich zum Vorjahr (1490) ein Anstieg der Fallzahlen um 10,4 Prozent auf 1645 zu beobachten. Auf einen längeren Zeitraum betrachtet, ist die aktuelle Zahl an Wohnungseinbrüchen jedoch nur halb so hoch wie vor 10 Jahren (2016: 3652). Fast jede zweite Tat bleibt dabei im Versuchsstadium stecken.


Gewalt gegen Einsatzkräfte: Die Anzahl der Straftaten, bei denen Einsatzkräfte der Feuerwehren und der Rettungsdienste Opfer von körperlicher oder verbaler Gewalt geworden sind, ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen. So wurden im Jahr 2025 elf Fälle von Gewalt gegen Feuerwehrkräfte verzeichnet (2024: 10). In 87 Fällen waren Angehörige der Rettungsdienste Opfer von Gewalt (2024: 47). Die Fallzahlen im Zusammenhang mit Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und -beamte sind dagegen im vergangenen Jahr um 12,9 Prozentpunkte zurückgegangen: 628 Fälle im Vergleich zu 721 Fällen im Jahr 2024. Dennoch ist die Zahl die dritthöchste im Gesamtvergleich der vergangenen 10 Jahre.

Die nach wie vor hohe Gewaltbereitschaft gegenüber Einsatzkräften kommentiert Polizeipräsident Andreas Sagehorn mit deutlichen Worten: „Die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei setzen sich Tag für Tag und Nacht für Nacht für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger in unserem Land ein. Sie sind wichtige Säulen in unserem gesellschaftlichen Zusammenleben“, sagte Andreas Sagehorn: „Ich will und werde es nicht akzeptieren, dass es derart viele Menschen gibt, die unseren Einsatzkräften keinerlei Respekt mehr entgegenbringen, sie beleidigen, bespucken, treten oder schlagen. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, diese Entwicklung aufzuhalten – dazu ist es wichtig, dass diese Taten strafrechtlich konsequent verfolgt werden.“


Vermögens- und Fälschungsdelikte: Während die Zahl der Deliktsbereiche zurückgeht, steigen die Zahlen bei den Vermögens- und Fälschungsdelikten. Insgesamt registrierte die Polizei in diesem Bereich 15.441 Straftaten, was einem Anstieg von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr (14.868) entspricht. Zu dieser Deliktsgruppe zählen unter anderem verschiedene Betrugsformen, Urkundenfälschungen oder Kreditkartenmissbrauch.

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