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Nachruf: Noch an seinem Todestag trug Reinhard Nollmann seine Robe

Der über die Cloppenburger Stadtgrenzen hinweg bekannte Strafverteidiger ist im Alter von 82 Jahren gestorben.

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Reinhard Nollmann ist gestorben. Foto: M. Niehues

Reinhard Nollmann ist gestorben. Foto: M. Niehues

Nolle ist tot. Kann gar nicht sein. Am 15. April trug er noch im Sitzungssaal die Einlassung seines Mandanten vor. Wie immer akribisch vorbereitet. Ein Strafverteidiger, wie er im Buche steht. Reinhard Nollmann, „Nolle“ für jeden. Er ist von uns gegangen. Er war der Strafverteidiger im Cloppenburger Amtsgericht, vor den Strafkammern des Landgerichts und weit darüber hinaus. In diesem Jahr hat er sein halbes Jahrhundert vollendet.

1976 wurde der gebürtige Sedelsberger als Rechtsanwalt in Cloppenburg zugelassen. Am Todestag (15. April) hat Reinhard Nollmann morgens noch die Robe getragen. Er, der über 80-Jährige, mit schulterlangem, schlohweißem Haar, unübersehbar. Er hat als Strafverteidiger vielen Menschen geholfen. Bis zum Schluss hellwach und konzentriert. Reinhard Nollmann wurde 82 Jahre alt.

Die Mandanten vertrauten ihm

Die Betroffenheit bei Kollegen wie bei den Gerichten ist groß. Man konnte sich auf ihn verlassen, geradlinig und konsequent, versöhnlich oder streitbereit, wenn’s sein musste, und stets kooperativ. Mit hohem Arbeitsethos. Die Mandanten vertrauten ihm, und er wies den Weg, auch wenn er ihnen bittere Wahrheiten beibringen musste. Vor dem Knast bewahrt und die Bewährung rausverhandelt, sei es vor dem Amtsgericht oder vor den Großen Strafkammern, ebenso wie vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg nach dem Bootsunglück in Barßel.

In jeder Faser seines Herzens Anwalt, Verteidiger, Organ der Rechtspflege. Ein Dickkopp manchmal, ein Querkopp, sei es beim unbotmäßigen Mandanten, sei es bei der uneinsichtigen Großen Strafkammer. Jeder hat das Recht auf die bestmögliche Verteidigung, das war sein Motto, gleich, was er verbrochen hat. Dafür stand er, der Strafverteidiger. Eine große Lücke in der Strafrechtspflege des Amtsgerichts Cloppenburg hinterlässt sein Tod, die schwer zu schließen sein wird.

Die Gefühle von mehreren tausend Mandanten werden ihn begleiten. Er ruhe in Frieden. Mach’s gut, Nolle.

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