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Neues Leben soll in alte Lagerhalle einkehren

Ein Investor hat das Backsteingebäude des ehemaligen Landhandels Klaushenke und Vorwerk übernommen. Die Gebäudehülle wird bei seinem Vorhaben erhalten.

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Luftig: Das alte Dach ist abgetragen. Foto: Vorwerk

Luftig: Das alte Dach ist abgetragen. Foto: Vorwerk

Ein Ortsbild prägendes Gebäude bleibt auch in Zukunft im Westen Emsteks erhalten. Die alte Lagerhalle des Landhandels Klaushenke und Vorwerk steht zwar nicht unter Denkmalschutz, der Käufer möchte aber die Gebäudehülle unbedingt erhalten. Das 50 mal 30 Meter große Backstein-Gebäude ist zwischenzeitlich komplett entkernt und auch das Dach ist abgetragen, damit dort in einem kleineren Teil eine Wohnnutzung erfolgen kann. Auf rund 800 Quadratmetern im nördlichen Bereich soll eine gewerbliche Nutzung erfolgen.

Baugenehmigung ist beantragt

Bisher wurden nur die Rückbauarbeiten erledigt, um Statik und Fundament beurteilen zu können. Der Investor ist zuversichtlich, alsbald die Baugenehmigung zu bekommen und loslegen zu können. Das neue Dach, das die alte Traufhöhe um 80 Zentimeter überragt, wird aber vermutlich auch dann nicht in diesem Jahr komplett fertiggestellt sein. Die zwischenzeitlich kräftig gestiegenen Holzpreise und Verzögerungen bei der Lieferung haben dazu geführt, dass sich die gesamte Planung nach hinten verschoben hat.

Statt, wie bei einer Halle üblich, auf eine Stahlkonstruktion zu setzen, hat der Investor bewusst den Werkstoff bevorzugt, der bei der Erbauung vor knapp 100 Jahren zum Einsatz kam. Die Wände – aktuell von außen abgestützt – sollen auch dem Innenraum den Charme vergangener Tage verleihen.

Abgestützt: Nach dem Entkernen wird den Wänden von außen Halt gegeben. Foto: VorwerkAbgestützt: Nach dem Entkernen wird den Wänden von außen Halt gegeben. Foto: Vorwerk

Gebaut worden ist der Komplex in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Kartoffeln wurden dort eingelagert und es gab für die Anlieferung auch einen Gleisanschluss. Der Emsteker Bahnhof für die Kleinbahn Vechta-Cloppenburg war direkt nebenan gelegen. Der Landhandel hat dann, als die Kartoffelhalle nicht mehr benötigt wurde, Kunstdünger eingelagert, um die Kundschaft zu versorgen. 

Außen hatte sich da nicht viel verändert. Es gab an der Westeremsteker Straße noch den Löschteich, der erst in den 80er Jahren abgerissen und zugeschüttet wurde. In der Halle waren 2 Wohnungen eingerichtet, in denen nach dem Krieg Flüchtlinge untergebracht waren. Auf einem noch so angespannten Wohungsmarkt würde sich dafür heute sicherlich kein Mieter finden lassen. Elektrisches Licht war vorhanden – und damit war der Luxus auch schon ausgereizt. Fließendes Wasser und Toiletten in der Wohnung fehlten. Stattdessen gab es ein Plumpsklo auf der gegenüberliegenden Hallenseite und ein hilfsbereiter Nachbar brachte der letzten Bewohnerin bis Ende der 70er Jahre täglich 2 Eimer frisches Wasser zum Kochen und Waschen.

Über Jahre Standort für den Fronleichnamsaltar

Auf der Nordseite hatte der Landhandel 2 große Silos aufgebaut, in denen Kalk gelagert war und unter die die Landwirte zum Beladen direkt mit ihren Kalkstreuern fahren konnten. Die beiden Türme sind bereits abgebaut und der Verwertung zugeführt worden. Auf der anderen Seite wurde in den Jahren vor Corona immer der Altar für die Fronleichnamsprozession aufgebaut. Dafür wird man künftig einen neuen Platz finden müssen, während in die alte Halle – die entgegen anders lautender Gerüchte nie als Lokschuppen genutzt wurde – neues Leben einkehrt und der Nachwelt erhalten bleibt.

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