Radeln, wo die Welt noch in Ordnung ist
Rund um Visbek: Mit Alfred Kuhlmann entlang vieler Sakralbauten und urgeschichtlicher Großsteingräber.
Normann Berg | 22.08.2018
Rund um Visbek: Mit Alfred Kuhlmann entlang vieler Sakralbauten und urgeschichtlicher Großsteingräber.
Normann Berg | 22.08.2018

An einem geschichtsträchtigen Ort lässt sich gut rasten: Alfred Kuhlmann vor dem Heidenopfertisch in Engelmannsbäke. Fotos: Berg
Autoverkehr? Marginal. Stressgeplagte Menschen? Fehlanzeige. Betonwüsten? Nicht zu erkennen. Rund um Visbek ist die Welt noch in Ordnung. In Erlte, Endel, Varnhorn & Co. dominieren viel Landschaft und Landwirtschaft, gar nicht mal so wenig Wald sowie zahlreiche gepflegte Ortschaften das Bild. Neumodischer Schnickschnack ist hier selten zu Hause, Stätten menschlicher Geschichte dagegen schon – und zwar in Hülle und Fülle. Dazu zählen neben den bedeutendsten urgeschichtlichen Großsteingräbern des Nordens vor allem Sakralbauten und Mühlen. Rund um Visbek: So heißt auch eine mehr als 47 Kilometer lange Radroute. Der Rundkurs umfasst neben der namensgebenden Gemeinde auch Teile von Goldenstedt und kratzt an den Nachbarkreisen Oldenburg und Cloppenburg sowie an der Stadt Vechta (siehe Karte). Wenn sich in diesem Gebiet jemand geografisch und thematisch auskennt, dann ist es Alfred Kuhlmann. Der 57-Jährige arbeitet als Hauptamtsleiter im Visbeker Rathaus, lebt in Ellenstedt – beide Fixpunkte liegen direkt an der Route – und fährt häufig mit dem Rad ins Büro. Mehr geht nicht. Also rauf aufs Rad. Oder besser: Rup up't Rad. Kuhlmann kennt hier jeden Quadratzentimeter und jeden Menschen. Das wird schon auf den ersten Metern deutlich. „Moin Ingrid“ oder „Moin Heinz“ ruft er von seinem Sparta-Drahtesel herunter, „Moin Alfred“ schallt es zurück. Zurück auf die Strecke: Die Route schlängelt sich – in diesem Fall – vom Startpunkt in Ellenstedt in einem großen Bogen über Bonrechtern und Rechterfeld an die äußerste Nordspitze des Landkreises Vechta. Nicht immer stehen Radwege zur Verfügung. Das macht aber auch nichts, denn – wie bereits erwähnt – herrscht auf den Nebenstraßen nur wenig Autoverkehr. Und: Höhenunterschiede sind kaum vorhanden. Perfekt gemacht für Radfahrer. Weiterhin erwähnenswert: Die Route rund um Visbek gibt es bereits seit 1994 – ins Leben gerufen anlässlich der 1175-Jahr-Feier Visbeks. Heißt: Im Laufe der Zeit wurde bereits vieles optimiert und aufgehübscht. So hängen an zahlreichen Gebäuden und Sehenswürdigkeiten aussagekräftige Infotafeln, platziert vom Heimatverein. Hinzu kommen etwa 20 hölzerne Sitzgruppen an den neuralgischen Punkten – Rastplätze für Radfahrer. All das wurde jetzt übertragen und integriert in das neue, landkreisweite Radwegeleitsystem. Zurück zu den Sehenswürdigkeiten: Dazu zählen die prähistorischen Großsteingräber wie der Visbeker Bräutigam oder der Heidenopfertisch. Nicht ganz so alt, aber nicht minder sehenswert sind die zahlreichen Sakralbauten wie die Pfarrkirche St. Vitus oder die dem Original nachempfundene Lourdes-Grotte in Visbek. Hinzu kommen die 120 Jahre alte Trauerbuche in Hagstedt sowie ein Schafstall in Varnhorn, in dem vor 200 Jahren Kaiser Napoleon übernachtet haben soll. „Soll“, betont Kuhlmann mit leichter Skepsis im Unterton. Ohnehin kann er den Sakralbauten deutlich mehr abgewinnen. „Mich persönlich beeindrucken die vielen Kirchen und Kapellen entlang der Strecke. Das ist ein Zeugnis unserer Region“, sagt der Ellenstedter. Heimatliebe ist es, die Kuhlmann ausstrahlt. Und ein bisschen Eigenwerbung in Sachen Tourismus, für den er in der Gemeinde Visbek zuständig ist, sei durchaus erlaubt: „Warum weit reisen? Das ist doch wie im Urlaub hier“, ergänzt der Hobby-Radler auf Höhe Stüvenmühle und empfiehlt allen Einheimischen, „aufs Fahrrad zu steigen“ und sich neu „inspirieren“ zu lassen von der Mischung aus „Erholung und Geschichte“ vor der eigenen Haustür. Inspirationsquellen liefert „Rund um Visbek“ reichlich.

Fakten
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