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Rocker droht in Vechtaer Bordell mit Waffe

Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt wegen Bedrohung und Verstoßes gegen das Waffengesetz.

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Showlaufen in der Kreisstadt: Im August 2018 marschierte eine etwa 50-köpfige Gremium-Gruppe aus verschiedensten Orten über den Stoppelmarkt, um Stärke zu demonstrieren. Foto: M. Niehues

Showlaufen in der Kreisstadt: Im August 2018 marschierte eine etwa 50-köpfige Gremium-Gruppe aus verschiedensten Orten über den Stoppelmarkt, um Stärke zu demonstrieren. Foto: M. Niehues

Die Szenerie wirkt äußerst bedrohlich. Ein Mann zieht in einem Vechtaer Bordell plötzlich eine Schusswaffe, lädt sie demonstrativ durch, als wolle er schießen. Dann drückt er dem Mitarbeiter des Rotlichtbetriebs eine scharfe Patrone in die Hand und droht: „Die nächste ist für dich.“

Den Vorfall, den die Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta bisher nicht mitgeteilt hatte und sich so vor wenigen Wochen ereignet haben soll, steht mal wieder in Zusammenhang mit gewaltbereiten Rockern des Gremium MC. Die zuständige Staatsanwaltschaft Oldenburg teilt dazu auf Anfrage lediglich mit, dass sie ein Verfahren gegen einen 31-jährigen Beschuldigten wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Waffengesetz und der Bedrohung führt. „Die Ermittlungen dauern derzeit noch an“, sagt dazu Sprecherin Nicole Nadermann.

Tatsächlich handelt es sich nach Informationen dieser Zeitung bei dem 31-Jährigen um den sogenannten Security-Chief des Chapters Gremium MC Vechta.

Kriminalbeamte durchsuchten wenig später dessen Wohnung im Raum Barnstorf und sollen tatsächlich eine Waffe im Kühlschrank des Mannes gefunden haben – allerdings nur eine Schreckschusspistole – sowie eine Kutte des Gremium MC, dessen Tragen in der Öffentlichkeit verboten ist. Dafür wurde im Bordell beim Aufräumen zudem eine zweite Patrone entdeckt.

Fraglich ist jetzt, ob der Rocker in dem Etablissement nur mit der Schreckschusswaffe hantiert und die Schießfähigkeit vorgetäuscht hat, oder ob er vor Ort tatsächlich eine scharfe Pistole dabei hatte. Unstrittig soll aber sein, dass der Mann mit seinem Auftritt vor allem Eindruck schinden wollte.

Tatsächlich versuchen gewaltbereite Rockergruppierungen, die sogenannten Einprozenter, immer wieder Macht und Einfluss nach außen zu demonstrieren und beanspruchen Gebiete wie beispielsweise den Landkreis Vechta für sich. Gruppierungen wie beispielsweise die des Gremium MC und der Hells Angels fallen dabei immer wieder durch gewalttätige Auseinandersetzungen und Machtgehabe auf.

Erst vor einem Jahr kam es zu blutigen Schlägereien im Vechtaer Kneipenviertel an der Großen Straße. In und vor einer Bar ging es zur Sache, Schlagstöcke sollen dabei zum Einsatz gekommen sein. Auch hier waren Gremium-Rocker am Werk. Besonders schlimm erwischte es einen Gast und einen Türsteher, der den Rockern den Zutritt zur Gaststätte verweigern wollte. Sechs Tatverdächtige hatte die Polizei damals ermittelt. Bei der anschließenden Durchsuchung des Autos eines Gremium-Mitgliedes fanden die Beamten Drogen, Springmesser und sogar scharfe Schusswaffenmunition. Auch im aktuellen Fall versuchte der tatverdächtige Rocker mit scharfer Munition seine Interessen durchzusetzen. Eine Prostituierte berichtete nach Informationen dieser Zeitung sogar, der Rocker habe ihr eine Pistole an den Kopf gehalten.

Der jetzige bedrohliche Auftritt des Rockers im Vechtaer Rotlichtbetrieb soll einen Hintergrund haben. Der Mann wollte möglicherweise klarstellen, wer in Vechta das Sagen hat. Denn einige Zeit vorher hatte eine Gruppe des Gremium MC gemeinsam das Etablissement besucht. Dann geriet die Truppe an eine ebenfalls anwesende Gruppe kurdischer Männer, die sich dort vergnügen wollte. Es kam zum Streit. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie beide Gruppen nach draußen gehen. Waffen sind nicht zu erkennen. Zu sehen ist aber, wie ein Mann auf den anderen eintritt. Obwohl sie sich in der Minderzahl befanden, schafften die Kurden es, die Gremium-Gruppe in die Flucht zu schlagen.

Das, so heißt es in Rockerkreisen, habe das Gremium MC Vechta nicht auf sich sitzen lassen wollen.

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