Mit Ratschlägen für Mathe-Muffel hat Kai Schmidt YouTube erobert. Das Studium in Vechta hat den Bentheimer dazu inspiriert. Knapp 1 500 Videos hat der Oberschulrektor inzwischen produziert.
Der Erklärer: Lehrer Schmidt in einem Video. Unverständliche Mathematik macht er für jeden verständlich. Foto: Kessen
„Hi und herzlich willkommen bei Lehrerschmidt“ – so begrüßt Kai Schmidt wöchentlich seine Zuschauer auf der Video-Plattform „YouTube“ mit seinem Kanal „Lehrerschmidt“. Seit 2013 bereitet Oberschullehrer, der in Vechta studiert hat, komplexe Mathe-Themen wie das „Wurzelziehen“ oder den „Satz des Pythagoras“ in kurzen Videos auf und hilft so täglich Tausenden von Schülern „aus der Patsche“. Während seiner Zeit in Vechta war er zudem im Fach „Designpädagogik“ nicht unerfolgreich, wie sich sein ehemaliger Professor erinnert.
Momentan zählt Schmidts YouTube-Kanal bereits über 720.000 Abonnenten, Tendenz stark steigend. „Das war am Anfang nicht ansatzweise so geplant“ erinnert sich Schmidt, der Rektor an der Oberschule in Uelsen in der Grafschaft Bentheim ist. Denn eigentlich habe er damit damals, 2013, nur seinem „tollen, aber leider nicht so fleißigen“ Abschlussjahrgang helfen wollen. „Deshalb habe ich angefangen, kurze Mini-Filmchen mit dem Handy zu drehen“, sagt der Bentheimer. Der Schulserver sei wegen seiner Videos aber schnell überlastet gewesen, sodass er zwangsläufig Videos hätte löschen müssen. Die Schüler, bei denen das Format sehr gut ankam, brachten ihn dann auf die Idee, die Videos doch einfach auf YouTube hochzuladen. „Das hat dann auch wunderbar funktioniert.“
Schüler schicken Lernvideos an Mitschüler weiter
Bis auf eine Sache: Schmidts Schüler fingen an, die eigentlichen „geheimen“ Links an andere Schüler weiterzuschicken. „So haben die Dinge dann ihren Lauf genommen“, freut sich der Oberschulrektor im Nachhinein.
In der Zwischenzeit ist viel passiert: Knapp 1 500 Videos zählt sein erfolgreicher YouTube-Kanal. „Die Qualität der Videos ist im Laufe der Jahre immer besser geworden“, findet Schmidt. So habe er immer wieder getüftelt, welche Kamera und welche Konstruktion am besten für die Videos seien. Themen gehen dem Bentheimer nach sieben Jahren nicht aus. „Man findet schon immer wieder neue Variationen.“ Zudem bekomme er vor allem von Eltern immer wieder E-Mails mit Themenanregungen.
Kai Schmidt's Werk von 2006: Eine Sequenz von fünf Kuben aus deren geometrischer Struktur sich Formvarianten bilden war im Vechtaer Rathaus-Foyer seinerzeit ausgestellt. Foto: Koopmann
Von 2003 bis 2007 hat der gelernte Bankkaufmann in Vechta Sachunterricht, Erdkunde, Deutsch und Politik auf Grund, Haupt- und Realschullehramt studiert. Da fehlt doch was: Kein Mathe? „Das habe ich immer im Nebenfach mitgenommen“, erzählt Schmidt. Das habe den einfachen Grund gehabt, dass „damals die Jobaussichten bei Mathe nicht so gut gewesen sind.“ Er sei aber durch und durch zur Naturwissenschaft geneigt. An seine Studienzeit erinnert er sich gerne zurück: „Durch die damals noch sehr kleine Uni in Vechta war alles sehr persönlich.“
Noch heute schwört Schmidt auf die Credos seines Professors
Einer, der sich noch gut an Schmidt erinnern kann, ist Professor Karl-Eckhard Carius. „Kai war schon damals ein großes Organisationstalent“, berichtet Carius, der an der Universität Designpädagogik gelehrt hat. Das bestätige sich jetzt auch durch seinen Posten als Oberschulrektor. Carius weiter: „Ich habe ihn außerdem als sehr engagierten und interessierten Studenten erlebt.“ Unter anderem haben Carius, Schmidt und andere Studierende 2006 die Ausstellung „konzept_formen“ im Foyer des Rathauses in Vechta organisiert. „Dort wurden Projektarbeiten präsentiert, die innerhalb meines Lehrstuhls an der Universität entstanden sind.“ Über den Erfolg Schmidts freut sich der mittlerweile emeritierte Professor: „Das zeigt doch, dass die Universität Vechta einen Rahmen für die Entwicklung von Lehramtsstudenten bietet.“
„Ich kann mich nicht mehr an alle Professoren erinnern, aber die Erinnerungen an Professor Carius sind hängengeblieben“, sagt Schmidt. Er habe Carius damals als Betreuer für seine Abschlussarbeit gewählt und „eine intensive Praxisphase“ erlebt. Noch heute schwört der Bentheimer auf einige Credos von Carius: „Er ermutigte uns immer wieder dazu, weiter an etwas zu glauben.“ Das habe ihm auch in der Anfangszeit seiner YouTube-Videos geholfen, weiterzumachen. „Außerdem hat Carius uns zu einfachen, wiedererkennbaren Strukturen geraten“, sagt Schmidt. Das beherzige er auch immer wieder in seinen Videos, „um es verständlich zu halten.“
Homeschooling treibt die Klickzahlen der Videos in die Höhe
Genau diese Videos erleben momentan mit teilweise geschlossenen Schulen einen regelrechten Höhenflug. „Seit Corona und dem damit verbundenen Homeschooling verzeichne ich exorbitant hohe Videoaufrufe“, stellt Schmidt fest. Hatte er normalerweise noch circa 100.000 Aufrufe am Tag, sind es jetzt schon 500.000 Personen, die sich täglich seine Videos anschauen.
Und diese Personen sind ganz unterschiedlicher Natur: Vormittags würden eher Lehrer-Kollegen auf die Videos zugreifen, die diese dann ihre Schüler schicken würden. „Und nachmittags sind es vor allem die Nachhilfeinstitute, die die Videos beim Lernen verwenden“, weiß der YouTuber.
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Wichtig ist dem Oberschullehrer beim Produzieren der Videos vor allem, selbst auch mit Gesicht erkennbar zu sein. „Denn bei Mathe ist neben der Sachebene die Beziehungsebene genauso wichtig“, meint Schmidt. Seine „Geheimmission, Schüler für Mathe zu begeistern“, betreibt er rein hobbymäßig. „Seit zwei Jahren kann ich aber schon etwas mehr als kostendeckend arbeiten.“ Das steht für den Oberschullehrer aber nicht im Vordergrund, sondern in erster Linie, Mathe verständlich zu machen. „Denn wenn man kein Bock darauf hat, hält man es eh nicht so lange durch.“
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