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Lohnerin erhält Wissenschaftschaftspreis

Dass eine Sonderpädagogik-Studentin den Niedersächsischen Wissenschaftspreis bekommt, ist schon etwas Besonderes. Wie es dazu kam, berichtet Rebecca Nathalie Henkel im Gespräch.

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Sichtlich stolz präsentiert Rebecca Nathalie Henkel ihre Urkunde des mit 3500 Euro dotierten Preises vom Niedersächsischen Wissenschaftsministerium. Foto: Scholz 

Sichtlich stolz präsentiert Rebecca Nathalie Henkel ihre Urkunde des mit 3500 Euro dotierten Preises vom Niedersächsischen Wissenschaftsministerium. Foto: Scholz 

Wer an die Förderschule denkt, der wird nicht sofort diese mit dem Begriff "Wissenschaft" assoziieren. Vielmehr Chemie oder Physik fallen da den meisten dabei wohl ein. Dass es doch aber gar nicht so abwegig ist, hat die 24-jährige Rebecca Nathalie Henkel aus Lohne jetzt bewiesen. Die Sonderpädagogik-Studentin hat den Niedersächsischen Wissenschaftspreis für Studenten erhalten. Doch nicht nur in der Wissenschaft hat die Lohnerin sich einen Namen gemacht.

So richtig fassen kann es die 24-Jährige eigentlich immer noch nicht. Vor wenigen Wochen erhielt sie in Hannover die mit 3500 Euro dotierte Auszeichnung von Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU). Doch wie kam es dazu?

Henkel studiert schon seit einigen Jahren in Hannover Sonderpädagogik. "Erst wollte ich nach meinem Abitur Gymnasiallehrerin werden", berichtet die Lohnerin. Doch vorher machte sie zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Dinklager Behinderteneinrichtung Kardinal-von-Galen-Haus.

Henkel studiert Sonderpädagogik und Mathe in Hannover

Die Arbeit dort begeisterte Henkel so sehr, dass sie sich kurzerhand umentschied und sich für Sonderpädagogik in Hannover einschrieb. "Besonders das lebenspraktische Lernen dort hat mich fasziniert", berichtet die Studentin. Ihr Wunschhauptfach Mathe blieb.

Übergabe im Ministerium in Hannover: Rebecca Nathalie Henkel (rechts) erhält die Auszeichnung von Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU). Foto: MWKbrauers.comÜbergabe im Ministerium in Hannover: Rebecca Nathalie Henkel (rechts) erhält die Auszeichnung von Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU). Foto: MWK/brauers.com

Eine Dozentin habe ihr dann einen Hilfsjob angeboten, bei dem sie gemeinsam im Team ein Konzept beziehungsweise Seminar entwickelt hat, wie Naturwissenschaft und Sonderpädagogik zusammenpassen können. Einen ähnlichen Schwerpunkt habe dann auch ihre darauffolgende Masterarbeit gehabt. "Ich habe untersucht, wie die Inklusion bei den Lehramtstudenten bereits funktioniert", berichtet Henkel. Mit dem Ergebnis, dass es noch deutliche Probleme in der Inklusion gebe. Ihre Dozenten hätten Henkel dann wegen ihrer geleisteten Arbeit für den Preis vorgeschlagen.

"Eigentlich war alles ein wenig zufällig", sagt die Studentin lachend. Und dann kam es wie kam. Im Spätsommer erhielt die 24-Jährige einen Brief, dass sie gewonnen hätte. "Ich habe mich natürlich extrem gefreut, auch wenn ich bis vor kurzem niemandem davon erzählen durfte", erklärt Henkel. Die Corona-Pandemie hatte dafür gesorgt, dass die Preisverleihung verschoben wurde.

24-Jährige ist in der katholischen Kirche in Lohne ehrenamtlich aktiv

Woran beziehungsweise wofür sie den Preis nun erhalten habe, wisse Henkel selber nicht so genau. "Es ist schon sehr ungewöhnlich, dass eine Sonderpädagogin solch einen Preis bekommt", räumt Henkel ein. Neben ihr haben 16 weitere Professoren beziehungsweise Studenten den Niedersächsischen Wissenschaftspreis erhalten.

„Mit dem Wissenschaftspreis würdigen wir herausragende Persönlichkeiten, die sich ebenso durch außerordentliche Leistungen in Forschung und Lehre wie auch für ihre Kooperationen und Netzwerke auszeichnen“, erklärt Minister Thümler. Und da Henkel auch im Bereich Ehrenamt so einiges vorzuweisen hat, kann das auch mit ausschlaggebend für ihre Auszeichnung gewesen sein.

"Ich bin schon seit der 3. Klasse als Messdienerin und später dann als Gruppenleiterin und Lektorin in der Kirchengemeinde in Lohne aktiv", erzählt die 24-Jährige. Daneben betreue sie schon seit einigen Jahren auch das jährliche Ferienlager für Kinder und Jugendliche in den Sommerferien. "Die Arbeit mit Kindern hat mir immer schon total viel Spaß gemacht", sagt Henkel. Das, was sie selber als Kind erleben durfte, wolle sie anderen Kindern jetzt auch anbieten.

Nächstes Ziel für die Lohnerin lautet: Promotion

Neben der Arbeit in der Kirchengemeinde ist die Musik das zweite große Steckenpferd der Lohnerin. Bis vor wenigen Jahren noch hat sie das Jugendorchester geleitet. Aber auch heute noch würde Henkel immer wieder, wenn größere Proben anstehen, nach Lohne kommen und unterstützen wo sie könne. Sie selber spielt übrigens Querflöte. Die Gemeinschaft im Orchester und auch allgemein in Lohne sei für sie das Besondere der Stadt.

Und wie sieht die Zukunft aus? Der Plan A sei, dass Henkel nun erst einmal promoviere - wieder ungewöhnlich für eine Sonderpädagogin. Das hänge aktuell daran, ob sie ein Stipendium bekomme oder nicht, berichtet die Lohnerin. Thematisch möchte sie ihre Untersuchung aus der Masterarbeit ausweiten.

Sollte das nicht klappen, sei Plan B der Beginn des Referendariats. "So oder so will ich ja Lehrerin werden und brauche das Referendariat", sagt Henkel. Sollte es nach Plan A laufen, könne sie sich gut vorstellen, zunächst an der Uni zu arbeiten. "Die Inklusion, wie sie heute ist, ist bei weitem noch nicht gelungen. Das möchte ich gerne verändern", erklärt die 24-Jährige. 

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