7024 Unfälle hat es im Jahr 2025 insgesamt auf den Straßen im Oldenburger Münsterland gegeben. Das sind zwar 31 weniger als im Jahr zuvor – allerdings hat es mehr schwere und auch tödliche Unfälle gegeben. Das geht aus der Unfallstatistik der Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta hervor, die am Dienstag veröffentlicht worden ist.
26 Menschen haben bei 22 Unfällen ihr Leben verloren. Der wohl schlimmste Unfall passierte im Januar 2025 auf der B401 bei Friesoythe. Dabei starben allein fünf Menschen. Im Jahr zuvor verzeichnete die Polizei noch 17 Unfälle, bei denen insgesamt 20 Menschen starben. 13 der 22 tödlichen Unfälle im letzten Jahr passierten im Landkreis Cloppenburg, neun im Landkreis Vechta. Aus der Statistik geht hervor: Häufigste Ursache (sechs) bei Unfällen mit tödlichem Ausgang ist eine zu hohe Geschwindigkeit. Bei vier tödlichen Unfällen wurde die Vorfahrt missachtet. Ein Unfall passierte bei einem missglückten Überholvorgang. In den übrigen Fällen sei eine konkrete Unfallursache nicht ermittelbar gewesen, teilt die Polizei mit.
Gestiegen ist auch die Zahl der Unfälle mit verletzten Personen. Hier verzeichnete die Polizei 187 Unfälle mit 210 Schwerverletzten. Im Jahr zuvor waren es noch 160 Unfälle mit 201 schwer verletzten Beteiligten. Mit 1073 Unfällen, bei denen 1434 Personen leicht verletzt wurden, ist ebenfalls mit Blick auf das Vorjahr eine Aufwärtsentwicklung festzustellen. „Wir betrachten die Zahlen der Verkehrsunfälle mit schweren und tödlichen Unfallfolgen mit Besorgnis. Jeder Verletzte ist ein Verletzter zu viel. Daher wird es unser Ziel bleiben, die Zahlen der Verkehrstoten und Verletzten im Straßenverkehr zu senken“, erklärt Polizeidirektor Walter Sieveke mit Blick auf die Entwicklung.
Auch bei den Unfällen mit Schwer- und Leichtverletzten sind es vorwiegend die Geschwindigkeitsüberschreitungen und die Missachtung von Vorfahrtsregeln, die als Ursache ausgemacht wurden. Sieveke betonte deshalb, dass es „unerlässlich sei“, an den bekannten Unfallschwerpunkten Geschwindigkeitskontrollen durchzuführen.
Alkohol und zunehmend auch Drogen am Steuer spielten im vergangenen Jahr ebenfalls eine Rolle. Bei 154 Unfällen standen die Unfallverursacher unter dem Einfluss von Alkohol. Bei diesen 154 Unfällen wurden 73 Menschen verletzt – davon 14 schwer. Bei weiteren 24 Unfällen standen die Unfallverursacher unter dem Einfluss von Drogen. Im Jahr zuvor waren es noch zehn.
Bei 23 Prozent aller 7024 verzeichneten Unfälle im letzten Jahr handelt es sich um Wildunfälle. Bei den insgesamt 1643 Wildunfällen wurde eine Person schwer, zwölf weitere Personen leicht verletzt. Relativ deutlich gestiegen ist die Zahl derer, bei denen die Fahrzeuge mit Bäumen kollidierten. Im Jahr 2025 waren es 181 Unfälle (2024: 137). Dabei haben fünf Menschen ihr Leben verloren. 28 Personen wurden schwer, 74 weitere leicht verletzt.
Sorge bereitet der Polizei die Zahl der Unfälle, bei denen E-Scooter beteiligt sind. Hier sei in den vergangenen Jahren eine stetige Entwicklung zu beobachten. Während es 2023 noch 29 Unfälle waren, sind es im Jahr 2025 bereits 99 Unfälle gewesen, bei denen sieben Menschen schwer, 64 weitere Personen leicht verletzt wurden.
Die größte Risikogruppe bei Unfällen sind weiterhin die jungen Fahranfänger. So konnten in der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen insgesamt 169 Verkehrsunfälle mit verletzten Personen verzeichnet werden. In der nächsten Altersgruppe, den 25- bis 34-Jährigen, wurden 151 Verkehrsunfälle gezählt. In den darauffolgenden Altersgruppen ist die Beteiligung an Verkehrsunfällen weiter rückläufig. Somit stellen weiterhin die 18- bis 24-jährigen Verkehrsteilnehmenden die größte Risikogruppe dar. Dies sei in dieser Gruppe häufig auf nicht angepasste Geschwindigkeit in Verbindung mit geringer Fahrpraxis sowie Fehleinschätzungen von Verkehrssituationen zurückzuführen, heißt es im Jahresbericht der Polizei.
Eine wachsende Risikogruppe im Straßenverkehr sind die Fahrrad- und Pedelec-Fahrer. So wurden 2025 insgesamt 579 Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Rad-/Pedelec-Fahrenden (2024: 589) registriert. Hierbei wurden fünf Rad-/Pedelec-Fahrende getötet, 55 erlitten schwere Verletzungen und 375 wurden leicht verletzt. Im Vergleich zu Autofahrern haben Fahrrad- und Pedelecfahrer deutlich geringere Möglichkeiten, um bei Unfällen vor Verletzungen geschützt zu werden.
Die Autobahnpolizei Ahlhorn, die für die A1 und A29 im Bereich des Oldenburger Münsterlandes zuständig ist, zieht ein ähnliches Fazit: Zwar hat es auch auf den Autobahnabschnitten weniger Unfälle gegeben, allerdings ist die Zahl der Verstorbenen und Schwerverletzten angestiegen. Im Jahr 2025 wurden 1249 Unfälle von den Beamten der Autobahnpolizei in ihrem gesamten Zuständigkeitsgebiet, das bis nach Oldenburg und Delmenhorst reicht, aufgenommen – im Jahr zuvor waren es 1460. Davon endeten acht Unfälle tödlich – im Jahr zuvor waren es drei. 44 Unfallbeteiligte wurden schwer verletzt (2024: 33).
Der wohl schlimmste Unfall ereignete sich im März 2025 auf der A1 im Bereich Dinklage und Holdorf. Ein Autofahrer verlor die Kontrolle am Steuer und kollidierte mit einem Sattelzug. Dabei wurde ein
36-jähriger Insasse aus dem Auto geschleudert, von einem nachfolgenden Wagen überrollt und
verstarb. Im Rückstau zu diesem Verkehrsunfall ereignete sich unmittelbar darauf ein Auffahrunfall mit vier Sattelzügen, wobei ein 53-Jähriger verstarb. Im Rahmen der Bergungsarbeiten musste die A1 gesperrt werden. In diesem Rückstau kam es erneut zu einem Auffahrunfall eines Autos auf einen Sattelzug, wobei eine 29-Jährige verstarb.
Die meisten tödlichen Unfälle passierten in einem Stau – etwa wegen eines vorangegangenen Unfalls, wie das eben genannte Beispiel zeigt, oder Bauarbeiten. Gerade die A1 sei wegen der hohen Verkehrsdichte anfällig für Verkehrsstörungen. Daher stehe die Autobahnpolizei regelmäßig im Austausch mit der Autobahn GmbH um für eine höhere Sicherheit in Baustellenbereichen zu sorgen. Allerdings wird im Jahresbericht ausdrücklich erwähnt, dass vor allem zu geringe Abstände zwischen den Fahrzeugen gerade bei Verkehrsstörungen zu oft zu Unfällen führen, besonders wenn dann auch noch Unachtsamkeit, zu hohe Geschwindigkeit und Fahrfehler mit ins Spiel kommen.
Seit Ende 2025 werden die Abstände der Fahrzeuge auf den Autobahnen mit einem neuen Messsystem kontrolliert. „Mit diesem Mittel zur technischen Verkehrsüberwachung, lassen sich Geschwindigkeiten und Sicherheitsabstände von Verkehrsteilnehmern effektiv überwachen und Verstöße beweissicher dokumentieren“, heißt es im Jahresbericht.