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Mediziner legen den Fokus auf alte Patienten

Die Krankenhäuser der Schwester-Euthymia-Stiftung stellen sich auf den demografischen Wandel ein – und sind gut aufgestellt.

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Bei einer Veranstaltung der Schwester-Euthymia-Stiftung zu aktuellen Entwicklungen in der Geriatrie stellten Experten praxisnahe Versorgungskonzepte und zukunftsweisende Netzwerke für die Altersmedizin vor. Foto: Gerald Lampe/SES

Bei einer Veranstaltung der Schwester-Euthymia-Stiftung zu aktuellen Entwicklungen in der Geriatrie stellten Experten praxisnahe Versorgungskonzepte und zukunftsweisende Netzwerke für die Altersmedizin vor. Foto: Gerald Lampe/SES

Die Zahl alter Menschen mit Mehrfacherkrankungen nimmt zu. Die Krankenhäuser der Schwester-Euthymia-Stiftung (SES) seien darauf aber eingestellt und hätten die Weiterentwicklung der geriatrischen Versorgung in der Region jetzt bei einer Veranstaltung in Dinklage vorgestellt und diskutiert. Das teilt die Stiftung mit.

Professor Dr. Johan Lorenzen, Chefarzt am St.-Josefs-Hospital Cloppenburg und Direktor der geriatrischen Kliniken der Schwester-Euthymia-Stiftung, hatte die Veranstaltung initiiert. Er wolle die verschiedenen geriatrischen Fachbereiche zusammenbringen, um eine bestmögliche Versorgung alter Patienten im nordwestlichen Niedersachsen sicherzustellen, so die Mitteilung.

Bei der Veranstaltung der Schwester-Euthymia-Stiftung in Dinklage zeigten Experten aus der Region Wege dazu auf. Diskutiert wurden aktuelle Entwicklungen, praxisnahe Versorgungskonzepte und zukunftsweisende Netzwerke für die Altersmedizin. „Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur medizinische Fragen wie Multimorbidität, Demenz, Mobilität und Diabetes im Alter, sondern auch strukturelle Lösungen für die sektorenübergreifende Zusammenarbeit zwischen Klinik, Hausarztpraxis, Pflege und Reha“, so Professor Dr. Johan Lorenzen.

Einblicke in den Umgang mit dementen Patienten

Zunächst ging es um die Geriatrie in der Hausarztmedizin: Dr. Heiko Jörg Dietzel, Chefarzt Neurologie am Krankenhaus St. Elisabeth Damme, sprach in diesem Zusammenhang über Gangstörungen aus neurologischer Sicht. Auf Schmerz und die Einnahme einer Vielfalt an Medikamenten im Alter ging Dr. Corinna Drebenstedt, St.-Marien-Hospital Friesoythe, ein.

Einblicke in den Umgang mit dementen Patienten im St.-Franziskus-Hospital Lohne gab Chefärztin Irina Aleksandrova: „Die Demenzen zählen heute zu den häufigsten Erkrankungen im Alter.“ Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland seien betroffen. Die Zahl der Betroffenen werde bis 2050 auf mindestens 2,3 Millionen steigen.

Diabetes im Alter war das Thema von Dr. Thea Laurentius vom Klinikum Oldenburg: Probleme seien häufig zu straffe Langzeitblutzucker-Zielwerteinstellungen, fehlende altersspezifische Langzeitblutzucker-Referenzwerte, eine fehlende Therapieanpassung an den Funktionsstatus, häufige Übertherapien und mangelnde individuelle Therapiekonzepte. Es sei wichtig, jeden Krankenhausaufenthalt für ein Hinterfragen des Therapiekonzeptes zu nutzen, so Dr. Laurentius.

Prävention, Rehabilitation und Versorgung neu gedacht – lautete das Thema eines weiteren Blocks: Chefarzt Jan-Philipp Symanczik (Krankenhaus St. Elisabeth Damme) erläuterte in diesem Zusammenhang das Delirmanagement.

Perspektiven auf Würde, Rolle und Identität

Dr. Uta Likus, leitende Ärztin Mobile Reha Bremen, laut Mitteilung die einzige mobile Reha in Norddeutschland und größte in Deutschland mit 622 Rehabilitanten im vergangenen Jahr, stellte die mobile Rehabilitation in der Pflegeeinrichtung sowie in der Häuslichkeit vor.

Über die neurologische Frührehabilitation informierte Chefarzt Dr. Marcel Knosalla vom Krankenhaus St. Elisabeth Damme. Die Klinik für Neurologische Frührehabilitation in Damme versorgt Patienten mit schweren Schädel-Hirn-Erkrankungen direkt nach der Erstversorgung. Noch während der Akutbehandlung – der sogenannten Phase A – könne laut Mitteilung die neurologische Frührehabilitation der Phase B beginnen. „Gerade im neurologischen Bereich ist frühzeitiges Handeln sehr wichtig – das gilt im Besonderen für die Rehabilitationsbehandlung“, so Dr. Knosalla.

In einem weiteren Themenblock wurde Ausblick gehalten: Perspektiven auf Würde, Rolle und Identität zeigte Professor Dr. Jörg Zimmermann (Klinikdirektor Gerontopsychiatrie, Karl-Jaspers Klinik Bad Zwischenahn) auf. Er zitierte Thomas Rentsch mit den Worten: „Im Altern vollzieht sich eine Radikalisierung der menschlichen Grundsituation, die ein Werden zu sich selbst ermöglicht.“ Im Vortrag wurde der Zusammenhang zwischen Endlichkeit und Sinn erläutert. Viktor E. Frankl, der Erfinder der sinnorientierten Logotherapie, war der Auffassung, dass eine angemessene Haltung gegenüber leidvollen Situationen für deren Bewältigung entscheidend sein kann.

Professor Dr. Johan Lorenzen erklärte zudem in seinem Beitrag, warum die Nierenfunktion im Alter über mehr entscheidet als nur über Dialyse. Gerade bei alten Patienten mit Mehrfacherkrankungen sei eine präzise Einschätzung der Nierenfunktion entscheidend, um Therapien sicher und individuell anzupassen, heißt es in der Mitteilung zu seinem Vortrag. Gleichzeitig stellte Lorenzen dar, dass bei Patienten die Entscheidung für oder gegen eine Dialyse sorgfältig abgewogen werden müsse, da Lebensqualität, Multimorbidität und funktioneller Status eine ebenso große Rolle spielten wie medizinische Parameter.

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