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Pferdefreunde leisten Aufbauhilfe in Flutgebieten

Der Reiterverein Vechta sucht den direkten Kontakt mit Opfern der Flutkatastrophe. Mit der Spende ist es nicht getan, Ziel ist eine langfristige Partnerschaft.

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Land unter auf der Reitanlage: Die Open-Ranch in Bad Münstereifel ist bei der Flutkatastrophe im vergangenen Sommer komplett abgesoffen. Die Betriebsinhaber und weitere Pferdehalter können beim Wiederaufbau auf finanzielle Unterstützung aus Vechta zählen. Foto: Vongerichten

Land unter auf der Reitanlage: Die Open-Ranch in Bad Münstereifel ist bei der Flutkatastrophe im vergangenen Sommer komplett abgesoffen. Die Betriebsinhaber und weitere Pferdehalter können beim Wiederaufbau auf finanzielle Unterstützung aus Vechta zählen. Foto: Vongerichten

Ertrunkene Ponys und Pferde, zerstörte Stallgebäude, weggespülte Reitplätze: Unter den Opfern der Flutkatastrophe des vergangenen Jahres befinden sich auch zahlreiche Pferdefreunde, die ihre Betriebsgrundlage verloren haben. Der Wiederaufbau der Anlagen ist mühsam und teuer. Da tut es den Betroffenen gut, dass sich in Deutschland eine Welle der Hilfsbereitschaft breit macht. Auch aus Vechta kommt Unterstützung.

Die Pferdesport- und Zuchtverbände in den Hochwassergebieten haben im Schulterschluss mit der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) schon frühzeitig ein Spendenkonto eingerichtet, um den geschädigten Pferdehaltern aus den überschwemmten Regionen unter die Arme zu greifen. Die Resonanz ist überwältigend: Nach Angaben der Initiatoren sind schon mehr als eine halbe Million Euro zusammengekommen.

In vielen Fällen handelt es sich um Soforthilfen, die zur notwendigen tierschutzgemäßen Versorgung und Unterbringung der Pferde oder auch zur Begleichung der Tierarztkosten für verletzte Pferde direkt nach der Flutkatastrophe geflossen sind. Im Bedarfsfall werden die gesammelten Spenden auch als Finanzmittel für den Wiederaufbau von Pferdesportanlagen zur Verfügung gestellt.

Das Licht spiegelt sich im Boden: Die Halle des Reit- und Fahrvereins Bochum-Werne stand nach der Flut unter Wasser. Foto: VereinDas Licht spiegelt sich im Boden: Die Halle des Reit- und Fahrvereins Bochum-Werne stand nach der Flut unter Wasser. Foto: Verein

Der Verein der Oldenburger Hengsthalter, der Verband der Züchter des Oldenburger Pferdes und der Springpferdezuchtverband Oldenburg-International haben insgesamt 10.000 Euro in den Fördertopf eingezahlt. „Unter den Opfern der Flutkatastrophe sind viele Pferdeleute und Züchter, die ihre geliebten Pferde, Gebäude und ihr Hab und Gut verloren haben. Sie möchten wir unterstützen“, teilt Verbandsmitarbeiter Tobias Hemken mit.

Der Reiterverein Vechta geht einen anderen Weg, um Solidarität mit den Betroffenen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zu zeigen. Er verzichtet auf eine Überweisung auf das allgemeine Spendenkonto, sondern sucht den direkten Austausch zu den Menschen vor Ort. Dabei fließen insgesamt 10.000 Euro an die beiden Reit- und Fahrvereine Metternich und Bochum-Werne sowie die Open-Ranch in Bad Münstereifel.

„Wir haben uns über den Dachverband der Deutschen Reiterlichen Vereinigung in Warendorf erkundigt, wo es noch Hilfsbedarf gibt“, schildert Vorsitzender Clemens von Merveldt die Herangehensweise. Anhand der Vorschläge habe sich sein Verein dann persönlich an die Betroffenen gewandt und über deren Situation erkundigt. So sei es schließlich zur Auswahl der drei Empfänger gekommen.

Idee ist beim eigenen Reitturnier entstanden

Das Geld haben die Vechtaer zum Jahresende überwiesen, die Idee zur Hilfsaktion stammt aber schon aus dem vergangenen Sommer. In Vorbereitung des eigenen Reitturniers Ende Juli habe der Vorstand beschlossen, geschädigte Vereine und Pferdebetriebe durch die Einnahmen aus der Gastronomie zu unterstützen, berichtet von Merveldt. Im Nachklang sei der Betrag dann um ein Vielfaches aus der Vereinskasse aufgestockt worden.

Dass ein Unwetter den Vereinsbetrieb ganz schnell lahmlegen kann, haben die Vechtaer bei ihrem Reitturnier 2021 erfahren müssen. Aufgrund eines Starkregens stand der Platz auf dem Gelände der Landeslehrstätte am Heidewinkel plötzlich komplett unter Wasser, sodass die Qualifikation und das Hauptspringen um den „Großen Preis der Stadt Vechta“ am letzten Veranstaltungstag abgesagt werden mussten.

Wie schwerwiegend im Vergleich dazu die Schäden in den Flutgebieten sind, lassen die Informationen und Bilder erahnen, die von Merveldt erhalten hat. Von der einstigen Westernromantik auf der Open-Ranch ist seit Mitte Juli nichts mehr zu sehen. Das Wasser hat alle Ställe weggeschwemmt, an Freizeitangebote für Kinder- und Jugendliche, unter anderem in Kooperation mit dem Verein „Schülergarten“, ist derzeit kaum zu denken.

Beim Reit- und Fahrverein Metternich ist nicht nur das Vereinsheim geflutet und damit die komplette Inneneinrichtung zerstört worden, auch ein kürzlich angelegter Reitplatz ist betroffen. Wie wichtig ein rascher Wiederaufbau ist, macht Pressewartin Sandra Wegen in einem Brief deutlich: „Wir finanzieren uns in der Hauptsache über unsere Veranstaltungen, diese können wir aber nur mit intakter Anlage wieder ausführen.“

Vereine wollen den Kontakt aufrechterhalten

Ähnlich ist die Situation in Bochum-Werne. Die dortige Vorsitzende Bettina Wendland spricht von einem Schaden in Höhe von 45.000 Euro. Im Februar soll die Sanierung des Reitplatzes beginnen. Mitte Mai ist ein Turnier geplant, an dem auch die Vechtaer teilnehmen könnten. Wendland würde sich freuen, wenn der Kontakt bestehen bleibt und vielleicht eine nette Begegnung entsteht.

Solche Gedankenspiele sind ganz im Sinne des Reitervereins Vechta, der ganz bewusst den direkten Weg in die Flutgebiete gesucht hat. „Unser Ziel ist eine langfristige Partnerschaft, in deren Rahmen nicht nur die Wiederherstellung der Anlagen und Einrichtungen verfolgt und begleitet werden, sondern auch ein weiterführender Austausch möglich ist“, unterstreicht von Merveldt. Er könne sich gemeinsame Ferienfreizeiten, Lehrgänge oder auch gegenseitige Turniereinladungen für die Zukunft vorstellen.

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