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Meyerei schließt nach 30 Jahren die Türen

Der Inhaber der Vechtaer Kultkneipe zieht seine Konsequenzen aus der Corona-Pandemie. Nun läuft die Suche nach einem neuen Wirt.

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Beliebte Anlaufstelle auf der Vechtaer Kneipenmeile: Nach 30 Jahren schließt die Meyerei ihre Türen. Foto: Speckmann

Beliebte Anlaufstelle auf der Vechtaer Kneipenmeile: Nach 30 Jahren schließt die Meyerei ihre Türen. Foto: Speckmann

An der Hauswand stehen Grablichter, auf der Fensterbank liegen Blumen, vor der Scheibe hängt ein Plakat mit den Worten: „30 Jahre Meyerei - Wir sagen Danke“. Mit einer herzlichen Geste nehmen Stammgäste Abschied von der Kultkneipe an der Großen Straße in Vechta. Sie hat zurzeit - wie alle Gastronomiebetriebe - geschlossen. Ob und wann die Türen wieder öffnen, ist ungewiss. Fest steht, dass Herbert Meyer dann nicht mehr hinterm Tresen stehen wird.

Der langjährige Inhaber hat sich schweren Herzens dazu entschlossen, sich nach drei Jahrzehnten aus dem Lokal zurückzuziehen. „Es steht jetzt fest, dass ich aufhöre“, sagt der 63-jährige Vechtaer. Die Entscheidung sei in den vergangenen vier Wochen gereift, bedingt durch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie, die sich durch den aktuellen Lockdown verschärft haben.

Firma Lütvogt bestätigt Interesse potenzieller Nachmieter

Wie es um die Zukunft des Lokals bestellt ist, liegt in Händen der „Friedrich Lütvogt Getränkefachgroßhandel GmbH“ mit Sitz in Wagenfeld. Das Unternehmen aus dem Nachbarkreis Diepholz ist Mieter der Immobilie und hat die Gasträume im Erdgeschoss an Meyer verpachtet. Seine Hoffnung beruht darauf, möglichst zeitnah aus dem seit 1990 bestehenden Vertrag herauszukommen, sofern sich ein Nachfolger findet. „Es gibt mehrere Interessenten. Aber darauf habe ich keinen Einfluss. Ich muss abwarten“, sagt der scheidende Wirt.

Trauerstimmung vor dem Lokal: Stammgäste verabschieden sich mit Unterschriften, Blumen und Lichtern. Foto: SpeckmannTrauerstimmung vor dem Lokal: Stammgäste verabschieden sich mit Unterschriften, Blumen und Lichtern. Foto: Speckmann

Die Firma Lütvogt bestätigt das Interesse einiger potenzieller Nachmieter. „Wir führen zurzeit Gespräche, hatten auch schon Besichtigungen, aber es ist noch nichts unterschrieben“, erklärt Vertriebsleiter Stephan Möller auf Anfrage. Er ist zuversichtlich, dass das alteingesessene Lokal auf der Vechtaer Kneipenmeile erhalten bleibt. Unter welchem Namen und in welcher Form, das müsse der künftige Mieter dann selbst entscheiden, so Möller weiter. Er bedauert Meyers Entschluss. Es sei immer eine tolle Partnerschaft gewesen.

"Es war alles ein bisschen viel dieses Jahr."Gastwirt Herbert Meyer

„Es war alles ein bisschen viel dieses Jahr“, sagt der Gastronom aus Vechta. Durch die Pandemie sei das Geschäft spürbar zurückgegangen. Selbst als die Türen zwischendurch wieder geöffnet waren, seien die Gäste nicht mehr wie gewohnt gekommen. Wie in anderen Lokalen blieben auch in der Meyerei viele Tische leer. Daran konnte auch die Gewährleistung der Abstands- und Hygieneregeln nichts ändern.

„Die normalen Zahlen waren nicht mehr zu erreichen“, sagt Meyer. Er habe in diesem Jahr ein dickes Minus eingefahren. An dem Verlust könne auch die finanzielle Unterstützung des Staates nicht viel ändern, die er wie viele andere Wirte beantragt hat. „Ein Teil des Geldes ist Ende November gekommen. Auf den Rest warte ich noch“, so der Antragsteller.

Die Aufgabe der Kneipe falle ihm schwer, gibt der 63-Jährige unumwunden zu. Wenn die Lage nicht so schwierig wäre, hätte er vermutlich noch ein paar Jährchen weiter gemacht. Vielleicht wäre seine Entscheidung auch anders ausgefallen, wenn er noch jünger wäre. Dann wäre er möglicherweise nochmal durchgestartet. Aber ein Ende der Krise sei nicht absehbar.

Gastwirt richtet Lob an sein Publikum

Nun ist Schluss, auf den Kopf genau nach 30 Jahren, wie Meyer rückblickend feststellt. An die Anfänge kann er sich gut erinnern. Er habe damals in der Destille gearbeitet, die Eckkneipe, wo sich heute die Banane befindet. Von heute auf morgen seien ihm die Gasträume nebenan angeboten worden. Es brauchte nur einen Sprung über den Moorbach zu machen, wo er fortan sein eigener Chef war.

Das Lokal florierte, ob vorne an der Theke oder hinten im Billard- und Kickerraum, wo Plakate vom „Staatsforsten Open-Air“ die Wände schmückten. Der Wirt bot den heimischen Festivalmachern ein Zuhause und veranstaltete auch selbst Live-Musik. An normalen Abenden gab es Rock aus der Konserve. „Aber nicht zu laut“, sagt Meyer, „die Leute sollen vernünftig quatschen können.“

Worauf der Gastwirt besonders stolz ist, das ist sein Publikum. Es habe mehrere Generationen abgedeckt, die Altersspanne reichte von 18 bis 80 Jahren. „Alles hat sich gut verstanden“, stellt Meyer lobend fest. Der Betrieb sei ruhig und friedlich gewesen, keine Schlägereien, kein Ärger mit der Polizei. „Dass jetzt ein Treffpunkt wegfällt, tut mir sehr leid“, sagt der Gastronom.

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