Leer ist es im großen Geräte-Raum des Bali-Fitness-Studios. Auf mehr als 400 Quadratmetern stehen ungezählte Geräte zur Stärkung von Brust- und Rückenmuskulatur, für Bizeps und Trizeps, Hüfte und Oberschenkel. Bänke für Sit-ups, Sandsäcke für den Frustabbau und Gymnastikmatten runden das Bild ab.
"Kann man mieten", sagt Bali-Geschäftsführer Michael Schütte. "Den gesamten Raum mit allen Geräten." 8 Euro für 75 Minuten pro Person, werden dabei fällig, maximal 2 Personen aus unterschiedlichen oder 5 aus einem Haushalt sind erlaubt. Selbst Microsoft-Gründer Bill Gates oder Tesla-Chef Elon Musk haben vermutlich keinen größeren Fitnessraum für sich allein.
"Das tut weh, wer sowas nicht miterlebt hat, kann nicht nachvollziehen, was das mit einem macht."
Heiner Schütte, Bali-Fitness
Seit 2. November sind Fitnessstudios geschlossen, zum Unverständnis von Heiner Schütte, der das Unternehmen vor 35 Jahren gegründet hat. "Wir sind doch eigentlich eher Teil der Lösung als Teil des Problems", sagt er. "Wer fit ist, der ist auch weniger anfällig für Viren." Im Sommer, nach dem ersten Lockdown, durften sich in den einzelnen Bereichen des Studios immerhin noch zwischen 2 und 10 Personen aufhalten. Seit Anfang November geht gar nichts mehr.
"Wenn man nach 4 Wochen in ein unbenutztes Studio geht, dann wirkt das wie eine Lagerhalle voll Eisen", sagt Heiner Schütte. "Das tut weh, wer sowas nicht miterlebt hat, kann nicht nachvollziehen, was das mit einem macht." Und auch für die Kardiogeräte, wie etwa die elektronisch gesteuerten Laufbänder, ist die lange Pause schlecht. "Die stehen sich kaputt", hat Michael Schütte festgestellt.
Drei baulich voneinander getrennte Räume geschaffen
Damit zumindest ein wenig Betrieb in die Bude kommt, haben sich die Schüttes ihr Vermietungskonzept ausgedacht. "Individualsport ist ja erlaubt", sagt Heiner Schütte. "Auch in geschlossenen Räumen." Also hat Bali die in langen Betriebsjahren gewachsene Gebäudestruktur genutzt und im ganzen Studio 3 baulich voneinander getrennte, unterschiedlich ausgestattete Räume geschaffen, die von den Mietern durch jeweils eigene Eingänge betreten werden. So können wie beim Tennis 2 Personen in einer Halle miteinander Sport treiben – allerdings ohne Trainer, denn körpernahe Dienstleistungen sind nach wie vor verboten.
Anfang Dezember ging das Konzept über die Stadt an den Landkreis zur Genehmigung. "Dort hat man sich anfangs etwas schwer damit getan", erinnert sich Heiner Schütte. Zu Hilfe kam ihnen dann die Betreiberin eines anderen niedersächsischen Fitnessstudios, die mit einer vergleichbaren Idee erst an den Behörden gescheitert war und dann vom Verwaltungsgericht Hannover Recht bekommen hat. "Nach dem Urteil konnten wir ziemlich schnell loslegen", sagt Schütte.
Der 400 Quadratmeter große Raum ist mit zwei Menschen voll belegt
3 Räume stehen jetzt für die Vermietung zur Verfügung: der Kraftraum mit Hanteln und Gewichten, die Halle mit den Fitnessgeräten und ein Raum mit Spinningbikes, Matten und Gymnastikmöglichkeiten. "Der ist zum Austoben gedacht", grinst Michael Schütte. Die Buchung erfolgt über die App des Studios, außer bei der Schlüsselübergabe funktioniert das Ganze ohne direkten Kontakt. Das Angebot wird gut angenommen, vor allem beim Geräte-Raum zeigt der Belegungsplan fast durchgängig "voll" an – was 2 zwei Menschen auf 400 Quadratmetern einer gewissen Ironie nicht entbehrt.
Gewinn machen die Schüttes mit der Vermietung nicht. "Vielleicht deckt es so gerade die Kosten für Strom, Heizung und Mitarbeiter", hofft der Geschäftsführer. Weitere Einnahmen gibt es derzeit nicht, seit November zieht das Studio keine Mitgliedsbeiträge mehr ein. "Wir können doch keine Zahlungen abbuchen, wenn wir keine Leistung erbringen können", sagt Schütte.
Lockdown für Investitionen und Neuerungen genutzt
Stattdessen wird weiter investiert. "Durch Corona haben wir gemerkt, dass wir die Cardiogeräte, also etwa die Laufbänder, von den Fitnessgeräten räumlich trennen sollten", erläutert Michael Schütte. "Wer sich beim Laufen verausgabt, pustet seine Aerosole schon mal 7 Meter weit, das ist für die anderen auch in normalen Zeiten nicht angenehm."
Und auch sonst haben die Schüttes Corona genutzt, um sich neu aufzustellen. Das Team hat viele Schulungen durchlaufen, neue Gesundheitsprogramme entwickelt und einen Bereich für Outdoor-Kurse angelegt. "Die Branche wird sich verändern", sagt Heiner Schütte. "Wir wollen vorne dabei sein."