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Lastruper Mehrgenerationenhof weckt bundesweites Interesse

Sein erklärtes "Herzensprojekt" setzt Carsten Hermeling seit einigen Jahren konsequent um. Um mangelnde Nachfrage muss er sich nicht sorgen. Rund 20 Menschen bevölkern den Hof mittlerweile.

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Wohn-Visionär: Carsten Hermeling hat den Mehrgenerationenhof aufgebaut.   Foto: G. Meyer

Wohn-Visionär: Carsten Hermeling hat den Mehrgenerationenhof aufgebaut.   Foto: G. Meyer

Noch liegt sein kleiner Deutz in Einzelteilen vor ihm, doch Thomas Herzog strahlt mit der Frühlingssonne um die Wette. Wochenlang hat er an dem Oldtimer herumgeschraubt, den Motor eigenhändig auf Vordermann gebracht. "Das Schlimmste liegt hinter mir", erklärt der großgewachsene Mann stolz. Zusammengebaut und frisch lackiert soll das Schmuckstück demnächst über den Mehrgenerationenhof in Hammel tuckern.

Herzog ist vor mehr als 1 Jahr aus Vechta auf den Hof gezogen. Er bewohnt ein kleines Fachwerkhaus, dessen Mauerwerk rund 180 Jahre alt sein dürfte. Hofbesitzer Carsten Hermeling hat es in Vinnen entdeckt und in Hammel wieder aufgebaut. Mieter wie Herzog passen ideal zu seinem Projekt. 2004 hatte der Steuerberater die rund 3 Hektar große Hofstelle gekauft. Die ehemalige Fruchtscheune baute er zunächst zum Wohnhaus um. Einige Jahre später nahm er sich das renovierungsbedürftige Bauernhaus vor. Hermeling richtete darin mehrere Mietwohnungen ein und siedelte auch mit seinem Büro von Lindern nach Hammel über.

Bewohner bringen ganz unterschiedliche Erfahrungen und Kenntnisse mit

Zufrieden war er danach aber noch nicht. Er hatte sich schon länger mit alternativen Wohnkonzepten beschäftigt. Auf seinem Mehrgenerationenhof sollten die Bewohner gemeinsam aktiv sein, ohne auf die eigenen vier Wände zu verzichten. "So, wie es in einem kleinen Dorf zugeht", erklärt der gebürtige Linderner. Inzwischen haben seine Pläne deutlich Gestalt angenommen.

Nach der Sauna in den Teich: Die Bewohner können diesen Luxus mit nutzen. Foto: G. MeyerNach der Sauna in den Teich: Die Bewohner können diesen Luxus mit nutzen. Foto: G. Meyer

Hermeling ließ sechs weitere Wohnhäuser errichten. Noch im Bau befindet sich ein größeres Gebäude, in dem neben Ferienwohnungen auch ein Hofladen untergebracht wird. Dort könnten die Kunden bald nicht nur einkaufen, sondern auch einen Kaffee trinken, gemeinsam klönen oder lesen. Letztlich solle das Angebot dem gesamten Ort dienen. "Hier entsteht eine lebendige Dorfmitte, von der alle profitieren", ist Hermeling überzeugt.

Für seine Mitbewohner hat er außerdem ein Backhaus eingerichtet. Die beiden Öfen werden regelmäßig angeworfen. Das Brot trägt ebenso wie die kleine Hühnerschar zur Eigenversorgung bei. Auf den Wiesen grasen Schafe und Alpakas. Hermeling würde sich gern noch ein paar Schweine zulegen.

Rund 20 Menschen bevölkern den Hof mittlerweile. Sie sind zwischen Anfang 20 und Mitte 60 und bringen ganz unterschiedliche Erfahrungen und Kenntnisse mit. Michael Köhler etwa stammt aus dem Ruhrgebiet. Der Installateur mietete sich vor 2 Jahren ein und ist für Hermeling eine wichtige Stütze. Zurzeit hilft er ihm beim Verlegen einer Wasserleitung. "Dann können wir die Anlagen überall bequem bewässern", erklärt er. Die Arbeit macht ihm Spaß. Ob er seinen Lebensabend auf dem Hof verbringen wird, weiß Köhler zwar noch nicht. Seine Entscheidung für den Norden bereut er aber keinesfalls. "Im Moment ist alles gut."

Energieversorgung: Künftig setzt Hermeling vor allem auf Sonne und Wind

Einen Zwang zum Mitmachen gibt es nicht. Carsten Hermeling achtet bei der Auswahl seiner Mieter aber darauf, dass die Chemie einigermaßen stimmt. Alles in allem ist er mit dem Zusammenleben zufrieden. Das Meiste werde demokratisch ausgehandelt, sagt er. In seine Vorhaben lässt er sich letztlich aber nicht reinreden. Auch der Badeteich mitsamt Außensauna war ganz allein seine Idee. Als Investor steht er zudem mit seinem eigenen Geld gerade. Gewinne müsse sein "Herzensprojekt" zwar nicht abwerfen. "Aber die Kosten sollte es schon decken", sagt der Steuerexperte.

Alte Substanz: Das Fachwerkhaus stand früher in Vinnen.   Foto: G. MeyerAlte Substanz: Das Fachwerkhaus stand früher in Vinnen.   Foto: G. Meyer

Dazu dürfte auf Dauer auch die Energieversorgung beitragen. Zwar wird das zu Anfang gebaute Blockheizkraftwerk noch mit Gas betrieben. Künftig setzt Hermeling aber vor allem auf Sonne und Wind. So möchte er unter anderem ein hofeigenes Windrad aufstellen. Das Modell eines jungen Start-Up sei zwar nur knapp 25 Meter hoch, aber sehr effektiv, weiß er. Das Thema Nachhaltigkeit ist ihm wichtig. Am Ende soll der Hof Strom und Wärme weitgehend autark produzieren.

In Nummer 7g öffnet Dr. Frank Broehl die Tür. Der Chirurg hatte in Hagen am Teuteburger Wald eine eigene Praxis und lebte zusammen mit seiner Frau Ute mehrere Jahre lang in Südafrika. Vor 2 Wochen bezog das Paar ein gemütliches Heim auf dem Mehrgenerationenhof. Wenn ihre fünf erwachsenen Kinder gleichzeitig zu Besuch kommen, wird es zwar eng. "Aber dafür gibt es ja die Ferienwohnungen", erklärt der freundliche Mediziner. Beide hatten zuvor lange überlegt und sich überall nach neuen Wohnmodellen umgesehen. Letztlich sei keines wie dieses gewesen. "Was Herr Hermeling macht, ist bundesweit einmalig", betont Ute Broehl.

Der Hofherr hat bereits neue Pläne. Zwei weitere Mietshäuser sollen demnächst hinzukommen. Vorgesehen ist auch der Bau eines Seminargebäudes. Dass sein Projekt damit abgeschlossen wäre, glaubt Hermeling aber selbst nicht. "Wir werden niemals fertig", bekennt er. Unglücklich wirkt er darüber nicht.

Neu-Hammeler: Das Ehepaar Ute und Dr. Frank Broehl zog vor 2 Wochen auf den Mehrgenerationenhof. Foto: G. MeyerNeu-Hammeler: Das Ehepaar Ute und Dr. Frank Broehl zog vor 2 Wochen auf den Mehrgenerationenhof. Foto: G. Meyer

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