Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Mit dem Kasper feiert er in Vechta Premiere

Schausteller Anton Lemoine brät normalerweise im Freizeitpark auf dem Stoppelmarkt Champignons. Jetzt tritt der Familienvater erstmals als Puppenspieler vor Kindern auf.

Artikel teilen:
Mit den Lieblingsfiguren seiner Besucher: Anton Lemoine mit Kasper und Wuschel. Foto: M. Niehues

Mit den Lieblingsfiguren seiner Besucher: Anton Lemoine mit Kasper und Wuschel. Foto: M. Niehues

Schnell stellt er noch ein paar Bänke dazu, weil mehr Kinder kommen als erwartet. Dann springt er ins Puppentheater und lässt den ersehnten Helden auftreten: "Tri tra trullala, der Kasper ist jetzt da", tönt es aus den Lautsprechern. Die Stimme aus dem Off fordert alle Kinder zum Mitmachen auf. Puppenspieler Anton Lemoine hat sein junges Publikum im Griff. Die Kleinen machen begeistert mit und geben dem Kasper allerlei Tipps, um Räuber Hotzenplotz und die böse Hexe zu fangen.

Mit seinem Kasperletheater gilt der 32-jährige Rheinländer als eine Art Geheimtipp bei den Besuchern des Freizeitparks auf dem Stoppelmarkt in Vechta. Ein bis zweimal täglich bietet er sein kostenloses Puppenspiel an.

Dabei hatte Anton Lemoine mit seinen 20 Kasperle-Puppen in Vechta Premiere als Handfigurenspieler. "Als wir den Freizeitpark planten, haben wir uns überlegt, welches besondere Vergnügen wir den Kindern bieten können", erklärt Lemoine die Entstehung der Idee, Kasperletheater anzubieten. „Ich hatte mich an das Theater meines Vaters erinnert“, sagt er. "Als Kind durfte ich ihm bei den Aufführungen immer die Figuren reichen." Für den 32-jährigen Schausteller, der auf dem Stoppelmarkt hauptsächlich gebratene Champignons anbietet, ist das eine sehr emotionale Erinnerung. Denn sein Vater starb bereits, als er erst acht Jahre alt war.

Original handgeschnitzte Hohnsteiner Figuren

Die handgeschnitzten original Hohnsteiner Figuren, mit denen schon der Großvater auftrat, gerieten nach dem Schicksalsschlag ein wenig in Vergessenheit. Anton Lemoine kramte wegen des Freizeitparks in Vechta den großen Koffer mit den wertvollen Puppen hervor. Er besserte die Figuren aus, ließ die Kleider aufarbeiten, bestellte neue Theaterhintergründe und schaffte für sich selbst ein Headset mit Lautsprechern an, um bei den Kindern gut verstanden zu werden. Nur gespielt hatte Anton Lemoine bis dahin noch nicht. Er sichtete alte Unterlagen seines Vaters und kreierte daraus fünf verschiedene Stücke, die er abwechselnd aufführt.

Schafft es nicht, die Kinder in die Irre zu führen: Räuber Hotzenplotz. Foto: M. NiehuesSchafft es nicht, die Kinder in die Irre zu führen: Räuber Hotzenplotz. Foto: M. Niehues

Das Spiel einstudiert hat er mit seinem zweijährigen Sohn, der ebenfalls Anton heißt. "Wenn Klein-Anton gelacht und mitgemacht hat, wusste ich, dass ich richtig liege", berichtet der Vater stolz. Ähnlich verfährt Lemoine auch mit seinem richtigen Publikum im Freizeitpark. Durch ein klitzekleines Loch des Puppentheaters kann er während des Spiels seine Zuschauer beobachten und gezielt ansprechen. Er lockt sie aus der Reserve und animiert zum Mitmachen. Lemoine gelingt es, bei seinen jungen Fans den richtigen Nerv zu finden. Auf diese Weise helfen die vielen Kinder mit ihren Rufen dem Kasper, die Bösewichte zu fangen.

Anton Lemoine freut sich über den großen Zuspruch, den er mit seinem Puppenspiel auf dem Stoppelmarkt erhält. "Es ist toll, wenn anschließend die Kinder oder Eltern noch einmal zu mir kommen, sich bedanken oder die Figuren mal selbst in die Hand nehmen wollen", sagt er. Von diesem Angebot machten gestern einige Kinder nach der Vorstellung rege Gebrauch.

Der älteste Kasper-Fan ist ein pensionierter Lehrer

Der älteste Besucher, der den Kasper mal selbst über die Hand stülpen wollte, war Berthold Knipper. Der pensionierte Lehrer aus Vechta erfüllte sich selbst und einer Stammtisch-Kollegin einen lang ersehnten Wunsch: "Wir haben uns schon vor zehn Jahren aus einer Bierlaune heraus geschworen, dass wir mal zusammen das Kasperletheater auf dem Stoppelmarkt besuchen. Jetzt hat es endlich geklappt", sagt Knipper - und zeigt sich sehr davon angetan, wie Anton Lemoine das Puppenspiel umsetzt. "Das ist richtig gut gemacht", bestätigt er.

Einer, dem es auch gefallen hat, ist Antons zweijähriger Sohn. Auch er saß gestern wieder einmal in der ersten Reihe. Es dauert nicht mehr lange, dann wird er seinem Vater die Puppen reichen dürfen.


Info:

Das Kasperletheater im Freizeitpark auf dem Stoppelmarkt spielt donnerstags und freitags um 16 Uhr. Samstags und sonntags gibt es Vorführungen um 15.30 und 16.30 Uhr.

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Mit dem Kasper feiert er in Vechta Premiere - OM online