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Medizinstudium soll auf Abitur folgen

Der 22-Jährige erwartet einen Notendurchschnitt zwischen 1,2 und 1,4. In seiner mündlichen Prüfung holte er das Maximum von 15 Punkten. Nun möchte er Medizin in Hannover studieren.

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Erfolgreich: Hunar Haydar freut sich über das Abitur. Foto: Hermes

Erfolgreich: Hunar Haydar freut sich über das Abitur. Foto: Hermes

„Ich habe das geschafft, weil ich ein Ziel vor Augen hatte“, sagt Hunar Haydar. Der 22-Jährige war 2015 aus dem Irak nach Cloppenburg geflohen und absolviert sein Abitur an der BBS Technik in diesem Jahr mit einer Note zwischen 1,2 und 1,4. Ziel ist nun ein Medizinstudium in Hannover.

Im Gespräch mit OMonline zeigt der junge Mann ein breites Grinsen. Nur allzu verständlich, hatte er doch kurz zuvor mit 15 Punkten das Maximum in der mündlichen Prüfung erreicht. Betriebs- und Volkswirtschaft stand auf dem Programm, zudem hatte er die Leistungskurse Deutsch, Mathematik, Bautechnik sowie das Fach Informatik.„Es ist ein sehr gutes Gefühl, jetzt habe ich es geschafft.“

Nachhilfe in Deutsch und Englisch

Vor fünf Jahren hatte er sich alleine zu Fuß auf den Weg nach Deutschland gemacht. In Cloppenburg angekommen, besuchte er zunächst die Realschule und musste das erste Jahr wiederholen. Anschließend bestand er den Erweiterten Sekundarabschluss I und wechselte zum Technischen Gymnasium.

Während der gesamten Zeit wurde Haydar über das Paket „Bildung und Teilhabe“ unterstützt. Zwei bis drei Stunden in der Woche gab es Nachhilfe in Deutsch und Englisch. Wie Christian Albers vom Nachhilfeinstitut Capri erklärt, kann die Maßnahme von Familien, die Arbeitslosengeld, Wohngeld, Sozialhilfe oder Asylbewerberleistungen oder Kinderzuschlag erhalten, in Anspruch genommen werden.

„Es ist toll, dass der Staat mittellosen Familien Geld für die Bildung zur Verfügung stellt“, sagt Albers. Man brauche aber auch entsprechende Lehrer, die den Bedarf sehen und entsprechend begründen. Manchmal auch trotz guter Noten. Teilweise sei eine langfristige Begleitung in einzelnen Bereichen einfach notwendig.

Cloppenburg ist zur neuen Heimat geworden

Aus dem Paket gibt es auch finanzielle Unterstützungen für Klassenfahrten oder die Mitgliedschaft in Vereinen. Gerade in der Anfangszeit habe es des Öfteren Kritik daran gegeben. „Das ist aber etwas, was Kinder und Jugendliche wirklich weiterbringt. Viele brauchen die Begleitung“, sagt Albers, der sich für das Programm einsetzt.

„Mir hat das sehr geholfen, besonders, um die deutsche Sprache zu lernen“, erzählt Haydar, der heute selbst Nachhilfestunden in Naturwissenschaften für jüngere Schüler gibt. Ab dem Sommer möchte der 22-Jährige Medizin studieren, das Ziel ist die Medizinische Hochschule Hannover. Die Bewerbungsfrist beginnt am 15. Juli. „Ich hoffe, dass das klappt.“

Eine Rückkehr in den Irak kann sich Haydar nicht mehr vorstellen. Inzwischen ist auch seine Familie nach Cloppenburg gekommen, sie hat sich ein neues Leben aufgebaut. „Ich fühle mich sehr wohl und kann mir kein besseres Land vorstellen.“

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