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Mit dem Rad auf den Spuren der Römer

Die Cherusker-Tour des Verbundes Oldenburger Münsterland führt zum Ort der Varus-Schlacht nach Kalkriese.

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Hat jede Menge Kürbisse im Angebot: Meike Uphaus in Rottinghausen greift auch zum Pinsel, um sie zu verzieren. Sohn Johann (5 Monate) sieht dabei zu. Sein dreijähriger Bruder Hans darf aber schon mithelfen und kreiert Abstraktes. Fotos: M. Niehues

Hat jede Menge Kürbisse im Angebot: Meike Uphaus in Rottinghausen greift auch zum Pinsel, um sie zu verzieren. Sohn Johann (5 Monate) sieht dabei zu. Sein dreijähriger Bruder Hans darf aber schon mithelfen und kreiert Abstraktes. Fotos: M. Niehues

Was haben lustig bemalte Kürbisse und die Römerschanze gemeinsam? Beide liegen an der Cherusker-Tour, einer rund 42 Kilometer langen reizvollen Route, auf der historisch interessierte Radfahrer voll auf ihre Kosten kommen. Sie gehört zu den empfehlenswerten Radtouren des Oldenburger Münsterlands, die zu dem historischen Ort der Varus-Schlacht führt, wo germanische Krieger unter dem Cheruskerfürsten Arminius im 9. Jahrhundert römische Legionen des Feldherrn Varus vernichteten.

Weil die Internetseiten des Verbundes zurzeit nicht vollständig funktionieren, lade ich mir die Navigationsdaten von der Seite www.outdooractive.com herunter und starte mit der Smartphone-App Komoot, die zielsicher die Richtung auf meinem iPhone ansagt. Zusätzlich bietet die perfekte Ausschilderung mit kleinen Pfeilen an den Wegegabelungen der Tour perfekte Orientierung. Von Vechta aus bin ich mit dem Auto zum Startpunkt der Tour nach Neuenkirchen gefahren. Weil es dort zwischen Feldern und Gewächshäusern aber keinen Parkplatz gibt, parke ich wenig weiter im Industriegebiet und ziehe mein Fahrrad aus dem Kombi.

Los geht's über die Autobahnbrücke durch Severingshausen, Westrup und Astrup. Gepflegte Höfe und schöne Fachwerkgiebel säumen den Weg. In Hinnenkamp machen handgeschriebene Schilder auf einen Hof aufmerksam, wo Kürbisse und Gurken verkauft werden. Mich macht das neugierig. Tatsächlich, beim ersten Haus in Rottinghausen begrüßen mich mit Fratzen bemalte Kürbisse. Meike Uphaus sitzt mit ihrer Familie draußen und bietet bemalte und unbehandelte Früchte vom eigenen Hof an, die je nach Größe zwischen zehn Cent und zehn Euro kosten. Uphaus bemalt die Kürbisse selbst. Ihr dreijähriger Sohn Hans greift auch schon zum Pinsel. Seine abstrakten Werke sind schon für zwei Euro zu haben. Nach einem kurzen freundlichen Plausch und mit einer mit Kürbissen voll befüllten Fahrradtasche geht's weiter.

Links und rechts des Weges wird schon jetzt im August der leider vertrocknete Mais geerntet. Über Clemens-August-Dorf macht die Tour einen kleinen Abstecher nach Damme. Im Süden der Stadt wartet bereits Guido Kreuzkamp auf mich. Der Dammer ist begeisterter Radler und hat sein Rennrad dabei. In diesem Jahr hat er zusammen mit Freunden mit dem Mountainbike die Alpen an vier Maitagen von Garmisch Partenkirchen aus Richtung Gardasee überquert. Die Route führte über einen alten römischen Handelsweg. Für die Tour trainiert hat er zuvor im Bereich Kalkriese, also dort, wo für die Römer einst die nördliche Eroberung ihr Ende fand. „Meistens bin ich weiter Richtung Engter gefahren, um für die Alpen-Steigungen zu trainieren“, berichtet er.

Wir bleiben aber auf der fast steigungsfreien Cherusker-Tour, die an den Sierhauser Schanzen (auch Römer-Schanzen genannt) und direkt am Flugplatz Damme vorbeiführt. Ein Halt in der dortigen Gaststätte Runway lohnt, um sich noch einmal mit Ausblick auf die Start- und Landebahn zu stärken, denn die anschließende Wegführung durchs Campemoor bietet keine Einkehrmöglichkeiten.

Steigt gern aufs Rennrad: Guido Kreuzkamp aus Damme.Steigt gern aufs Rennrad: Guido Kreuzkamp aus Damme.

Immer geradeaus führt die Straße durchs Moor, auf beiden Seiten ist der Torfabbau zu sehen, die Wärme des Bodens wechselt sich im Spätsommer mit dem kühlen Schatten der Bäume am Wegesrand ab. Es geht leicht bergab, besonders Guido Kreuzkamp gewinnt mit seinem Rennrad an Fahrt. Übersehen sollte man dabei aber nicht die Infotafeln zu den historischen Moorwegen, die am Vereinshaus in Campemoor angebracht sind. Sie informieren über die entdeckten Pfahlwege, wovon einer um 4550 vor Christus errichtet wurde und deshalb als ältester entdeckter Moorweg der Welt gilt. Und dort kann zudem der Moorerlebnispfad Campemoor aufgesucht werden, der auf 13 Schautafeln viel Wissenswertes über das Moor vermittelt.

Die Straßenqualität macht im weiteren Verlauf wegen der vielen Löcher für Radler aber keine Freude und ist bestimmt kein Aushängeschild für den Landkreis Vechta. Glücklicherweise bessert sich das sofort, sobald man die Kreisgrenze Richtung Kalkriese überfahren hat. Hier gibt es zudem sehenswerte Gebäude wie die Wasserburg Alt-Barenaue direkt am Wegesrand zu bestaunen. Eine Infotafel erklärt die Historie der Burganlage. Über den Mittelandkanal geht es dann zu dem Ort, wo die Varus-Schlacht stattgefunden haben soll. Fundstücke der archäologischen Ausgrabungen werden im Informationszentrum und im angrenzenden Park präsentiert – der Besuch lohnt.

Der weitere Weg führt für ein kurzes Stück direkt am Mittellandkanal vorbei, wo im Vorbeifahren der stetige Schiffsverkehr hautnah erlebt werden kann. Dann muss das Rad zur Straße hochgeschoben werden, bevor es durch ansprechende Landschaft und zwischen Wald und Windrädern zurück Richtung Vörden geht. Von dort aus ist es nur noch ein Katzensprung bis zum Ausgangspunkt in Neuenkirchen.

Für Rennradfahrer Guido Kreuzkamp war der Teil der Cherusker-Tour, auf die er mich begleitet hat, nur eine Art Aufwärmrunde. Geübte Tourenradfahrer können die ganze Route in zwei Stunden und 15 Minuten absolvieren. Empfehlenswert ist es aber, die vielen interessanten Angebote auf der abwechslungsreichen Strecke mitzunehmen. Wer so fährt, bringt Zeit mit und erlebt einen unvergesslichen Tag auf dem Fahrrad.

Fakten

  • Die Cherusker-Tour ist rund 42 Kilometer lang und bietet viele Punkte für ein interessantes Tagesprogramm.
  • Auf der Strecke liegt die Ringwallanlage Sierhauser Schanze, der Ausgrabungsort der Pfahlwege aus dem Neolithikum, der Moorerlebnispfad Campemoor, die Wasserburg Alt-Barenaue und das Schloss Neu-Barenaue und der vermutete Ort der Varus-Schlacht in Kalkriese mit Informationszentrum und archäologischem Park.

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