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Notlösung in Vechta: Bahnübergang wird per Hand gesichert

Die Deutsche Bahn hat auf den jüngsten Unfall reagiert und setzt zurzeit einen Sicherheitsdienst an der Oldenburger Straße ein. Bis zur Durchführung der geplanten Baumaßnahme wird es noch dauern.

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Neue Vorsichtsmaßnahme an der Oldenburger Straße in Vechta: Ein Sicherheitsdienst riegelt per Hand den Rad- und Fußweg ab, wenn sich die Nordwestbahn ankündigt. Eine Schranke gibt es an diesem Bahnübergang nur für den Kraftfahrzeugverkehr. Foto: Speckmann

Neue Vorsichtsmaßnahme an der Oldenburger Straße in Vechta: Ein Sicherheitsdienst riegelt per Hand den Rad- und Fußweg ab, wenn sich die Nordwestbahn ankündigt. Eine Schranke gibt es an diesem Bahnübergang nur für den Kraftfahrzeugverkehr. Foto: Speckmann

Am Bahnübergang an der Oldenburger Straße ist es in den vergangenen Jahren immer wieder zu schweren, teilweise tödlichen Unfällen gekommen. Seit dem jüngsten Vorfall während des Osterfestes handelt die Deutsche Bahn. Ein Sicherheitsdienst überwacht nun den Verkehr, speziell den unbeschrankten Rad- und Fußweg, der bei nahenden Zügen durch ein rot-weißes Band abgeriegelt wird.

Das Personal scheint sich auf einen längeren Einsatz in Vechta einzustellen. In den ersten Tagen haben Mitarbeiter noch im Auto gewartet und sind dann in regelmäßigen Abständen zur Absperrung des Weges ausgestiegen, wenn sich ein Zug der Nordwestbahn angekündigte. Vor dem Wochenende ist eine mobile Toilettenkabine am Straßenrand aufgestellt worden. Daneben befindet sich ein Bauwagen.

Nach Angaben der Stadtverwaltung hat es am vergangenen Dienstag einen Ortstermin mit der Deutschen Bahn gegeben. Dabei sei neben dem Sicherungsposten auch über bauliche Maßnahmen gesprochen worden, berichtet Fachdienstleiter Jürgen Werring. Der Bauhof werde in der kommenden Woche eine beidseitige Längsabsperrung zwischen Fahrbahn sowie Rad- und Fußweg vornehmen.

Schwerer Unfall am Ostersonntag: Bei einer Kollision mit der Nordwestbahn wurde ein 63-jähriger Pedelec-Fahrer lebensgefährlich verletzt. Foto: M. NiehuesSchwerer Unfall am Ostersonntag: Bei einer Kollision mit der Nordwestbahn wurde ein 63-jähriger Pedelec-Fahrer lebensgefährlich verletzt. Foto: M. Niehues

Die Absperrung auf einer Länge von etwa 50 Metern – sowohl vor als auch hinter dem Bahnübergang – sei notwendig, da der Rad- und Fußweg durch die Sicherungsposten der Deutschen Bahn früher geschlossen werde als die automatisch gesteuerte Schranken- und Blinklichtanlage für den Kraftfahrzeugverkehr. Somit werde verhindert, dass der Radfahrer auf die Fahrbahn ausweichen könne.

Kurzfristige Maßnahmen bis zur Erneuerung

Fraglich ist, für welche Dauer die personal- und damit sicher auch kostenintensive Notlösung aufrecht erhalten werden soll. Dazu macht die Deutsche Bahn auf Anfrage von OM-Online keine Angaben. „Zusammen mit dem Eisenbahn-Bundesamt und der Stadt Vechta wird derzeit geprüft, welche kurzfristigen Maßnahmen am Bahnübergang bis zur Erneuerung getroffen werden können“, teilt eine Sprecherin am Freitag mit.

Das Problem an der Oldenburger Straße ist die fehlende Beschrankung des Fuß- und Radwegs. Er ist getrennt von der Fahrbahn angelegt. Dazwischen liegt ein Grünstreifen. Die Rotlichtanlage ist stadtauswärts aber nur links und rechts der Straße installiert. Wer als Radfahrer nicht auch auf den Verkehr achtet, kann das Signal leicht übersehen. Nur auf der Gegenseite ist zusätzlich ein Haltesignal direkt am Radweg angebracht.

Diese Situation ist auch dem 63-jährigen Pedelec-Fahrer zum Verhängnis geworden, der am Ostersonntag Richtung Ortsausgang unterwegs war und bei der Kollision mit der Nordwestbahn lebensgefährlich verletzt wurde. Laut Polizeiangaben hatten sich die Schranken zu diesem Zeitpunkt bereits gesenkt. Außerdem war das Rotlicht zu sehen und mehrere Autos hielten vor dem Bahnübergang.

Den letzten tödlichen Unfall an dieser Gefahrenstelle hatte es im Juli 2021 gegeben. Die Deutsche Bahn teilte damals mit, dass zur Nachrüstung der Schranken für den Fuß- und Radweg ein komplexes Planungs- und Genehmigungsverfahren durchlaufen werden müsse. Inzwischen sei die Entwurfsplanung abgeschlossen, berichtete die Bahnsprecherin. „Die Erneuerung ist derzeit für das 2. Halbjahr 2023 vorgesehen.“

Wie Fachdienstleiter Werring bereits am Mittwochabend in der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Planung und Bauen mitteilte, soll der Umbau im kommenden Jahr nach dem Stoppelmarkt erfolgen. Auch die Bahnübergänge am Visbeker Damm und Grambergweg würden dann aufgerüstet. Die Maßnahmen müssten zeitlich erfolgen, weil die drei Standorte technisch miteinander verbunden seien.

Planung am Grambergweg bereitet Probleme

Problematisch sei die Situation am Grambergweg, so Werring. Hier stoße die Planung einer Zufahrtsstraße noch auf Widerstand eines Anliegers. Bei den Grundstücksverhandlungen zwischen Stadt/Bahn und Landwirt herrsche Stillstand. Sofern die Beteiligten keine zeitnahe Einigung fänden, müsse die Gesamtmaßnahme verschoben werden. Erst wenn diese Sache geregelt sei, könnte die Ausführungsplanung der Deutschen Bahn weitergehen.

Bürgermeister Kristian Kater (SPD) bezeichnete die Probleme als "lösbar“ und lobte die Aktivitäten der Deutschen Bahn. Sie habe die Planungshoheit und sei der Taktgeber. Bei der Finanzierung bleibe die Kommune nach dem neuen Eisenbahnkreuzungsgesetz außen vor. „Wir sind froh, dass die Bahn soweit ist, dass konkret geplant wird und die Sicherheit verbessert wird“, sagte der Verwaltungschef.

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