Restaurants und Cafés machen dicht
Land und Landkreis wollen mit weiteren Einschränkungen die Ausbreitung des Coronavirus eindämmen. Menschenansammlungen sollen vermieden werden.
Matthias Niehues | 21.03.2020
Land und Landkreis wollen mit weiteren Einschränkungen die Ausbreitung des Coronavirus eindämmen. Menschenansammlungen sollen vermieden werden.
Matthias Niehues | 21.03.2020

In jedem Ort des Kreises gibt es Kontrollen – hier August Blömer (links) und Frank Soika gestern in Dinklage. Foto: M. Niehues
Die Ereignisse überschlugen sich am gestrigen Freitag. Während sich Landrat Herbert Winkel mit den Bürgermeistern und Ordnungsamtsleitern beriet, wie die Einhaltung der jüngsten Allgemeinverfügung zum Coronavirus kontrolliert werden kann, verkündete Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil(SPD) bereits die nächste Verschärfung. Nun sollen Restaurants, Speisegaststätten und Cafés nicht mehr öffnen dürfen. Nur noch der Außerhausverkauf ist jetzt gestattet. Weil begründet die Maßnahme mit der dynamischen Entwicklung der Neuinfektionen in Niedersachsen. Die gelte es, deutlich zu reduzieren. Er sei sich der erheblichen Einschränkung im täglichen Leben bewusst. Aber es müsse verhindert werden, dass zu viele Menschen sich in einem Raum zusammen finden würden. Die Ansteckungsgefahr sei sonst zu hoch. Zugleich sprach sich Weil gegen eine befürchtete Ausgangssperre aus. Denn dann dürften Menschen auch nicht mehr die Wohnung verlassen, um alleine oder mit der Familie an der frischen Luft spazieren zu gehen. Auch Bayern habe keine Sperre, sondern eine Ausgangsbeschränkung. „Wir sind weit entfernt von einer Sperre“, betonte er, räumte aber zugleich ein, dass am Montag die Situation schon wieder ganz aussehen könne. Während im Vechtaer Kreishaus gestern die Allgemeinverfügung nach den neuesten Vorgaben des Landes aktualisiert wurde, fuhren bereits Fahrzeuge mit Lautsprechern durch die Kreisstadt. Die Anlagen der Malteser, über die sonst zu Blutspenden aufgerufen wird, spielten jetzt eine Bandansage der Stadt Vechta ab. Alle Bürger wurden so aufgefordert, soziale Kontakte zu meiden und möglichst zu Hause zu bleiben. Zugleich waren Beamte der Bereitschaftspolizei im Innenstadtbereich unterwegs. Sie und auch Ordnungskräfte der Kommune kontrollierten am Freitag, ob alle Vorschriften der Verfügung eingehalten wurden. Gestern Abend waren beispielsweise August Blömer vom Ordnungsamt der Stadt Dinklage und Frank Soika von der Polizei Lohne in Dinklage unterwegs. „Wir haben nicht nur Restaurants kontrolliert, sondern auch Hotspots, wo sich Jugendliche treffen“, berichtet Soika. Das Ergebnis? Nur einmal, bei einem Döner-Imbiss, hätte Gäste unzulässig im Laden gesessen. Auch ein Nagelstudio hätten sie schließen müssen. Ansonsten habe es nichts zu bemängeln gegeben. Eine Pizzeria hatte sogar eine Handdesinfektion am Eingang angebracht, der ganze Gastbereich inklusive der Tische war abgesperrt. Das, so war dem Wirt gestern klar, wird so bleiben müssen, wenn ab heute nur noch Speisen zum Ausliefern oder Abholen angeboten werden können. Schon am Donnerstag hatte die Polizei im Landkreis Vechta erste Kontrollen durchgeführt. So mussten die Beamten in Vechta zweimal tätig werden. In einem Fall wurde eine Shisha-Bar geschlossen. Im Landkreis Cloppenburg stellte die Polizei mehrere Verstöße fest. „In keinem Bereich mussten Ansammlungen von Menschen aufgelöst werden. Insgesamt stießen die Polizeibeamten bei ihren Kontrollen nach entsprechenden Ansprachen auf Verständnis und Kooperationsbereitschaft. Es musste in keinem Fall eine Strafanzeige eingeleitet werden“, teilte die Pressestelle mit. Auch in den nächsten Tagen soll es konsequente Kontrollen geben, heißt es weiter – dann auf Basis der nun strengeren Vorgaben. Nach Angaben von Sandra Guhe, Leiterin des Gesundheitsamtes, gab es bis gestern Abend 33 bestätigte Virusinfektionen im Landkreis Vechta. 185 Personen befinden sich jetzt in Quarantäne. Viele der positiven Fälle stehen demnach in Zusammenhang mit einer Arztpraxis und dem Golfclub in Vechta. Von den beiden Fällen, die intensivmedizinisch im Krankenhaus betreut werden, hat der 77- Jährige viele chronische Vorerkrankungen. Auch die 59-Jährige hat Vorerkrankungen. Hier hat sich der Verdacht auf Covid19 indes nicht bestätigt. Allen anderen Betroffenen soll es nach Angaben Guhes aber verhältnismäßig gut gehen. „Sie werden die Erkrankung gut überstehen“, ist sie überzeugt. 30 Mitarbeiter sind nach Angaben von Sandra Guhe im Gesundheitsamt mit Corona beschäftigt. Vor allem das Auffinden von Kontaktpersonen ist demnach arbeitsintensiv. Durchschnittlich 80 Tests werden am Tag durchgeführt. „Die Labore stoßen an ihre Grenzen“, sagt sie. Auf Ergebnisse müsse zwei Tage gewartet werden. Guhes Appell an die Bevölkerung im Landkreis lautet: „Bleibt zu Hause!“ Jeder könne so mithelfen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.33 positive Fälle im Landkreis, 185 Personen in Quarantäne
Danke, OM für 10.000 Digital-Abos! Lesen Sie jetzt OM-Plus ein Jahr lang für nur 8,99€ / Monat und sparen Sie so bis zu 40%. Hier geht es zum Angebot.