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Künstlerduo bringt Farbe in die Vechtaer Innenstadt

Robin Masemann und Nils Freye gestalten Graffiti an einer Hauswand an der Großen Straße. Das Motiv hat einen engen Bezug zum städtischen Leben.

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Hingucker in einer Gasse: Robin Masemann (links) und Nils Freye haben einer Hauswand an der Großen Straße ein neues Gesicht gegeben. Es ist nicht das erste Mal, dass die beiden ehemaligen Studienkollegen gemeinsam ein Projekt umsetzen. Foto: Masemann

Hingucker in einer Gasse: Robin Masemann (links) und Nils Freye haben einer Hauswand an der Großen Straße ein neues Gesicht gegeben. Es ist nicht das erste Mal, dass die beiden ehemaligen Studienkollegen gemeinsam ein Projekt umsetzen. Foto: Masemann

„Endlich kommt ein wenig Farbe in die Innenstadt“ – diesen Satz haben Robin Masemann und Nils Freye eigenen Angaben zufolge mehrfach von Passanten gehört, als sie in den vergangenen Tagen eine Hauswand an der Großen Straße in Vechta besprühten. Das Ergebnis kann sich in der Tat sehen lassen. Das frisch fertiggestellte Graffiti ist nicht nur äußerst bunt, sondern hat auch einen inhaltlichen Bezug zur Kreisstadt.

Es ist nicht das erste Mal, dass die beiden Graffiti-Künstler aus Vechta gemeinsame Sache machen. Bereits vor gut 2 Jahren hatten die ehemaligen Studienkollegen der Universität Vechta ein Projekt umgesetzt. Damals gestalteten sie eine Betonwand auf dem Sportplatz der Hochschule. Nach der erfolgreichen Premiere kamen die Freunde in diesem Frühjahr zu dem Entschluss, ein neues Projekt in Angriff zu nehmen.

Bei der Suche nach einem passenden Schauplatz kam der Zufall ins Spiel, wie Masemann verrät: „Nachdem wir durch Vechta geschlendert sind und mehrere mögliche Wände begutachtet haben, sind wir zum Kiosk gegangen und wollten eigentlich nur eine Mate kaufen und noch kurz schnacken. Da fiel uns die Wand in der Gasse auf, welche bereits mit diversen illegalen Graffitis besprüht wurde.“

Eine Hommage an den Stoppelmarkt: Auch die Traditionsfiguren Jan und Libett finden sich auf der neugestalteten Wand wieder. Foto: MasemannEine Hommage an den Stoppelmarkt: Auch die Traditionsfiguren Jan und Libett finden sich auf der neugestalteten Wand wieder. Foto: Masemann

Die verschmierte Mauer ließ das Duo nicht mehr los, zumal der Anblick für Verärgerung bei den fachlich versierten Betrachtern sorgte.  „Gerade solche illegalen Aktionen sind der Grund, warum die Graffiti-Szene bei vielen Menschen in Verruf geraten ist“, meint Freye, der mit gutem Beispiel vorangehen und mit seinen Arbeiten dazu beitragen möchte, dass sich das öffentliche Meinungsbild ändert und Graffiti als Kunst angesehen wird.

Erste Erfahrungen in der "Graffiti-Hauptstadt"

Freye ist schon seit seiner Jugendzeit in der Szene aktiv. Der gebürtige Berliner hat seine ersten Kunstwerke in der „Graffiti-Hauptstadt“ geschaffen, damals noch ohne Bezahlung und unter der Gefahr, von der Polizei erwischt zu werden, erinnert sich der heute 34-Jährige, der Soziale Arbeit an der Universität Vechta studiert hat und nun als Jugendkulturreferent an verschiedenen Schulen tätig ist.

Auch Masemann hat seine ersten Graffitis schon vor mehr als 15 Jahren erstellt. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Doch einfach drauflos gesprüht wird nicht. Flächen ausmessen, Linien abkleben, Schablonen anfertigen – solche Vorbereitungen gehören bei einer professionellen Arbeit dazu. „Der schönste Moment ist, wenn das Klebeband oder die Schablone abgenommen wird und man das Motiv sieht“, sagt der 29-jährige Lehramtsstudent.

Um ihre aktuellen Pläne in der Vechtaer Innenstadt umzusetzen, haben Masemann und Freye zunächst Kontakt zum Vermieter des Wohn- und Geschäftshauses aufgenommen. Er begrüßte den originellen Vorschlag und erteilte eine Genehmigung für die Neugestaltung der Wand. Damit war der Weg für das innerstädtische Kunstprojekt geebnet.

Stellte sich nur die Frage, welche Motive die Wand künftig prägen sollten. „Nach einigen Treffen und Brainstormings einigten wir aus darauf, dass die Motive einen offensichtlichen Bezug zu Vechta haben sollen“, berichtet Freye. Die Wahl fiel auf einen abstrakt gestalteten „Vechta Schriftzug“, das Castrum Vechtense und einen großen Baum als „Eyecatcher“. Hinzu kamen kleine Details wie ein Stadtplan mit Augenmerk auf die Große Straße und den Bereich rund um den Hamza-Kiosk.

Mit dem Griff zur Spraydose brachte das Duo auch zusätzliches Grün in die Innenstadt. Kleine Naturelemente wie Blumen und eine Rasenfläche wuchsen an der Mauer empor. Hinzu kamen weitere Vechta-spezifische Symbole wie ein Pferd sowie die Traditionsfiguren Jan und Libet – der Stoppelmarkt lässt grüßen. Dies alles wurde auf einen Hintergrund gemalt, der einen Abendhimmel im Zitadellenpark darstellt.

Passanten suchen das Gespräch mit Künstlern

Während der mehrtägigen Arbeit hielten immer wieder Bürger in der Gasse inne und schauten den Künstlern über die Schulter. „Wir haben regelmäßig Gespräche mit interessierten Passanten geführt. Sie gaben uns durchweg positive Rückmeldungen und freuten sich über dieses Kunstwerk“, berichtet Masemann, der mit dem Ergebnis ganz zufrieden ist: „Es ist ein schöner Farbklecks in der Innenstadt.“

Ein Dankeschön richten die Graffiti-Künstler an die Bürgerstiftung Vechta, die sich auf Nachfrage dazu bereit erklärte, finanzielle Unterstützung bei den Materialkosten zu leisten. Der Hamza-Kiosk sorgte für Getränke, und ohne das Jawort des Hauseigentümers wäre die Aktion erst gar nicht möglich gewesen, wissen Masemann und Freye zu schätzen. Ihr Wunsch ist es, in Zukunft noch weitere Projekte in Vechta umzusetzen.

  • Info: Eine Kontaktaufnahme zu den Künstlern ist per E-Mail unter R_Masemann@gmx.net oder nils.freye@yahoo.de möglich.

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