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Neue Grundschulbezirke in Vechta setzen Grenzen

Künftig gelten in Vechta mehrere unterschiedliche Systeme, um Kinder besser auf die Einrichtungen zu verteilen.

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Das linke Bild zeigt die Bezirke aller sechs Grundschulen, die konfessionsübergreifend für alle Schüler gelten sollen. Das rechte Bild zeigt zusätzliche Einzugsbereiche der vier Bekenntnisschulen, die für katholische Kinder wahlweise gelten. Evangelische Kinder aus ganz Vechta können die Martin-Luther-Schule besuchen. Alle Kinder aus Vechta können die konfessionsfreie Christophorusschule besuchen.

Das linke Bild zeigt die Bezirke aller sechs Grundschulen, die konfessionsübergreifend für alle Schüler gelten sollen. Das rechte Bild zeigt zusätzliche Einzugsbereiche der vier Bekenntnisschulen, die für katholische Kinder wahlweise gelten. Evangelische Kinder aus ganz Vechta können die Martin-Luther-Schule besuchen. Alle Kinder aus Vechta können die konfessionsfreie Christophorusschule besuchen.

Nach langen Vorplanungen hat die Vechtaer Stadtverwaltung Entwürfe für neue Grundschulbezirke vorgelegt. Die Planungen sind mit dem Niedersächsischen Kultusministerium und der katholischen Kirchenverwaltung des Bischöflich Münsterschen Offizialats abgestimmt. Deshalb hat Vechtas Bürgermeister Kristian Kater das neue Konzept gestern gemeinsam mit dem Vechtaer Offizial, Weihbischof Wilfried Theising, bekannt gegeben.

So funktioniert das System mit Grundschulbezirken auf mehreren Ebenen:

Die Stadtverwaltung hat auf einer ersten Ebene Schulbezirke entwickelt, die für alle Schüler im Stadtgebiet gelten sollen. Kinder sollen möglichst kurze Wege zu einer Schule haben und deshalb auch unabhängig von ihrer Konfession eine Bekenntnisschule besuchen können. Heißt: Schulleiter einer katholischen oder evangelischen Grundschule dürfen künftig keine Anmeldung für Kinder ablehnen, wenn diese in dem Bezirk der Grundschule leben.

Parallel dazu gibt es die zweite Ebene, auf der die Stadt den vier katholischen Bekenntnisschulen zusätzliche Bezirke zugewiesen hat, die für katholische Kinder wahlweise gelten sollen. So gibt es beispielsweise in Bereichen des Ortsteils Hagen eine Wahlfreiheit für katholische Eltern, die ihre Kinder an der Alexanderschule (erste Ebene) oder an der Grundschule Hagen (zweite Ebene) anmelden können. In Oythe sind der allgemeine und der Bezirk der katholischen Marienschule dagegen deckungsgleich.

Wenn Eltern für ihre Kinder den Besuch einer Bekenntnisschule ablehnen, können sie ihr Kind auch bei der nicht konfessionsgebundenen Christophorusschule im Vechtaer Westen anmelden, obwohl diese ihren allgemeinen Einzugsbereich nur in der direkten Umgebung hat. Eltern evangelischer Grundschüler aus dem gesamten Stadtgebiet können ihre Kinder auch bei der evangelischen Martin- Luther-Schule anmelden.

Sonderfall Langförden: Die Neuregelung betrifft vor allem die Kernstadt Vechta. In Langförden hat die Grundschule fast das gesamte frühere Gemeindegebiet inklusive Calveslage als Einzugsbereich. Nur in Bergstrup und am Stoppelmarkt können die Eltern mit den den neuen Grenzen wählen, ob Sie ihr Kind alternativ an der Overbergschule anmelden.

Das Ziel der Neuregelung: Alle Schüler sollen gleichmäßig auf die Grundschulen verteilt werden, damit diese gleich stark ausgelastet werden – also die Klassen gleich groß sein. Auch soll es eine bessere soziokulturelle Durchmischung geben. Damit soll künftig die Ballung einzelner Bevölkerungsgruppen an einer Schule vermieden werden. Eine Situation wie an der Liobaschule – die geschlossen werden soll – mit einem Anteil von über 80 Prozent an Kindern mit Migrationshintergrund soll es nicht wieder geben.

Gleichzeitig zielt der Zuschnitt der Schulbezirke auf möglichst kurze Wege für die Schüler ab. Bislang können sich Schulleiter von Bekenntnisschulen auf Landesgesetze berufen, nach denen sie Kindern je nach Konfession Vorrang geben sollen. Auch hatten katholische Eltern prinzipiell die Wahlfreiheit zwischen allen katholischen Grundschulen. Die Stadt kann die Schülerströme deshalb bisher nicht steuern. Das sieht auch Weihbischof Theising kritisch.

Gültig ab 2021 – wenn der Stadtrat zustimmt: Mit dem Entwurf der Verwaltung ist noch nichts beschlossen. Die Gremien des Stadtrats werden bis zu einer Entscheidung im Mai noch drei Mal öffentlich über das Thema beraten. Stimmt der Rat den Planungen zu, gilt die Regelung aber für alle Kinder im Vechtaer Stadtgebiet, die ab dem Sommer 2021 eingeschult werden. Lehnt der Rat den Vorschlag ab, bleibt vorerst alles beim Alten. Die Schulbezirke müssen beschlossen sein, bevor im Juni die Schulanmeldungen für das Jahr 2021 beginnen.

Keine Änderung für Geschwisterkinder: Unabhängig von den neuen Schulbezirken sollen Kinder, die ab 2021 eingeschult werden, die gleiche Grundschule besuchen können wie ältere Geschwister. Diesen Punkt hatten Elternvertreter in den nichtöffentlichen Vorberatungen in einem Arbeitskreis eingebracht.

Planungen auf Grundlage eines Gutachtens: Die erste Stadträtin Sandra Sollmann betont, dass die Bezirke keine willkürliche Planung sind. Die Stadt richtet sich nach Empfehlungen des Experten Peter Kramer, der seit Jahren auch die Vechtaer Bevölkerungsentwicklungen vorausberechnet. In diesem Fall nutzte der Mathematiker Daten aus dem Einwohnermelderegister, um für die kommenden Jahre etwa die Entwicklung der Kinderzahlen und die Verteilung von Bevölkerungsgruppen in den Stadtteilen zu berechnen. Maßgeblich waren am Ende auch Verkehrsverbindungen, Schulwegsicherheit und die Nähe von Schul- und Wohnort. Bei den Planungen waren auch Elternvertreter und drei Ratsmitglieder beteiligt.

Rechtssicherheit: Kristian Kater verweist zu diesem Thema auf Gespräche mit dem Kultusministerium, das die Machbarkeit des Modells attestiert hat.

Die Position der Kirche: Weihbischof Wilfried Theising lobte das Konzept. Auf Nachfrage sagte er gestern, die Kirche bestehe nicht auf feste Quoten beim Anteil der katholischen Schüler und werde der Stadt bei der Neuordnung der Schulbezirke nicht im Wege stehen. Das Vechtaer Konzept sei beispielhaft und könne künftig auch für andere Städte mit Bekenntnisschulen Modell stehen.

Die Politik: Die Vorsitzende des zuständigen Schulausschusses, Simone Göhner (CDU), betont, dass die vorgelegten Bezirke aktuell nur ein Vorschlag seien. Sie sagt: Ihr Ausschuss habe im vergangenen Jahr dringend eine Reform der bisherigen Schulbezirkssatzung gefordert. Die Entwürfe müssten nun breit diskutiert werden.

So werden die Eltern informiert: Betroffene Eltern bekommen per Post eine Einladung zu einem Infoabend. Die Verantwortlichen werden am 16. und 18. März (Montag und Mittwoch) ab jeweils 20 Uhr im Rathaus die Planungen erklären. Die inhaltlich gleichen Veranstaltungen sind öffentlich. Auch Kirchenvertreter werden anwesend sein.

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